Ein Fall für Leon Kramer (4)
Die Spur aus Blut




Inhalt:
BKA-Ermittler Leon Kramer steht unter Mordverdacht. Er flieht aus dem Polizeigewahrsam und versucht seine Unschuld zu beweisen – doch alle Indizien sprechen gegen ihn. Auf der Flucht vor den eigenen Kollegen muss er um jeden Preis die Wahrheit herausfinden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt...

Story:
Mit der vierten Folge von „Ein Fall für Leon Kramer“ betritt man wieder neues Terrain. Folge 1 war eher Mystery, aber mit einer logischen Auflösung und Folge 2 ging in die Richtung Abenteuer mit einer Portion Verschwörungstheorie. Beim dritten Abenteuer griff man das Mystery-Element wieder auf, aber ohne es dabei auf einer logischen Erklärung basieren zu lassen. „Die Spur aus Blut“ geht nun eher in die Richtung Thriller und kommt völlig ohne Mystery-Elemente oder Abenteuer-Anleihen aus. Kramer wird des Mordes bezichtigt und muss natürlich beweisen, dass er unschuldig ist. Der Plot ist sicherlich nicht neu und auch nicht unbedingt wahnsinnig originell, aber ich habe mich wesentlich besser unterhalten gefühlt als bei „Der verlorene Tag“. Dies mag zum eine daran liegen, dass es hier einfach wesentlich spannender zugeht und zum anderen daran, dass der Grundton hier auch etwas härter ist. Mehr oder weniger im Vorbeigehen trennt man sich von einer bis dato doch sehr wichtigen Figur, was schon ziemlich krass und unerwartet daherkommt. Zwar hält Kramers vierter Fall für meinen Geschmack nicht ganz mit „Das Geheimnis der Tempelritter“ mit, aber dennoch wird hier solide und spannende Hörspielkost geboten, wenn gleich der Reihe doch ein wenig die eigene Identität fehlt.

Sprecher:
Fabian Harloff ist (natürlich) immer noch Leon Kramer und (natürlich ?) gibt es wieder einige Probleme, die ich mit seiner Performance habe. Auf mich wirkt der gute Kramer an diversen Stellen einfach viel zu cool. Es mag sein, dass dies von der Regie so gewünscht ist, aber ein paar mehr Emotionen dürfte der Held der Serie schon an den Tag legen. Grade bei den Erzählerpassagen wäre hier und da ein wenig mehr Dramatik in der Stimme wünschenswert und auch in Anbetracht des Verlustes eines geliebten Menschen, darf man gerne mal etwas mehr aus sich herausgehen. Erstaunlichweise ist Harloff dieses Mal der Einzige, der auf mich etwas zu reserviert wirkt. Bei den restlichen Sprecher kann man durch die Bank gute Leistungen verzeichnen und grade Bert Stevens als Pfeiffer und Henry König als Rainer Lorenz setzten gute Akzente. Auch Andrea Suwa (die mir in den ersten drei Folgen nicht so recht gefallen wollte) legt hier eine überaus hörenswerte Leistung an den Tag (SPOILER: Leider zum letzten Mal in dieser Rolle). Wer ebenfalls Erwähnung finden sollte, ist Sascha Draeger. Er beweist hier, dass man ihm Unrecht tut, wenn man ihn immer auf Rollen als Jugendlicher oder „Prügelbruder“ minimalisiert, denn als seriöser Roman Winter macht Draeger eine wirklich gute Figur. Alles in allem klingen die Sprecher wesentlich motivierter als in der letzten Folge.

Musik und Effekte:
Beim Punkt Musik bleibt abermals ein Fragezeichen auf meiner Stirn zurück. Grade beim Titelstück der Serie zeigt sich, dass man bei der audiowerkstattköln ein gutes Gespür für eingängige und passende Musik hat. Das eine oder andere Mal erfreut man den Hörer auch mit Musik zum Szenenübergang, aber für meinen Geschmack zu selten. Dadurch wirken manche Übergänge etwas holprig, mehr noch: Ein- oder zweimal merkt man gar nicht wirklich, dass man sich plötzlich in einer anderen Szene befindet. Da war man eben noch auf dem Polizei-Revier und urplötzlich sitzt man in einem fahrenden Auto. Hier darf und sollte man wirklich nachbessern, was auch für die verwendeten Effekte gilt. Was diesmal besonders auffiel, waren die verwendeten Sounds für Schüsse und Schritte. Die Schüsse klingen einfach zu dünn und die Schritte nahezu immer nach hohen Absätzen. Wenn Kramer über den Standstreifen einer Autobahn rennt, dann macht er dabei ganz sicherlich NICHT solche Schrittgeräusche. Die Umsetzung wirkte auf mich nicht so schwach wie bei „Der Falke“, denn dort hatte ich nicht selten das Gefühl, dass Effekte und Dialoge nebeneinander her, statt zusammen laufen würden. In Schulnoten wäre das Gebotene wohl eine 3+.

Fazit:
Nach der etwas enttäuschenden dritten Folge, bringt man „Ein Fall für Leon Kramer“ mit „Die Spur aus Blut“ wieder auf den richtigen Weg. Allerdings hat man es noch nicht geschafft die bisher beste Folge (für meinen Geschmack Nr. 2) zu überbieten. Man bietet zwar inhaltlich einen soliden und durchaus spannenden Thriller (bei dem es stellenweise nicht grade zimperlich zugeht), aber Hauptsprecher Fabian Harloff liegt hier und da doch noch etwas neben der Spur. Zwar ist der „Rest“ der Besetzung überaus schlagfertig, aber auch bei der technischen Umsetzung gibt es noch das eine oder andere Problem. Die Effekte klingen an einigen Stellen schlicht zu dünn und die Musik wird doch etwas zu stiefmütterlich behandelt. Das mag nun alles wesentlich härter klingen als es eigentlich ist, denn im Grunde sind es hier nur Details, aber diese stören den Hörgenuss das eine oder andere Mal doch schon. Insgesamt habe ich mich ordentlich unterhalten gefühlt und vergebe für diese Produktion das Prädikat GUT, wenn auch mit einem gedachten minus dahinter.



lord gösel