Macabros (5)
Die Schreckensgöttin

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Inhalt: Mitten auf dem Trafalgar Square in London, am hellichten Tage, wird ein Mann von einem Hund mit einem menschlichen Totenschädel angefallen und so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus muß. Als dieser Höllenhund nur einen Tag später den Kunstmaler Edgar Laughton angreift ist Björn Hellmark gerade noch rechtzeitig zur Stelle. Er kann die Bestie töten, doch wo liegt die Verbindung zwischen diesem ungewöhnlichen Ereignis und dem noch viel unglaublicheren Verschwinden des Künstlers, der dreißig Jahre weg gewesen war, und dann urplötzlich, ohne jede Erinnerung an diese Zeit wieder aufgetaucht ist? Björn forscht nach und stolpert kopfüber in die Welt der Schreckensgöttin. Story: Nach mehr als einen Jahr findet Macabros nun seine Fortsetzung und zwar mit der fünften Folge. Was für Verwirrung sorgt ist relativ leicht zu erklären: Die Rechte für die bereits vertonten Romane 2-4 liegen bis 2008 noch bei EUROPA bzw. SONY BMG und da man sich nicht einigen konnte, hat Hörspiele-Welt nun also erstmal „Die Schreckensgöttin“ vertont. Für das Verständnis der Folge stellt dies allerdings kein Problem dar, denn die Handlung bei der Serie ist nicht stark aufeinander aufbauend. Was mich zunächst stark erfreute, war die Spielzeit, denn Folge 5 kommt nur mit einer CD daher. Allerdings hat man diese dann auch direkt bis an den Rand des Möglichen voll gepackt und bietet 77 Minuten Hörspiel. Hörspiel? Diese Bezeichnung hat das Produkt über weite Strecken gar nicht verdient, denn was hier die Ohren des Hörers erreicht gleich doch eher einer inszenierten Lesung. Die Texte, die der Erzähler zu stemmen hat sind wirklich enorm und dies ist alles andere als positiv. Denn, was hier vorgetragen wird ist oftmals geradezu irrelevant für die eigentliche Handlung und dementsprechend nimmt es mächtig Tempo aus dem Hörspiel. Es dauert mehr als 40 Minuten, bis die Geschichte endlich mal ins Rollen kommt und auch dann kann man nicht grade jubeln, denn was die Vorlage inhaltlich hergibt, dass hätte man in Hörspielform völlig problemlos auf 30 Minuten zusammenkürzen können. Genau dies wäre nämlich die Aufgabe des Dialogbuch-Autors gewesen. Überflüssiges, was damals geschrieben wurde um die erforderliche Seitenzahl zu erreichen, kürzen oder stellenweise sogar komplett weglassen. Generell wäre es auch schön, wenn es mehr wirkliche Dialoge zu hören gäbe, denn meistens hört man entweder endloslange Erzählerpassagen oder monologähnliche Gespräche, wo Person A endlos erzählt und Person B dann ab und an mal „Aha“ oder ähnliches einwirft. Nein, „Die Schreckensgöttin“ war sicherlich keine Glanzleistung von Dan Shocker, aber leider orientiert sich die Hörspiel-Bearbeitung wieder so nahe am Original, dass ich hier nur von einer Enttäuschung sprechen kann. Einen dicken Klopps leistet man sich durch die Bezüge zur Gegenwart, wie „Wer wird Millionär“ oder Handys, denn laut Folge 1 befindet man sich mittendrin in den 70ern! Sprecher: Es war ja kaum zu erwarten, dass man sich nach grade mal einer Folge vom Sprecher der Hauptfigur trennen würde und dementsprechend kommt hier abermals Simon Gosejohann als Björn Hellmark/Macabros zum Einsatz. Erwartungsgemäß ist er natürlich nicht von heute auf morgen zum ultra professionell klingenden Hörspiel-Sprecher geworden, aber dennoch muss ich gestehen, dass es Passagen gibt in denen er ganz gut klingt. Nämlich dann, wenn es um den ganz alltäglichen Smalltalk geht. Lockeres, ungezwungenen Reden geht in Ordnung, wenn er auch hier und da noch Probleme mit der richtigen Betonung hat. Völlig überfordert ist Gosejohann allerdings immer noch mit seinen Erzählerpassagen und wenn es um Situationen geht in denen es dramatisch oder gar actiongeladen zur Sache gehen sollte. Diese Passagen klingen einfach gekünstelt und unbeholfen, leider. Sehr seltsam ist auch die Tatsache, dass man die beiden Erzähler (Gosejohann als ICH-Erzähler und Hans-Jörg Karrenbrock als Allwissender Erzähler) irgendwie nicht konsequent einsetzt, denn oftmals greift Karrenbrock als Erzähler ein, wo eigentlich Gosejohann zum Einsatz kommen sollte. Hier findet sich auch direkt ein weiteres Problem, denn Karrenbrock legt in diversen Passagen eine Stimme an den Tag, die besser in einen informativen Naturfilm gepasst hätte, als in eine Gruselserie. Doch er ist nicht der einzige Sprecher, der Fragezeichen auf meiner Stirn hinterlässt. In meinen Augen ist nämlich Konrad Halver für die Rolle Rani Mahay die klassische Fehlbesetzung. Mahay soll ein großer, starker und durchtrainierten Mann sein und dazu dann die Stimme Halvers, die schon leicht brüchig klingt. Man verstehe mich nun bitte nicht falsch: Halver ist ein absolut begabter Sprecher und eine Hörspiellegende und das er super spielen kann, hat er zuletzt eindrucksvoll bei Kommissar Dobranski bewiesen, aber diese Rolle hier passt eben so gar nicht zu seiner Stimme. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, hört man Halver auch direkt in zwei Rollen. Man mag nun denken: Na und, dass war doch auch bei EUROPA früher gang und gebe. Allerdings ist Halvers zweite Rolle (Edgar Laughton) nicht minder wichtig, als Rani Mahay und zwei tragende Rolle mit derselben Stimme zu besetzen ist schon äußerst fragwürdig. Vorallen, wenn es sich um eine derart markante Stimme wie die von Halver handelt. Bei all diesen Fragezeichen können auch die wirklich ansprechenden Leistungen von Nandini Mitra (Carminia), Gisela Trowe (Mrs. Brown) oder Edda Fischer (Schreckensgöttin) nicht mehr viel ändern. Insgesamt betrachtet sind die Sprecher diese Produktion also eine überaus fragwürdige Angelegenheit. Musik und Effekte: In Folge 1 erwies sich der Punkt „Musik und Effekte“ als einziger wirklich gelungener Aspekt der Produktion und auch hier kann man es fast so stehen lassen. Allerdings eben nur fast, denn es gibt auch hier einige Dinge, die nicht ganz optimal gelaufen sind. Das fällt vor allem zum Ende des Hörspiels auf, wenn es mal zur Sache geht, bzw. zur Sache gehen sollte. Es ist nämlich von einer Schlacht die Rede, die „locker mit den heftigsten Splatter-Movies mithalten konnte“. Als Hörer fragt man sich in dem Moment allerdings, wo diese Schlacht denn wohl stattfindet, denn dort wo Björn Hellmark in dem Moment ist sicherlich nicht. Bei einer Schlacht müsste doch unglaublich viel zu hören sein, wie etwa Gebrüll, Schreie, Waffenklirren, Schritte, etc. Hier geht es regelnrecht bedacht leise zu. Nun gut, eine Schlacht ist sicherlich auch nichr grade einfach in Szene zu setzten, doch es ist schon mal wieder so ein Moment, wo ein wenig mehr aus den heimischen Boxen dröhnen sollte, als es hier der Fall ist. Dafür hat man der Serie aber musikalisch ein sehr passendes Gesicht verpasst und hat ordentliche Stücke eingesetzt. Was ich allerdings nicht so gelungen fand war, dass hier auch Stücke von Tom Steinbrecher zum Einsatz kamen. Auch hier: Bitte nicht falsch verstehen. Ich schätze Steinbrecher als Musiker sehr und seine Kompositionen haben wahrlich ein unglaubliches „Bohn-Feeling“, aber für meinen Geschmack passen die Stücke nicht zu der sonstigen Musik dieser Folge. Trotz aller Macken bleibt die technische Umsetzung immer noch der Punkt, in dem sich die Serie am Professionellsten präsentiert. Cover und Layout: Cover und Layout ändern sicherlich nichts an der Bewertung, aber dennoch möchte hier abermals darauf hinweisen, mit wie viel Liebe zum Detail man hier gearbeitet hat. Die ersten 1000 Exemplare gibt es im schmucken Digipak, was im Hörspiel-Sektor eine Seltenheit darstellt und wirklich gut aussieht. Auch das Booklet kann mit reichlich vielen Informationen aufwarten. Respekt dafür! Fazit: Die Frage die wohl alle bewegte: Ist Folge 5 besser als Folge 1? Kurz und schmerzlos: Nein, nicht wirklich. Das größte Manko dieses Hörspiel ist die Handlung, denn was Dan Shocker hier geschrieben hat ist eindeutig keine Perle seiner Zeit als Schriftsteller. Hier wären die Dialogbuchautoren in der Pflicht gewesen zu straffen oder sogar komplett zu streichen, doch da scheint man noch nicht ganz auf dem richtigen Weg zu sein. Trotz grade mal halb so langer Spielzeit, zieht sich Folge 5 ähnlich schlimm wie „Der Monstermacher“. Bei den Sprechern häufen sich die Fragezeichen, denn Simon Gosejohann ist einfach (noch?) kein Action-Held, Erzähler Karrenbrock klingt oftmals eher wie ein Kommentator eines Naturfilms und die Doppelbesetzung von Konrad Halver wirkt einfach nur unbeholfen und wenig durchdacht. Oben drauf kommen noch einige recht schwachbrünstig inszenierte Szenen und der Einsatz einiger Musik, der nicht so recht zum sonstigen musikalischen Konzept passen will. Zu den Problem der ersten Folge haben sich also noch einige hinzugesellt, so dass ich im direkten Vergleich „Die Schreckensgöttin“ sogar noch minimal schwächer finde, als den schon reichlich misslungenen „Monstermacher“. Alles in allem also eine durchaus schwache Vorstellung. ![]()
lord gösel |