Mythos und Legenden (2)
Das Philadelphia-Experiment




Inhalt:
Kiel - Der Journalist Christian Bachmann (39) ist gestern in den Abendstunden gegen 22:30 Uhr bei einem Unfall auf der B 404 in der Nähe von Moorsee tödlich verunglückt. Die Unfallursache ist noch nicht genau geklärt. Erste Ermittlungen haben aber ergeben, dass ein weiteres Fahrzeug am Unfall beteiligt gewesen ist. Christian Bachmann war bundesweit für seine Enthüllungsstorys für das Nachrichtenmagazin „Einblick“ bekannt. Aus gut unterrichteten Kreisen haben wir erfahren, dass er in den vergangenen Wochen an einer weiteren Enthüllung arbeitete. Vor zwei Tagen kehrte er erst aus den USA nach Deutschland zurück. Die als Dienstreise beim Nachrichtenmagazin „Einblick“ geführte Reise führte ihn über Philadelphia nach Washington. Nach unbestätigten Meldungen war das Ziel seiner Reise neue Erkenntnisse über das angeblich im Jahre 1943 durchgeführte „Philadelphia-Experiment“ gewesen sein. An der Unfallstelle waren zwei Notärzte im Einsatz. Wegen der Aufräum- und Rettungsarbeiten war die Landstraße zwischen Moorsee und Schlüsbek bis 1.00 Uhr gesperrt.

Story:
Schleppte sich „Das Bernsteinzimmer“ mit seiner Spielzeit von 80 Minuten noch sehr träge voran, so rast „Das Philadelphia-Experiment“ regelrecht von Szene zu Szene. Einerseits war es sicherlich eine gute Idee, das Tempo zu erhöhen, doch leider wird der Genuss des Hörens dadurch in keinster Weise besser. Alles rauscht irgendwie am Hörer vorbei und es entsteht quasi keinerlei Bindung zu der Handlung oder gar zu den agierenden Protagonisten. Die Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit erfolgen so hart, dass man sich als Hörer stellenweise fragt in welcher zeitlichen Ebene man sich gerade befindet. Es ändert sich auch nichts daran, wenn man noch so aufmerksam zuhört, weil es schlicht keinen Hinweis auf die Zeit gibt. Insgesamt fehlt mir bei der Handlung bzw. dem Handlungsablauf ein klar erkennbarer roter Faden. Oft wirkt alles irgendwie aneinander geklatscht. Wie schon beim Bernsteinzimmer, so ist auch hier der Ansatz ohne Frage interessant, aber bei der Ausführung gibt es noch eine ganze Menge Mängel, so dass die Handlung insgesamt einen sehr schwachen Eindruck hinterlässt.

Sprecher:
Die Leistungen der Sprecher gehen im Großen und Ganzen als in Ordnung durch. Ich habe in meinem Leben schon viele Produktionen gehört in den man glaubte die Sprecher würden einfach nur ablesen, was hier relativ selten der Fall ist. Allerdings scheint man sich nicht wirklich um Regie bemüht zu haben, denn der eine oder andere Fehler hat sich ins Hörspiel verirrt, den die Regie hätte ausbessern müssen. Die Leistungen der Sprecher sind somit eigentlich in Ordnung, was aber für meine Begriffe nicht akzeptabel ist, dass ist die Qualität der Aufnahmen. Hierbei schwankt man von Studioqualität bis hin zu Aufnahmen, die klingen als seien sie im heimischen Badezimmer aufgenommen worden. Bert Stevens klingt eigenartig metallisch und irgendwie gepresst, während man bei Falk T. Puschmann den Eindruck hat, seine Mikro hätte in einem Blecheimer gestanden. Die Stimme Erik Albrodts hallt und wenn dieser sich im Dialog mit Horst Kurth befindet, der vom Sound mit die professionellste Aufnahmequalität zu bieten hat, fällt das direkt doppelt negativ auf. Eigentlich solide Leistungen, die aufgrund der Aufnahmequalität sehr oft an den Nerven zerren und insgesamt betrachtet nicht mehr völlig überzeugen können.

Musik und Effekte:
Bei aller Kritik gibt es auch einen Punkt der sich hören lassen kann und das sind die Effekte. Hier hat man ordentlich gearbeitet und die Szenen werden im Ohr real. Da gibt es für meine Begriffe kaum Anlass zu Kritik. Was allerdings wieder fragwürdig erscheint, ist der Einsatz der Musik. Die Stücke wollen nicht an jeder Stelle zur jeweiligen Situation passen und vor allen Dingen sind die Einspielungen zu lang und zu häufig. An sich ist es lobenswert, wenn jeder Szenenübergang durch Musik realisiert wird (gerade wenn es keinen Erzähler gibt), doch wenn sich die Momente häufen in denen man 30 Sekunden Musik, 40 Sekunden Dialog und wieder 30 Sekunden Musik hört, dann wirkt die Musik einfach nur noch störend, da der Handlungsfluss völlig zerstört wird. Somit kann in diesem Punkt insgesamt nur von durchschnittlichen Leistungen die Rede. Schade, denn es wäre klar mehr drin gewesen.

Fazit:
Alles in allem war ich von „Das Philadelphia-Experiment“ doch sehr enttäuscht. „Das Bernsteinzimmer“ ging in meinen Ohren noch als Produktion durch, die man sich als Hörspielfan durchaus mal anhören kann, doch nach dem Hören der zweiten Folge der Reihe „Mythos und Legenden“ wusste ich, dass dieses Hörspiel lange Zeit im Regal (symbolisch, denn ich habe es als Download von soforthoeren) bleiben würde. Zum mehrmaligen Hören lädt „Das Philadelphia-Experiment“ einfach nicht ein, da die Handlung zu gehetzt und stellenweise auch viel zu wirr wirkt. Die größte Enttäuschung war allerdings die Qualität der Sprachaufnahmen, die zwischen sehr gut und nahezu inakzeptabel schwankt. Hätte es sich hierbei um ein Hörspiel zum kostenlosen Download gehandelt, wäre dies zu verschmerzen gewesen. Doch für eine kostenpflichtige Produktion wird hier schlicht etwas Minderwertiges angeboten, für das ich keine Empfehlung aussprechen kann. Enttäuschend ist gerade die Tatsache, dass man sich gegenüber dem Debüt noch zurückentwickelt hat, so dass am Ende nur ein schwacher Eindruck bleibt.



lord gösel