Die schwarze Sonne (2)
Böses Erwachen

|
Inhalt: Ein Jahr nach den schrecklichen Ereignissen von Derbyshire: Adam Salton hat seit dem tragischen Tod von Mimmi Watford nicht mehr gesprochen. In einem seelischen Dämmerzustand folgt er seinem treuen Freund Nathaniel De Salis nach Frankreich, wo sie auf einen befreundeten Schriftsteller treffen. Doch der lethargische Zustand von Adam soll sich schnell wandeln. Ein Geheimnis, das Nathaniel mit dem Schriftsteller verbindet, entwickelt sich zu einer tödlichen Bedrohung. Adam muss erwachen... Story: Eines der beeindruckendsten Hörspielsdebüts des Jahres 2006 findet mit „Böses Erwachen“ seine Fortsetzung und geht dabei gänzlich andere Wege, als man es nach dem Genuss der ersten Folge erwartet hätte. Zeigte sich „Das Schloss der Schlage“ noch als phantastisches Einzelhörspiel, so präsentiert die zweite Folge Ansätze, die auf eine große Rahmenhandlung á la Gabriel Burns schließen lassen. Kann trotz dieses Umstandes die Geschichte denn auch als Einzelwerk überzeugen? Oh ja, das kann sie … und wie! Die Ereignisse spielen auf verschiedenen zeitlichen Ebenen und man muss hier absolut konzentriert bei der Sache sein, um nichts zu verpassen und alle Zusammenhänge zu verstehen. Tut man dies aber, dann kann man eintauchen in einen ganz besonderen Trip, der düster, unheimlich und sehr intensiv ist. Eine kleine Portion Splatter noch oben drauf und fertig ist eine Geschichte, die mich vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen hat und mich bis zum Ende nicht wieder losgelassen hat. Hier wird man ganz ohne Frage sehr gut unterhalten. Sprecher: Schon in der ersten Folge zeigte Christian Stark, dass er nicht nur ein begnadeter Sprecher ist, sondern auch die Rolle des Erzählers mit Bravur meistern kann. Auf seine bereits sehr gelungenen Leistungen des Debüts setzt er hier noch gekonnt eins drauf und das in beiden Disziplinen: Als sprechender Charakter ist er schon gefordert, denn der arme Adam muss in dieser Geschichte so einiges erleiden. Aber seine Performance als Erzähler ist noch beeindruckender, denn auch hier leidet Christian Stark und man glaubt wirklich, dass er all die schrecklichen Ereignisse von denen er hier erzählt wirklich erlebt hat. Ganz große Leistung, mit der sich Stark in meinen Ohren für einen Ohrkanus empfiehlt. Doch auch der „Rest“ des agierenden Casts kann sich hören lassen. Sehr positiv überrascht war ich von Reinhilt Schneider, die hier ungewohnt böse und auch ganz ohne „Stöhneinlagen“ daherkommt. Lediglich Konrad Halver fand ich als Jules Verne nicht 100%ig überzeugend, da ich mir zu diesem Charakter irgendwie eine andere Stimme vorgestellt habe. Naja … das ändert aber rein gar nichts daran, dass die Leistungen insgesamt betrachtet wirklich sehr gut sind. Musik und Effekte: Schon weiter oben habe ich Vergleiche mir der Serie „Gabriel Burns“ gezogen und auch in diesem Punkt kann man diese Serie wieder als Vergleich heranziehen, denn auch bei diesem Hörspiel kommt eine ähnlich beklemmende Atmosphäre auf. Die düsteren und unheilschwangeren Melodien, die hier zum Einsatz kommen, passen zu der Geschichte wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Auch auf der Seite der Effekte kann diese Produktion vollends überzeugen und stellt ein weiteres Hörspiel dar, dass sich die Bezeichnung „Kino für Ohren“ vollends verdient hat. Cover und Layout: Leider gibt es hier ein ähnliches Problem wie schon bei der ersten Folge: Das Innere des Inlays ist absolut sehenswert und zeigt verschiedene Szenen des Hörspiels als Zeichnungen. Allerdings bekommt man das Innere ja erst zu sehen, wenn man die CD bereits gekauft hat und davon könnte einen das Frontcover glatt abhalten, denn es sieht sehr billig und fast schon einfallslos aus und lässt nicht erahnen, welch genialer Inhalt sich dahinter verbirgt. Hier sollte man bei zukünftigen Produktionen ruhig mit noch etwas mehr Liebe zum Detail zu Werke gehen. Fazit: Zwar entwickelt sich die Serie mit dieser zweiten Folge in eine gänzlich andere Richtung, als man es nach Folge 1 erwartet hätte, aber dennoch ist „Böses Erwachen“ keinen Deut schlechter als „Das Schloss der Schlange“. Im Gegenteil: Man haut dem Hörer hier eine Folge um die Ohren, die sich als absoluter Knaller erweist. Die Handlung ist spannend und unheimlich und zieht einen vom ersten Moment an in ihren Bann. Bei den Sprechern überzeugen (bis auf eine kleine Ausnahme) alle und vor allem Christian Stark verdient ein extragroßes Lob für seine überragenden Leistungen. Das Tüpfelchen auf dem i ist dann noch die technische Seite, die absolut auf der Höhe der Zeit ist und ein exzellentes Kopfkino entstehen lässt. Man kann wirklich nur staunen, wie man es bei Lausch schafft die eigene Produktion mit der nächsten scheinbar mühelos zu überbieten. Was soll ich noch großartig schreiben: Überzeugend von vorne bis hinten, eine absolute TOP-Produktion und vielleicht sogar ein Anwärter auf den Titel „Hörspiel des Jahres“. ![]() ![]() ![]() ![]()
lord gösel |