Edgar Allan Poe (7)
Die Morde in der Rue Morque




Inhalt:
Zusammen mit Leonie mietet sich Poe in New Orleans in einer kleinen Pension ein. Bald werden sich ihre Wege trennen, denn Leonie will dem Schicksal ihrer verstorbenen Freundin nachgehen. Poe bringt ein grausamer Traum in Grübeln: Soll er die Suche wirklich allein fortsetzen? Zumal Leonies Gesicht immer wieder in seinen Träumen auftaucht. Weil er ihr in einem früheren Leben bereits begegnet ist?

Story:
Schon in Vorfeld gab es so einige Diskussionen, dass diese Geschichte vermutlich nicht in den sonstigen Rahmen der Serie passen würde. Und ... die Prophezeiung hat sich erfüllt. Zwar hat man die Handlung so zurecht gebogen, dass man der Linie der bisherigen FOlgen treu bleibt, aber dennoch will der Funke bei dieser Geschichte nicht recht überspringen. Das Hauptproblem liegt für meinen Geschmack darin, dass es der Geschichte über weite Strecken an Spannung fehlt. Es wird etwas von einem Schatz erzählt und von Poes/Gunns Bekanntschaft mit zwei Damen und dann ist da noch Gunns Affe. Alles schön und gut, aber Spannung kommt wie gesagt nahezu gar nicht auf und auch die düstere Atmosphäre, die diese Serie sonst immer ausmachte habe ich hier vermisst. Es war die erste Geschichte, die mich nicht grade vom Hocker gehauen hat. Somit ist klar, dass man nicht alle Poe-Geschichten in den Rahmen dieser Serie zwingen kann, denn der Eindruck der von dieser Geschichte bleibt ist schon ein wenig schwach.

Sprecher:
Man kennt das schon aus diversen Produktionen der Neuzeit: Was die Geschichte verbaut, müssen dann vorallem die Sprecher wieder wett machen. Dies gelingt hier auch wirklich sehr gut. Über das Doppel Pleitgen und Berben braucht man keine grossen Worte mehr verlieren. Beide agieren sehr gut und es macht Spass ihren Dialogen zu lauschen. Viele Nebenrollen gibt es mal wieder nicht. Natürlich ist Till Hagen als Dr. Templeton wieder dabei und auch ansonsten trifft man hier auf bekannte Sprecher wie Manfred Lehmann, Luise Lunow und Edelgard Hansen. Auch bei der Regie hat man sich keine Patzer gegönnt und somit geht zumindest dieser Aspekt der Produktion vollends in Ordnung, da hier durchweg sehr gute Arbeit geleistet worden ist.

Musik und Effekte:
Ähnlich wie auch bei "Gabriel Burns" war die Musik in den bisherigen Folgen immer ein entscheidender Faktor, der massgeblich zur Bildung der dichten Atmosphäre beitrug. Hier offenbart sich dann das folgende Problem: Wenn die Handlung schlicht ziemlich "unspannend" ist, kann die Musik auch kaum spannungsfördernd eingesetzt werden. Lediglich zum Ende hin, als es zu den titelgebenden "Morden in der Rue Morgue" kommt, wäre ordentliche Musik gefragt gewesen. Wäre? Ist da denn keine Musik. Nun ... ob man das wirklich als Musik bezeichnen kann, liegt wohl im Auge des Betrachters bzw. im Ohre des Hörers. Mir persönlich gingen diese "Ergüsse" eher auf die Nerven, da sie mal so gar nicht als Untermalung für die Morde passen wollten. Bei den Effekten hingegen hat man fast alles richtig gemacht. Ja ... auch hier nur fast, denn am Ende meint man es dann doch etwas zu gut mit der Lautstärke. Das Gebotene geht insgesamt betrachtet noch in Ordnung, aber irgendwie kann es den bisherigen Standard der Reihe nicht halten.

Fazit:
Mit "Die Morde in der Rue Morgue" liefert man die erste Produktion ab, die nicht wirklich überzegen kann. Die Geschichte kommt kaum in Fahrt und passt auch nicht ganz in den bisherigen Rahmen der Serie, da das unheimliche Element fehlt. Musik und Effekte können auch nicht den bisher gewohnten Standard der Serie halten und lediglich die Sprecher sind es, die auf ganzer Linie überzeugen können. Doch auch noch so hervoragende Sprecherleistungen führen sicherlich nicht dazu, dass man sich ein Hörspiel mit einer ziemlich zähen Handlung vermehrt anhören wird. Fans der Reihe werden wahrscheinlich eh zugreifen, doch es sei gesagt, dass man hier die schwächste Folge der 2. Staffel und auch die schwächste Folge der Serie bisher abgeliefert hat. Unterm Strich bleibt nur eine durchschnittliche Produktion, die man mal hören kann, die aber gewiss kein "MUST-HAVE!" ist.



lord gösel