Mitschnitt (1)
Haus am See

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Inhalt: Spannender als jeder Psychothriller erzählt dieses "Audiotagebuch" von dem Schicksal zweier junger Männer, die unter mysteriösen Umständen verschwunden zu sein scheinen. Story: Mit „Mitschnitt“ wird von floff eine neue Reihe auf die Welt der Hörspielfans losgelassen. Bei den Veröffentlichungen soll es sich angeblich um authentische Tondokumente aus den Archiven der Polizei handeln. Dies in Kombination mit dem Inhalt der ersten Folge lässt schnell Erinnerungen an den Film „Blair Witch Project“ aufkommen, denn auch dort wollte man dem Publikum verkaufen, das alles echt sei. Wie dem auch sei, was letzten Endes zählte, dass ist die Frage ob das vorliegende Werk den Hörer unterhalten kann und dies gelingt bei „Haus am See“ auf phantastische Weise. Zwei Studenten wollen das Wochenende im Titelgebenden Haus verbringen und einer der beiden schneidet das Wochenende (zumindest in Auszügen) auf seinem MP3-Player mit, um seiner neuen Freundin einen Einblick in ein echtes Männerwochenende zu verschaffen. Im Zeitalter diverser sinniger und unsinniger Podcasts erscheint die Idee durchaus nachvollziehbar und das erste Viertel des Hörspiels geht auch noch als lockerer und völlig ungezwungen wirkender Smalltalk über die Bühne. Zum einen werden im Laufe dieser Zeit die beiden Protagonisten vorgestellt und zum anderen wird der Background über das unheimliche Haus geliefert. Ist man dann am Ziel angekommen spitzen sich die Ereignisse schnell zu und bald liegen die Nerven der jungen Leute blank. Es wäre falsch zu sagen, dass es Spaß macht dem Geschehen zu lauschen, aber ich kann ruhigen Gewissens behaupten, dass es wirklich unter die Haut geht. Allerdings ist das Gebotene nichts für Zartbesaitete oder Leute mit schwachen Nerven, denn zum einen wird hier gerne ziemlich derbe geflucht und zum anderen liegt hier eine Art von Hörspiel vor, dass psychisch alles andere als leicht verdaulich ist. Ich habe aber relativ starke Nerven, hatte zwar (wie geschrieben) keinen Spaß, habe mich aber dennoch auf sehr innovative Weise phantastisch unterhalten gefühlt. Sprecher: Um die Illusion des authentischen Tondokuments zu wahren, gibt es keinerlei Angaben zu den agierenden Sprechern. Man hat auch nicht den Fehler gemacht und die Protagonisten mit bekannten Stimmen besetzt, so dass man direkt denkt: Hey, das ist doch der xxx, der den yyy synchronisiert. Ob bekannte Stimmen oder nicht sollte aber sekundär sein, denn entscheidend ist natürlich die Frage, ob die beiden Sprecher überzeugen können und dies kann ich klar bejahen. In überzeugender Umgangssprache mit gelegentlichen Verhasplern und einer großen Anzahl an Schimpfwörtern wird die Handlung vorgetragen. Gelegentlich klingt eine Phrase vielleicht doch ein wenig gekünstelt, aber im Großen und Ganzen bleibt die Illusion der Echtheit bestehen, da beide Sprecher mit hörbarem Engagement zu Werke gegangen sind. Das Ziel wurde somit erreicht und als Hörer kann man mit dem Gebotenen absolut zufrieden sein. Musik und Effekte: Musik gibt es bei dieser Produktion eigentlich gar nicht. Lediglich ein Stück ertönt immer wieder aus einem Radio, was auch Bedeutung für die Geschichte hat. Den Song gibt es am Ende nochmals als Hidden-Track, was ein sehr nett gemachter Gag ist, denn man nach dem Genuss des Hörspiels verstehen kann. Da ergibt der Text auch plötzlich einen ganz neuen Sinn. Was die Effekte angeht, so war dieser Bereich hier besonders gefragt. Die gesamte Tonqualität der Aufnahme wurde bewusst auf schlecht getrimmt, aber dennoch sind die Unterhaltungen gut zu verstehen. Alle Geräusche wirken oftmals sehr laut, was aber absolut gewollt ist, denn schließlich soll hier der Eindruck erweckt werden, einem waschechten „Mitschnitt“ zu lauschen und eben nicht einer perfekt ausbalancierten Aufnahme mit akribisch eingemischter Geräuschkulisse. Es mag sicherlich gewöhnungsbedürftig sein, doch wie schon beim Punkt Sprecher, so kann ich auch hier nur sagen, dass man seinen eigenen Anspruch an die Produktion sehr gut umgesetzt hat. Fazit: Mit der ersten Episode der neuen Reihe „Mitschnitt“ haben floff einen waschechten Knaller auf die Hörerschaft losgelassen. Dank einer geschickt eingefädelten Grundidee, zwei sehr authentische klingenden Sprechern und einer äußerst ungewöhnlichen Abmischung kann man sich als Hörer über die volle Distanz der Illusion hingeben einer unbearbeiteten Aufnahme aus den Archiven der Polizei zu lauschen. Man bekommt eine gute Stunde eine Mischung aus Thriller und Grusel geboten, die unter die Haut geht. Ich kann mich nicht erinnern bisher etwas Vergleichbares gehört zu haben und kann dieser Produktion nur das Prädikat TOP verleihen. Allerdings sollte man sich als Hörer schon auf einiges gefasst machen, denn der Slogan „Nichts ist verstörender als die Realität“ ist in diesem Falle mehr als nur ein plumper Marketing-Gag. ![]() ![]() ![]() ![]()
lord gösel |