TKKG (161)
Ein Yeti in der Millionenstadt




Inhalt:
Aufregung in der Millionenstadt! Sollte es ihn wahrhaftig geben? Den legendären Schneemenschen aus dem Himalaja? Mehrere Augenzeugen beschwören seine Existenz, denn sie alle wurden Opfer eines hinterhältigen Überfalls. Eine behaarte Bestie hatte ihnen am Geldautomaten aufgelauert, das Geld gekrallt und war dann brüllend verschwunden. Keine leichte Aufgabe für TKKG, und Tim muss während der Ermittlungen einige Tiefschläge einstecken – im wahrsten Sinne des Wortes!

Story:
Der Titel dieser Folge ließ Böses erahnen, gerade wenn man sich an das noch nicht weit zurückliegende Debakel „Oskar und die sieben Zwerge“ erinnert. Doch man kann sich irren, denn vom Prinzip hat man hier eine äußerst bodenständige Geschichte vorliegen, die einer Gruppe von Jugendlichen durchaus so passiert sein könnte. Problematisch ist allerdings (auch mal wieder) die Inhaltsangabe, denn bereits nach den ersten Minuten ist klar, dass es sich nicht um einen echten Yeti, sondern um einen verkleideten Menschen handelt. Somit ist das Ziel also, den bösen Buben hinter der Maske zu entlarven. Hierfür ist Köpfchen und auch ein bisschen Kommissar Zufall gefragt. Erfreulich ist der Umstand, dass man erneut auf Gangster-Dialoge verzichtet und es in der gesamten Spielzeit nur die vier vom TKKG zu hören gibt. Dennoch ist dies noch kein Grund um hemmungslos zu jubeln, denn hier schleicht sich dasselbe Problem ein, wie bei der Folge zuvor. Die Handlung zieht sich leider, da diverse Szenen in die Länge gezogen wirken und nicht wenige Dialoge einfach nicht auf den Punkt kommen wollen. Als Beispiel hierfür seien einmal der Einstieg und die fast 10-minütige Szene in der Eisfirma „Bibber“ genannt. Hinzu gesellen sich noch einige kleine Ungereimtheiten innerhalb der Geschichte, so dass man hier insgesamt nur von einem durchschnittlichen Eindruck seitens der Geschichte reden kann. Es wäre sicherlich mehr drin gewesen, denn prinzipiell ist die Geschichte immer noch um Längen besser und logischer als die letzten 20 Folgen aus der Feder Stefan Wolfs.

Sprecher:
Die positiven Entwicklungen bei den Geschichten wirken sich offenbar auch auf die Sprecher aus. Jedenfalls klingen die vier Protagonisten wesentlich „echter“ in ihren Rollen als es in der letzten Zeit der Regelfall war, was sicherlich auch daran liegen dürfte, dass endlich mal wieder alle zum Zuge kommen, ohne dabei nur auf die negativen Elemente ihrer Rolle minimiert zu sein. Auch in den Nebenrollen hat man bekannte Stimmen dabei und Leute wie Judy Winter, Eckard Dux, Jannik Endemann, Ivo Möller oder Tobias Schmidt liefern souveräne Leistungen ab und können überzeugen. Ein wenig anders verhält es sich eigentlich nur mit Jacob Weigert, die die Rolle Nils Schwabing übernimmt. Er klingt für diese Rolle einfach viel zu alt, denn er soll einen Schüler der 7. Klasse verkörpern und könnte eher einen Lehrer sprechen. Sicher, die vier Hauptsprecher klingen auch nicht als wären sie 13 oder 14 Jahre alt, aber zumindest Endemann, Möller und Schmidt klingen (trotz höherem Alter) nicht deplatziert in ihren Rollen als Jugendliche. Dieser kleine Fehltritt ist für meine Begriffe aber zu verschmerzen, denn insgesamt überwiegen doch klar die ordentlichen Leistungen in dieser Produktion.

Musik und Effekte:
Bei der musikalischen Untermalung hat man sich hörbare Mühe gegeben. Die Zeiten in denen technoartiges Gewummer den Gehörgang quälte sind lange vorbei und nun mehr hat man sich auch daran erinnert, dass im Archiv noch viele sehr atmosphärische Stücke schlummern. Von eben diesen kommt eine Vielzahl hier zum Einsatz und dadurch entsteht eine schöne, dichte Winteratmosphäre. Hinzu gesellen sich die Effekte, die man schon seit Jahr und Tag aus den Produktionen des Tonstudios Körting kennt. Dezent und im Hintergrund, aber dennoch in jeder Szene absolut passend und authentisch eingesetzt. Hier gibt es dementsprechend herzlich wenig Anlass zur Kritik und die technische Umsetzung dieser Produktion kann überzeugen.

Fazit:
Auch mit „Ein Yeti in der Millionenstadt“ will es nicht gelingen ein wirklich gutes Hörspiel auf die Beine zu stellen. Wie schon bei den Folgen zuvor ist auch hier wieder der Knackpunkt, dass man sich an einigen Stellen Zeit nimmt, die eigentlich nicht von Nöten wäre. Manche der Dialoge kommen einfach nicht richtig auf den Punkt und man verbringt ein wenig zu viel Zeit mit dem „Geplänkel“ drum herum. Dafür können sich die Sprecher größtenteils wirklich hören lassen und man hat auch wieder den Eindruck, dass jede Figur in der Serie eine Daseinsberechtigung hat. So klingt es wieder nach TKKG und nicht nur nach TG. Man kann sich auf jeden Fall freuen, denn seit Veröffentlichung der 158 blieb der Hörerschaft ein waschechter Fehltritt erspart und man hat sich auf einem konstanten Level eingepegelt, der aber leider nur im durchschnittlichen Bereich liegt. Trotz des Verzichts auf Gangster-Dialoge und Super-Gangster fehlt immer noch ein wenig der richtige Fluss in der Handlung. Insgesamt betrachtet also ein Hörspiel, dass man sich als Hörspiel-Verrückter durchaus mal anhören kann und Fans der Serie werden auf ihre Kosten kommen.



lord gösel