Meister des Schreckens (4)
Frankenstein




Inhalt:
Beim Versuch eine nordöstliche Seepassage zum Nordpol zu entdecken, gerät das Schiff des englischen Abenteurers Robert Walton ins Packeis. Doch Walton hält fanatisch an seinem Vorhaben fest, und ist bereit das Leben seiner Mannschaft und auch sein eigenes zu opfern, um sein utopisches Ziel in die Tat umzusetzen .Da taucht unvermittelt ein Mann auf, der die Eiswüsten des Nordens zu Fuß durchwandert hat. Mehr tot als lebendig verfolgt er eine dämonische Kreatur, die irgendwo im Nebel auf die Männer lauert. Mit letzter Kraft berichtet der Fremde Captain Walton die Tragödie seines Lebens und offenbart ihm seinen Namen. Einen Namen, den Walton niemals wieder vergessen wird: Victor Frankenstein ...

Story:
Die Geschichte um Frankenstein dürfte wohl jeder kennen und es gibt mittlerweile doch einige Interpretationen des Ganzen, sowohl in Film- als auch in Hörspielform. Nachdem erst kürzlich eine sehr starke Version von Titania Medien ins Rennen geschickt wurde, schickt man sich nun auch bei Maritim an, der Geschichte Mary Shelleys in der Reihe „Meister des Schreckens“ Tribut zu zollen. Für das Verfassen des Dialogbuches zeigt sich Ascan von Bargen verantwortlich, der den meisten Hörspielfans wohl als Autor von „Annwyn“, „Requiem“ oder der Serie „Dark Trace“ bekannt sein dürfte. Über 2 CDs und eine Spielzeit von knapp 100 Minuten versucht von Bargen hier dem Titel der Reihe gerecht zu werden und die gruseligsten Momente der Geschichte zu bündeln. Dies gelingt ihm ohne Frage auch sehr gut, denn an diversen Stellen ist eine wohlige Gänsehaut beim Hören garantiert. Leider muss man hierfür aber auch den Umstand in Kauf nehmen, dass Frankensteins Kreatur eben nur als Monster dargestellt wird und man somit die innere Zerrissenheit des Wesen und dadurch auch ein wenig den Tiefgang vermisst. Beide Aspekte wurden bei der Version von Titania Medien auf phantastische Weise herausgearbeitet und im direkten Vergleich mit dieser Fassung zieht Maritims Frankenstein rein inhaltlich den Kürzeren. Wem es nur um die unheimlichen Momente geht, der wird an dieser Fassung sicherlich seine Freude haben, denn schlecht ist diese Interpretation bei Leibe nicht, nur steht sie eben im Schatten eines sehr guten anderen Hörspiels.

Sprecher:
Beim Lesen der Sprecherliste läuft dem Hörspielfan vermutlich sofort das Wasser im Mund zusammen, denn hier finden sich einige bekannte Stimmen wieder, die in der Regel auf für sehr gute Leistungen stehen. Leider ist in diesem Falle nicht alles Gold was glänzt, denn die üblichen kleinen Macken, die man schon aus zahlreichen Produktionen dieses Labels kennt, sind auch hier wieder vorzufinden: Diesmal ist der große Stolperstein der Name „Justine“, der mal englisch und mal französisch ausgesprochen wird und wenn ich nicht irre, dann versuchen einige Sprecher sogar beide Varianten und insofern kommt mal wieder die Frage auf, was die Regie den Sprecher eigentlich gesagt hat. Leider hat die Regie nicht nur bei der Aussprache nicht besonders gut aufgepasst, sondern auch bei den Aufnahmen von Helmut Krauss war man nicht gerade in Höchstform. In den emotionalen Szenen klingt Krauss einfach nur gelangweilt und fast schon überfordert, was man sich bei einem Profi seines Kalibers eigentlich nur schwer vorstellen kann. Dennoch kann dieses Hörspiel gerettet werden, denn was Udo Schenk als Frankenstein vorlegt geht schlichtweg unter die Haut. Er spielt die Rolle mit solcher Inbrunst, dass man den Wahnsinn förmlich spüren kann, der Frankenstein gegen Ende befallen hat. Diese Leistung stimmt schon versöhnlicher, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass Schenk weite Strecken der Handlung als One-man-show absolviert. Insgesamt betrachtet hätte man hier einiges noch wesentlich besser machen können, aber dennoch kann das Gebotene (eben mit gewissen Einschränkungen) überzeugen.

Musik und Effekte:
Musikalisch zeigt man sich passend zur Thematik von einer sehr düsteren Seite und setzt vornehmlich auf Orchesterstücke. Es entsteht fraglos eine sehr dichte und unheilsschwangere Atmosphäre, die zum Inhalt der Geschichte passt wie die Faust auf Auge. Hinzu gesellen sich Effekte, die dem Hörer schön auf die Sprünge helfen, so dass die verschiedenen Situationen vor dem geistigen Auge real werden können. In diesem Bereich gibt es für meine Begriffe die wenigste Kritik, denn unter dem Vorsatz, dass man hier ein Grusel-Hörspiel auf die Beine stellen wollte ist die technische Umsetzung absolut gelungen und sehr hörenswert.

Fazit:
Diese Hörspielumsetzung von „Frankenstein“ dürfte wohl in erster Linie für Leute interessant sein, die im Punkto Grusel voll auf ihre Kosten kommen wollen. Ascan von Bargen hat passend zum Serientitel die unheimlichsten Momente zusammengemischt und ihm ist eine sehr düstere Interpretation des Stoffes gelungen. Leider mangelt es dafür an der einen oder anderen Stelle doch ein wenig am Tiefgang, gerade im Bezug auf das „Monster“. Auch bei den Sprechern trüben die altbekannten Probleme diverser Maritim-Produktionen das Bild, was aber fast komplett durch das phantastische Spiel Udo Schenks als Viktor Frankenstein wett gemacht wird. Absolut hören lassen kann sich dem gegenüber die technische Umsetzung, denn dank schwermütiger Orchesterstücke und gut klingender Effekte erzeugt man hier eine düstere und passende Stimmung. Somit wäre es falsch zu sagen, dass diese Version von Frankenstein misslungen ist, denn im Kontext einer Gruselserie funktioniert die Interpretation Ascan von Bargens recht gut. Nur leider bleibt der lange Schatten der Titania-Produktion aus dem diese Fassung nicht heraustreten kann. Dennoch kann ich dieses Hörspiel mit dem Prädikat gut bedenken, allerdings muss man sich schon ein kleines minus dahinter denken.



lord gösel