Schattenreich (2)
Finstere Fluten




Inhalt:
Der Ägyptologe Walberg ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen. Welchem Zweck diente das Labor?

Story:
Schattenreich geht in die zweite Runde und man führt den Handlungsfaden der zum Ende von Folge 1 aufkam konsequent fort. Christian Wagner versucht dem Geheimnis des Ägyptologens Wahlberg auf die Spur zu kommen. Dabei wird er wieder in einige äußerst seltsame und bizarre Situationen verwickelt und kommt am Ende nur knapp mit dem Leben davon. Was sich schon in Folge 1 abzeichnete wird hier immer deutlicher: Es ist etwas Großes im Gange und irgendetwas hat die Vergangenheit von Christian Wagner mit den ganzen Geschehnissen zu tun. Die Serie folgt einem sehr ähnlichen Prinzip wie „Gabriel Burns“. Es gibt einige Brocken an Informationen, die den großen Rahmen vorantreiben, aber gleichzeitig werden geschickt weitere Fragen aufgeworfen, die es in Zukunft zu beantworten gilt. Leider tritt auch hier wieder das Problem auf, dass schon in der ersten Folge vorhanden war: An einigen Stellen zieht sich die Handlung und man hält sich recht lange mit detaillierten Beschreibungen auf. Dies ist auf der einen Seite natürlich auch ganz nett, da man sich so als Hörer sehr intensiv in das Geschehen hineinversetzen kann, aber auf der anderen Seite nimmt es leider auch viel Fahrt aus der Geschichte. Trotz dieses Schönheitsfehlers habe ich mich über die gesamte Laufzeit gut unterhalten gefühlt.

Sprecher:
Auf der Seite der Sprecher gibt es keine nennenswerten Veränderungen. Vom Prinzip her agiert hier auch derselbe Cast wie schon bei der ersten Folge, da es kaum neue Charaktere gibt, die auf der Bildfläche erscheinen. In namenlosen Nebenrollen hört man so bekannte Stimmen wie Peter Groeger, Manfred Lehman oder Santiago Ziesmer, woran man merkt, dass hier schon einiges investiert wird. Allerdings gestaltet es sich nach wie vor so, dass Alexander Scheer in seiner Rolle als Erzähler für meinen Geschmack einen Ticken zu viel Text hat. Eben dann, wenn er sich mit diesen sehr detailverliebten Beschreibungen von bestimmten Orten und/oder Situationen aufhält. Hier darf man in Zukunft ruhig noch etwas kürzen und auch Alexa-Sprecherin Sandra Speichert sollte sich an einigen Stellen noch etwas steigern, um weniger abgelesen zu wirken. Wie auch beim Punkt „Story“ kann man sich hier also noch an einigen Stellen verbessern, so dass auch hierfür das Urteil „nur“ GUT ist.

Musik und Effekte:
Musikalisch ist das Gebotene wie schon bei Folge 1 eigentlich wirklich allererste Sahne. Düstere und Unheil verkündende klassische Stücke lassen eine mächtig dichte und vor allem düstere Atmosphäre entstehen, die der der eigenen „Konkurrenzserie“ Edgar Allan Poe in Nichts nachsteht. Zusätzlich zu diesen klassischen Impressionen (vorgetragen vom Berliner Filmorchester und Kammerchor) gibt es verschiedene Musikstücke aus der Dark Wave/Gothic-Szene zu hören. Allerdings sind die Stücke leider viel zu laut eingemischt und fegen die Boxen, wenn sie zum Einsatz kommen, ordentlich durch. Dies ist überaus schade, denn die verwendeten Stücke (u.a. von Oomph! und Letzte Instanz) passen vom Prinzip richtig gut in das Hörspiel … wenn sie eben nicht so verdammt laut wären. Dies sollte man für die kommenden Folgen in den Griff bekommen, denn es schmälert den ansonsten überaus positiven Eindruck der technischen Seite dieser Produktion, so dass auch hier „nur“ das Prädikat GUT vergeben werden kann, obwohl ganz klar mehr möglich gewesen wäre.

Fazit:
„Finstere Fluten“ bewegt sich auf nahezu exakt demselben Niveau wie „Die Nephilim“. Alle positiven Aspekte der ersten Folge (spannende und düstere Handlung, gute Sprecher und schöne, atmosphärische Musik) findet man auch hier wieder. Leider treten die kleinen Macken aber auch auf gleiche Weise wieder auf: Hier und da verzettelt man sich mit den Beschreibungen bestimmter Orte und Ereignisse, so dass die Rolle des Erzähler stellenweise zu stark betont wird. Die viel zu laut eingemischten Musikstücke bekannter Bands sind aber das größte Manko, da sowas bei der Abmischung eigentlich auffallen muss und derartige Fehler bei einer ansonsten solch professionellen Produktion nicht vorkommen dürfen. Obwohl das nun schon ziemlich hart klingt, überwiegt letzten Endes doch das Positive, so dass ich auch die zweite Folge allen Freunden von düsterer Unterhaltung ans Herz legen kann. Wer schon die erste Episode mochte, der liegt auch mit „Finstere Fluten“ goldrichtig. Die beiden weiteren angekündigten Folgen erwarte ich schon mit Spannung und hoffe, dass sie nicht nur GUT (wie diese Folge) sondern dann wirklich TOP! werden.



lord gösel