Charles Dickens
Das Spukhaus




Inhalt:
Der fest auf dem Boden der Tatsachen stehende Ich-Erzähler der Geschichte bezieht als Urlaubsdomizil ein altes Haus, das den Einheimischen als Spukhaus gilt. Er ist ein Rationalist, der nichts vom Geisteraberglauben der Dorfbevölkerung hält - obwohl auch er tief im Herzen eine geheime Furcht vor jener ‘anderen Welt‘ trägt. Weniger geheim tragen seine Dienstboten diese Furcht zur Schau und suchen das Weite, als es im Haus nächtelang knarrt, klingelt und spukt. Kurz entschlossen lädt der Hausherr deshalb ein paar Freunde ein - allesamt Menschen mit kühlen Köpfen, die dem Spuk ein Ende bereiten, indem sie quietschende Wetterhähne und gluckernde Wasserrohre reparieren. Oder ist der Spuk vielleicht doch noch nicht zu Ende? Denn auf einmal erscheint dem Hausherrn der Geist des jungen Master B., der ihn in eine wundersame, ferne Welt entführt.

Das Spukhaus erschien, unterteilt in die Kapitel "The Mortals in the House" und "The Ghost in Master B.‘s Room" erstmals 1859 in der Weihnachtsausgabe von Dickens‘ Literaturmagazin "All the Year Round" und bildete ursprünglich die Rahmenerzählung für verschiedene Geistergeschichten bekannter Autoren wie Wilkie Collins und Elizabeth Gaskell.

Story:
Klassische Gruselunterhaltung wird dem Hörer in dem neuesten Hörbuch von Stimmbuch präsentiert. Jedenfalls, wenn man die eine Hälfte der Geschichte betrachtet: Ein unheimliches, altes Haus mitten im Nirgendwo, allerlei düstere Geschichten die sich um selbiges ranken und eine Reihe von seltsamen Vorkomnissen. Wie es sich gehört, ist der neue Besitzer des Hauses so gar nicht gewillt an übersinnliche Erscheinungen oder ähnliches zu glauben. Allerdings wird er gegen Ende der Geschichte deutlichst eines besseren belehrt. Aber ... ab hier wird die Geschichte dann auch etwas "schwer verdaulich". Nicht das ihr jetzt denkt, es würden irgendwelche Splatter-Orgien oder ähnliches einsetzten. Von Derartigem ist man hier meilenweit entfernt, aber die Handlung wird ziemlich "abgedreht" und sehr surreal. Mir persönlich war es dann am Ende wirklich etwas zu seltsam. Allerdings bleibt ein überaus gelungenen und sehr spannender "Rest" der Geschichte, so dass ich mich insgesamt noch gut unterhalten gefühlt habe.

Sprecher:
Matthias Haase führt den Hörer durch die Handlung. Er ist nun wirklich kein Unbekannter und dürfte Hörspiel-Fans zumindest aus diversen Episoden der 2000er Edition von John Sinclair bekannt sein, oder als Frodo in der Radio-Mammut-Produktion "Der Herr der Ringe". Im wahrsten Sinne des Wortes also ein "alter Hase". Mit hörbarem Engagement geht er zu Werke und ist bemüht jedem vorkommenden Charakter eine eigene Stimme zu geben. Er versteht es ebenfalls sehr eindrucksvoll durch verschiedene Stimmlagen die jeweilgen Situationen der Geschichte dem Hörer zu vermitteln. Für meinen Geschmack gibt es hier wenig bis eigentlich gar nichts auszusetzten. Die gebotene Leistung von Matthias Haase ist wirklich sehr gut geworden.

Musik und Effekte:
Der Name "Stimmbuch" lässt es schon erahnen: Man begnügt sich hier nicht mit einer schlichten Lesung, oh nein und man bietet auch wesentlich mehr als nur ein Musikstück am Anfang und am Ende. Wichtige Stellen der Handlung werden durch passende, düstere Melodien untermalt. Um die Atmosphäre noch dichter werden zu lassen, hat man sehr viele Effekte eingesetzt. Die Palette reicht hierbei von Hintergrundgeräuschen, wie etwa Gesprächsfetzen, bis hin zu "wichtigen" Effekten wie etwa Schellengeklingel. Es ist überaus erfreulich, dass man sich soviel Mühe bei der Untermalung gegeben hat, denn stimmige Musik und passende Effekte sind grade bei Lesungen unheimlicher Literatur absolut passend und erhöhen die Freude am Hören um einiges.

Fazit:
"Das Spukhaus" ist ein äußerst atmosphärisches Hörbuch geworden. Handlung, Sprecher, Musik und Effekte ... alles zusammen wirkt überaus stimmig und wie aus einem Guss. Es macht Spass Matthias Haase zu lauschen, wie er als "Ich-Erzähler" die Ereignisse die in dem Spukhaus stattfinden schildert. Zur zusätzlichen Verdichtung der Atmosphäre noch gute Musik und einige Effekte dazu und fertig ist eine wirklich GUTE Produktion. Nur gut? Ja, in der Tat. Das Ende führt eben dazu, dass nicht jedermann von dieser Produktion begeistert sein wird und dementsprechend ist die Vergabe des Prädikats "TOP" in meinen Augen und Ohren nicht möglich. Seis drum ... wer unheimliche Unterhaltung mag, der kann hier ohne Frage mal ein Ohr oder gleich beide riskieren.



lord gösel