Vampira (1)
Das Erwachen




Inhalt:
Sie ließ sich auf ihre Knie nieder und begann, die Staubschicht beiseite zu wischen. Als der glatte, glasartige Boden sichtbar wurde, arbeitete die schneller. Zunächst glaubte sie, in einen Spiegel zu blicken, weil sie verschwommenes Gesicht zu iht hoch starrte. Doch dann erkannte sie die Wahrheit.

Ein junges Mädchen erwacht auf einem Friedhof. Wer ist sie? Und wie lautet ihre Bestimmung? Sie gelangt zu einem Haus - ihrem Haus. Die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Story:
Eine weitere Serie des Gruselgenres wird von Lübbe Audio (diesmal in Kooperation mit floff publishing) in die Hörspielwelt hinausgelassen. Wie auch beim Geisterjäger John Sinclair dient hier eine Heftserie als Vorlage. Da hören aber auch schon die Gemeinsamkeiten mit der hauseigenen Konkurrenz auf. Die Hauptperson dieser Serie ist Vampira aka Lilith Eden. In dieser ersten Folge wird uns dieser Charakter erst einmal recht ausgiebig näher gebracht und man erfährt allerlei Wissenswertes für die Halbvampirin. Leider geschieht dies stellenweise doch auf arg wirren Wegen und man muss schon ziemlich aufpassen um sich in der Handlung zu Recht zu finden. So wird hier quasi erst das zweite. Drittel der Geschichte erzählt, dann folgt das erste und abschließend das dritte. An sich sicherlich eine interessante Idee, wenn die Bearbeitung der Geschichte nicht so schrecklich gezogen daher kommen würde. Der Erzähler hat sehr viel Text und so will einfach kein rechtes Tempo in das Hörspiel kommen, dass über die erste Hälfte viel eher die Bezeichnung „inszenierte Lesung“ verdient hätte. Manche Passagen wirken künstlich in die Länge gezogen und da kann es schon mal passieren, dass man als Hörer abgelenkt wird. Schlecht ist das Gebotene zwar nicht wirklich, aber wenn man bedenkt, was momentan im Gruselsektor an Konkurrenz auf dem Markt zu finden ist (Gruselkabinett, Die schwarze Sonne, Gabriel Burns) so kann die vorliegende Geschichte nicht wesentlich mehr als einen durchschnittlichen Unterhaltungswert einheimsen.

Sprecher:
Christian Rode fungiert hier als Erzähler und trägt diese Produktion somit zu zirka 75% alleine. Seine Erzählerpassagen sind lang und grade in der ersten Hälfte des Hörspiels ist nahezu nur er zu hören. Allerdings ist dies nicht weiter tragisch, da er seinen Job überaus souverän erledigt. In der Titelgebenden Rolle der Vampira (bzw. Lilith) ist Tina Haseney zu hören, die mich allerdings nicht völlig überzeugen konnte. Manchmal wirkte sie auf mich etwas zu emotionslos, was aber auch daran liegen könnte, dass sie nur selten Gelegenheit hat wirklich zu spielen. Ihre Einsätze sind immer recht kurz. In den Nebenrollen trifft man auf einige bekannte Stimmen, wie Udo Schenk, Barbara Ratthey oder Santiago Ziesmer. Auch hier gibt es das Problem, dass die Einsätze der jeweiligen Sprecher immer nur recht kurz sind, was schon schade ist. Als Stargast wirkte Dirk Felsenheimer aka Bela B. von „Die Ärzte“ in der Rolle des finsteren Landru mit. Für ihn gilt selbiges wie für die Sprecher der Nebenrollen, so dass man seine Leistung nur schwer bewerten kann. Für ein Hörspiel sind die Einsätze von verschiedenen Sprecher äußerst selten und es bleibt zu hoffen, dass in der nächsten Folge etwas mehr gespielt werden darf, da man für meine Begriffe hier einiges an Potential verschenkt.

Musik und Effekte:
Die Musik, die zur Untermalung eingesetzt wird, ist überaus gelungen und passt zu der leicht wirren Geschichte und der unheilsschwangeren Atmosphäre. Pianoklänge prägen das Klangbild und wissen zu gefallen. Für die Effekte gilt über weite Strecken ähnliches wie für die Sprecher, sie kommen nur selten richtig zum Einsatz. Oftmals wird der Erzählertext von Sounds wie Schritten untermalt. Allerdings fehlen dem Hörspiel auch Szenen, die man realistisch in Szene setzen könnte, da ein Großteil der Handlung ja reich surreal daherkommt. Auch in diesem Punkt möchte ich nicht sagen, dass das Gebotene schlecht ist, aber irgendwie kann und will ich es auch nicht als gut oder gar sehr gut bezeichnen. Die ganze Angelegenheit ist einfach etwas zu sehr Hörbuch als Hörspiel.

Fazit:
Wer eine neue Horror-Action-Serie im Stil von John Sinclair oder Faith erwartet, der liegt mit dieser Serie falsch, zumindest was die erste Folge angeht. Zwar ist die Rede davon, dass es in Zukunft schon um Kämpfe gehen soll, aber in der ersten Folge ist eher Reden angesagt. Einführungsfolge mag man denken, aber das entschuldigt für meine Begriffe nicht die Bearbeitung, die zu viel Tempo aus der Geschichte nimmt, so dass sich einige Längen einschleichen können. Seltsam ist auch die Tatsache, dass man wirklich gute Sprecher ins Studio holt, um sie dann kaum reden zu lassen und aus dieser Produktion eher eine inszenierte Lesung macht. Für meine Begriffe ist die Bezeichnung „Mystery-Hörspiel“ nämlich ein leichter Fall von Etikettenschwindel. Nun gut, wer atmosphärische Geschichten, die so ganz ohne Actioneinlagen auskommen mag, der kann ruhig mal diese Folge hier anchecken. Freunde von echtem Horror sind (zumindest bei Folge 1) an der absolut falschen Adresse. Alles in allem kann man sich „Das Erwachen“ sicherlich mal anhören, aber neben Serien wie „Gruselkabinett“ oder „Gabriel Burns“ macht die erste Folge von Vampira doch eine recht durchschnittliche Figur. Mal hören, wie es in Folge 2 weitergeht …



lord gösel