Vampira (2)
Der Moloch




Inhalt:
Brian Secada begriff, dass es von hier aus nur einen Weg in die Erde, niemals jedoch aus ihr heraus geben konnte. Er torkelte. Da war Licht geradeaus. Er stolperte, fing den Sturz mit den Händen auf, schlug sich aber die Knie blutig. Sofort schien der Boden 1000 Zungen zu gebären, die ihm das Blut ableckten. Er rappelte sich auf. Weiter. Auf das Licht zu, das ihn zu einer Türattrappe führte. Die Tür stand offen…

Lilith Eden, Tochter eines Menschen und einer Vampirin, dazu gezeugt, eine geheimnisvolle Bestimmung zu erfüllen. Fast 100 Jahre lag sie in einem magischen Schlaf. Doch sie ist zwei Jahre zu früh erwacht – die Zeit ist noch nicht reif, die Geschichte nimmt ihren Lauf…

Story:
Zu Beginn dieser zweiten Folge werden nahezu alle Geschehnisse aus Folge 1 zusammengefasst und das in etwa 2 Minuten. Was lernen wir daraus? 1. Folge 1 bot inhaltlich also wirklich nicht allzu viel und 2. Man muss Folge 1 nicht kennen um Folge 2 zu hören. Man stellt relativ schnell fest, dass sich „Der Moloch“ wesentlich mehr als Hörspiel präsentiert als die erste Folge, die eher einer inszenierten Lesung glich. Da macht das Hören direkt wesentlich mehr Spaß, wenn man nicht minutenlangen Ausführungen des Erzählers folgen muss und siehe da, direkt ist der Unterhaltungslevel wesentlich höher. Dennoch bleibt Vampira irgendwie eine ziemlich seltsame Serie, bei der mir grade die Hauptperson so einige Fragezeichen auf die Stirn zaubert. Jedenfalls finde ich es äußerst seltsam, wenn man seine Gegner erst einmal vernaschen will und auch die häufige Betonung, dass Lilith aka Vampira ein Catsuit trägt finde ich unnötig. Nun gut, sieht man von diesen Eigenarten ab, so bekommt man aber ein atmosphärisches Hörspiel, das hier und da auch einige gruselige Momente zu bieten hat. Eine klare Steigerung gegenüber der ersten Folge ist zu erkennen, da man dem Hörer hier auch mal eine seichte Portion Action serviert.

Sprecher:
Da es hier wesentlich „hörspieliger“ zugeht als bei Folge 1, kann man hier die Leistungen der Beteiligten auch wesentlich besser bewerten. Allerdings konnte mich die Sprecherin der Hauptrolle (Tina Haseney) immer noch nicht wirklich überzeugen. In mehreren Passagen klingt sie irgendwie so, als wäre sie nicht recht bei der Sache. Möglicherweise ist die Rolle von Lilith/Vampira ja auch so angelegt, dass sie manchmal etwas verwirrt klingen soll, aber dennoch sind die Leistungen von Frau Haseney für mich nicht immer optimal. Dem gegenüber präsentiert sich Norbert Langer in Höchstform und geht in seiner Rolle als Detectiv Warner richtig auf. In kleineren Rollen hört man außerdem so bekannte Leute wie Santiago Ziemser und Volker Brandt. Insgesamt fand ich die gehörten Leistungen gut, aber hier wäre für meine Begriffe noch etwas mehr drin gewesen.

Musik und Effekte:
Die Musik war bei der ersten Folge wohl das stärkste Element und auch bei der 2. Folge zeigt man, dass man durchaus weiß, wie man eine passende Atmosphäre für ein Hörspiel kreiert. Unheilschwangere Pianomelodien kommen zum Einsatz und lassen grade bei den Szenen in Liliths eigenartigem Haus eine düstere Atmosphäre entstehen. Bei dieser Folge kann man nun auch zeigen, dass man ein Gespür für gute und passende Effekte hat, denn hier gibt es endlich ein paar Szenen bei denen Hintergrundgeräusche wichtig sind und dort setzt man ordentliche und realistische Effekte ein. Was mich leider etwas gestört hat, sind die verwendeten Sounds für Schritte. Wenn Secada durch Liliths Haus stolpert, klingen die Schritte eher so, als würde eine zerbrechliche Frau mit Absatzschuhen herumlaufen. Nun gut … sowas ist durchaus zu verschmerzen, das die technische Seite sich ansonsten nämlich als wirklich gelungen herausstellt.

Fazit:
Man hat die Kurve also doch noch gekriegt. Nachdem sich Folge 1 als reichlich durchschnittliche Angelegenheit entpuppte, weht mit der zweiten Folge schon ein anderer Wind. Die langen Erzählertexte sind „echten“ Dialogen gewichen und statt endlosen Beschreibungen, gibt es hier auch mal eine Dosis Action. So macht das Hören direkt viel mehr Spaß, denn die Handlung wirkt wesentlich weniger einschläfernd als „Das Erwachen“. Bei den Sprechern gibt es herzlich wenig Grund zur Klage. Leider ist es ausgerechnet die Sprecherin der Hauptfigur, die gewissen Anlass zur Kritik bietet. Hieran sollte man bis zur nächsten Folge jedenfalls noch etwas arbeiten. Musikalisch muss man sich keine Sorgen machen und auch bei den Effekten hat man gezeigt, dass man sein Handwerk versteht. „Der Moloch“ erfindet das Grusel- und Horror-Genre sicherlich nicht neu, aber er bietet Freunden von atmosphärischen Hörspielen neuen Stoff. Die Serie wird todsicher nicht jedermanns Sache sein und so sollte man sich erst eine Hörprobe gönnen. Mir persönlich hat das zweite Abenteuer von Vampira wesentlich besser gefallen als ihr erstes und „Der Moloch“ stellt eine Produktion dar, die ich gerne öfter höre. GUT.



lord gösel