Offenbarung 23 (8)
Macht!




Inhalt:
1963 wurde John F. Kennedy ermordet, Später sein Bruder Robert, auch sein Sohn kam unter mysteriösen Umständen ums Leben. Zahllose Theorien machen die Mafia, die amerikanische Regierung selbst, die Kubaner oder gar einen Fluch dafür verantwortlich. Doch Georg Brand aus Berlin offenbart, dass der selbst unter ungeklärten Umständen gestorbene Hacker Tron einen viel simpleren, banaleren und umso glaubwürdigeren Grund für die Kennedy-Todesfälle ermittelt hat.

Story:
Oh weia! Ich hatte es ja irgendwie seit Beginn der Serie schon immer befürchtet, doch die letzten wirklich guten Folgen hatten mir wieder Mut gemacht, doch nun ist es wirklich geschehen. Die 8. Folge von „Offenbarung 23“ ist Verschwörungstheorie von vorne bis hinten. „Moment mal“, mag man nun denken, „das war doch bisher immer so“. NEIN, denn bei allen anderen Folgen gab es immer noch irgendeine Form von Handlung, die man um die ganzen Theorien herumbastelte. Die Unterhaltungsqualität war dabei sicherlich von Folge zu Folge verschieden, aber bei dieser Folge scheint man die Handlung schlicht und ergreifend vergessen zu haben. Dieses Hörspiel besteht wirklich nur aus endloslangen Dialogen, in denen der Hörer mit einer solchen Flut an Informationen und Theorien zugedröhnt wird, dass man einfach überfordert wird und irgendwann einfach gar nicht mehr richtig hinhört. Dadurch zieht sich die Folge, die mit 78 Minuten sowieso alles andere als kurz ist natürlich noch viel mehr und man fragt sich, wann denn nun endlich mal etwas passiert. Und dann passiert auch etwas und zwar etwas absolut fieses, denn dieses Hörspiel endet mit einem der wohl gemeinsten Cliffhanger der Geschichte. Leider muss man sich aber erst durch eine so dermaßen uninteressante Handlung quälen, dass der Schockmoment gar nicht so hoch ist, wie er eigentlich sein könnte. Wer dachte, dass die Serie ja schon immer lange Dialoge hatte, dem dürften hier die Augen aus dem Kopf treten: 15 Minuten führt T-Rex einen Dialog in einer Bar, 10 Minuten lang telefoniert er mit seinem Freund Kim, weitere 10 Minuten macht er Smalltalk mit Saint Claire und zum Finale gibt es eine 20-minütige Szene, die aber immerhin mit 3 Sprecher aufwarten kann. Nein, nein und nochmals nein … so macht ein Hörspiel keinen Spaß. Man schaltet einfach irgendwann ab und hört nur noch am Rande mit und das kann nicht Sinn der Sache sein. Inhaltlich die bis dato schwächste Folge, da es hier eben nur Theorien und keine echte Handlung gibt. Eine Enttäuschung und ein schwacher Eindruck bleiben.

Sprecher:
Sprecher können ja eigentlich immer eine ganze Menge reißen, wenn eine Geschichte nicht unbedingt der Überknaller ist. Doch hier gelingt dies leider nur bedingt, denn stellenweise ähneln die langen Erklärungen, die die Sprecher hier abgeben einer Vorlesung eines Geschichtsbuches. Die Stimme von Jürgen Kluckert (als Patrick) mag noch so markant sein, aber auch das rettet nicht davor, dass man seinem Vortrag kein wirkliches Interesse schenkt. Selbiges gilt auch für Rainer Schöne, der die Rolle von Roy Adams übernimmt. Wenn man eben nur Theorien vorträgt und über Geschichte philosophiert, so ist man als Schauspieler/Sprecher leider nicht besonders gefordert. Es ist schwer zu erklären, denn die Leistungen an sich bleiben natürlich auf dem gewohnten Niveau, nur ist es hier wirklich so, dass die Geschichte so uninteressant ist, dass auch die besten Sprecher nichts mehr daran ändern können.

Musik und Effekte:
Normalerweise ist man es ja gewohnt, dass die Musik bei dieser Serie sehr gut ist und immer an den richtigen Stellen zur Spannungsförderung eingesetzt wird. Kann das denn hier wirklich anders sein? Ja, das kann es in der Tat. Hier gestaltet es sich nämlich so, dass bei den langen Dialogen oft und lange Hintergrundmusik eingemischt wird, die ein dramatisches Flair entstehen lässt. So was kann absolut super sein, wenn man es im richtigen Moment einsetzt, wenn man aber über eine Zeitspanne von mehreren Minuten dramatische Hintergrundmusik hört und es passiert dennoch nichts, außer das über Theorien diskutiert wird, so verliert die Musik ganz einfach ihre Wirkung und wirkt nur noch störend und deplaziert. Dafür bleibt auf der Seite der Effekte aber alles beim Alten, so dass der Hörer stets eine ansprechende Soundkulisse vor die Ohren bekommt. Dennoch zeigt sich die technische Seite insgesamt nicht so stark, wie man es aus den vorangegangenen Folgen kennt.

Fazit:
Nach 2 Folgen, die mir wirklich gut gefallen haben kommt mit „Macht!“ der ganz tiefe Sturz. Verschwörungstheorien sind ja gut und schön, aber man muss es eben schaffen drum herum auch irgendeine Form von Handlung zu konstruieren, die den Hörer in ihren Bann schlägt und dies ist hierbei zu keiner Sekunde gelungen. Dialoge, die sich über Zeiträume von mehr als Minuten erstrecken und deren Inhalt wirklich nur Theorien sind, reichen einfach nicht aus, um fast 80 Minuten interessant zu gestalten. Bei so viel „Gelaber“ können selbst die wirklich guten Sprecher den Karren nicht mehr aus dem Dreck ziehen, denn man hört ihnen stellenweise einfach gar nicht mehr zu. Auch auf der Seite der Musik zeigt man sich nicht von der besten Seite. Man hätte sich hier lieber den Leitsatz „Weniger ist manchmal mehr“ zu Herzen nehmen sollen, anstatt minutenlang dramatische Hintergrundmusik in an sich undramatische Dialoge einzumischen. Selbst so manchem Fan dieser Serie dürfte es bei dieser Folge nun doch etwas zu weit gehen, so dass ich nicht einmal für diese eine Empfehlung aussprechen kann. „Macht!“ stellt für mich die bisher schwächste Folge dieser Serie dar und kratzt wirklich am aller untersten Ende der Kategorie „schwach“. Diese Folge wandert sicherlich nicht mehr so schnell in meinen CD-Player.



lord gösel