Interview mit Klaus Brandhorst
Sprecher und Produzent bei Pandoras Play



Klaus Brandhorst
Hörspielmaniac: Hallo Klaus! Stell dich unseren Lesern bitte erstmal vor. Wer bist du und was machst du bei Pandoras Play?

Klaus:
Hallo! Also, ich bin Informatiker und deshalb bei Pandoras Play schon immer für die Technik zuständig. In den letzten Monaten bin ich immer mehr in die Rolle des Produzenten gerutscht und habe leider immer weniger Zeit, mich selbst ans Mischpult zu setzen. Das inzwischen wirklich grosse Team besteht aber aus lauter super-netten Leuten und deshalb macht auch das Koordinieren und Produzieren eine Menge Spaß.

Hörspielmaniac: Sowohl bei den Schattensaiten als auch bei der ersten Folge von Hörgespinste ging es um Studenten. Sind die Geschichten dieser Serien eventuell eine Art Reflexion eurer Vergangenheit. Ich meine .. es ist schon klar, dass ihr keinem wandelnden Schneemann begegnet seid ... oder etwa doch?

Klaus:
Hehe, wenn Du wüßtest... Naja, als wir zum ersten Mal auf die Idee kamen, eigene Hörspiele zu machen, waren wir noch selbst Studierende. Die ersten Geschichten sind dann einfach in dieses Setting gerutscht, besonders natürlich bei den Schattensaiten. Da gibt es viele Anekdoten: Als Vorlage für die WG diente meine eigene, als der Schneemann gegen die Tür im Badezimmer hämmert, haben wir das auch genau da aufgenommen. Daniel und Claudia, die anderen beiden Protagonisten neben den von Katja und mir verkörperten, sind auch ihren realen Vorbildern Maria Tzankow und Matthias Felling nicht unähnlich. Wir haben das einerseits gemacht, weil uns das so noch mehr Spaß macht, aber der positive Nebeneffekt waren irgendwie schrullige, aber glaubwürdige Charaktere - das macht eine Menge des Charmes der Serie aus, glaube ich.

Hörspielmaniac: In der 5. Folge von Schattensaiten hat sich ein böser Fehler eingeschlichen. Zu Beginn ist die Rede davon, dass Daniel mit dem Rad unterwegs sei. Später, als Daniel und die anderen flüchten müssen sagt er, dass er mit dem Auto gekommen sei. Ist das aus eurer Sicht und mit etwas Abstand ein verzeihlicher Patzer, oder ist sowas schon ein Fehler, der einem zeitlebens peinlich ist?


Schattensaiten (5)
Eine Folge mit einem bösen Fehler
Nein, wir bauen zwar nicht mit Absicht Fehler in die Hörspiele ein, aber wenn einer auftaucht - und es gibt noch 1-2 mehr :-) - dann finden wir das nicht so schlimm, schliesslich merkt man dann, dass die Fans aufmerksam zuhören und die Geschichte ernst nehmen. Wir versuchen aber, Fehler zu vermeiden und haben schon ein paar Mal einen Master im allerletzten Moment wieder verworfen und sogar Nachaufnahmen gemacht, alles, damit keine bösen Schnitzer im Hörspiel sind. Es muss alles einigermassen schlüssig vonstatten gehen, aber nicht immer einfach, z.B. die Technik in einer Parallelwelt wie in den Schattensaiten zu erklären, aber wir geben uns grosse Mühe die Hörer nicht mit einem "ist eben so" abzuspeisen. Ich finde, man muss auch nachvollziehen können, warum jemand so handelt wie er es tut im Hörspiel - selbst wenn er offenbar einen Fehler begeht - sonst komme ich mir als Hörer vor, als würde der Autor mich nicht ernst nehmen. Dafür gibt es leider viel zuviele Beispiele heutzutage.

Hörspielmaniac: Ihr habt ja in relativ kurzer Zeit verdammt viele Produktionen veröffentlicht. Was inspiriert euch dazu? Woher kommen diese unterschiedlichen Ideen (Horror/Mystery/Krimi)?


Chronologie der letzten Tage (1)
Eine eher untypische Produktion von Pandoras Play
Klaus: Ja, das ging alles sehr schnell und ein Titel kam zum anderen. Wir arbeiten inzwischen mit ziemlich vielen Leuten zusammen und allein schon deshalb kommen viele unterschiedliche Stile und Genres zusammen. Baroccos "Chronologie der letzten Tage" etwa ist von der Erzählweise und der Stimmung meilenweit vom gängigen Muster entfernt - vielleicht für manchen zu weit, wenn ich mitbekomme, wie verzweifelt gelegentlich nach einem roten Faden gesucht wird :-)

Aber der Reiz dabei ist einfach, auch unterschiedliche, überraschende Produktionen bringen zu können. Ansonsten stehen wir auf neue Stories, die es schaffen sollen, einen noch zu überraschen. Den x-ten Sherlock Holmes-Klon wird es von uns wohl nicht geben. Wir haben auch noch eine Menge Ideen, aber leider so verflucht wenig Zeit, sie umzusetzen.

Hörspielmaniac: Grade die "Schattensaiten" haben oftmals einen Bezug zu alten Mythologien. Ist das ein "besonderes Hobby" von euch, oder sammelt ihr die nötigen Informationen gezielt für die Geschichten?

Klaus:
Genau, das wird in den kommenden Schattensaiten-Folgen noch wichtiger. Katja wuselt sich dann direkt zur Storyline durch alte Sagen und mythologische Figuren wie den "Ahasverus". Wir werden auch historische Ereignisse einbauen.

Hörspielmaniac: Eure Hörspiele sind immer relativ gewaltfrei. Wie steht ihr zu Serien wie "Gabriel Burns" oder "John Sinclair", die nicht selten durch detaillierte Beschreibungen von übel zugerichteten Leichen "glänzen"?

Klaus:
Eigentlich wollten wir ja erst christliche Hörspiele machen! Hehe, kleiner Scherz. Ich habe überhaupt nichts gegen Gewalt (hm, klingt jetzt auch wieder komisch, oder :-)), aber sie soll nie Selbstzweck sein. Nicht weil das moralisch falsch wäre oder sowas, sondern, und das ist das entscheidende für uns, weil das schlicht langweilig ist. Gewalt ist nur erschreckend, wenn sie im richtigen Zusammenhang steht - und der ist z.B. in den Schattensaiten so einfach nicht da (obwohl es ja auch mal ernst zugeht und da z.B. auch einfach mal Leute sterben, wie in Folge 4 - auch nicht sooo üblich für das Genre). Würde man das Daniel & Co abnehmen, wenn die ihre Gegner in Stücke hechseln? Die schubsen eher :-) Wenn wir den passenden Stoff haben, dann werden wir die größte Blutorgie auf CD pressen, die die Hörspielwelt je gesehen hat ;-) Die erwähnten Beispiele höre ich sehr gern, Gabriel Burns finde ich gar nicht so brutal, vieles ist doch ziemlich subtil, das ist ja das Gute dran. Bei Sinclair gehört es eben zum, äh, ohne jemanden ärgern zu wollen, zum trashigen Charme der Serie - das war schon mit der alten Serie so, wenn die Busladung junger Gespielinnen des Satans zur Bontempi-Orgel angerückt ist oder jetzt, wenn wieder tausend Sternchen explodieren :-)

Hörspielmaniac: Ihr seid ja nun zu "Hörspielmachern" geworden. Seid ihr dennoch auch "Hörspiel-Fans" geblieben? Und wenn ja, welche Serie vermögen es euch wirklich in ihren Bann zu schlagen?

Klaus:
Wir waren und sind absolute Hörspiel-Fans. Hier steht alles im Regal, was in den letzten Jahren erschienen ist und jeden Abend wandert auch was davon in den Player. Ich habe sehr die Einstellung der "Sieben Siegel" bedauert, die fand ich richtig nett. Hoch im Kurs stehen hier auch Gabriel Burns und John Sinclair wandert auch in den Spieler. Wenn man uns eine Freude machen will, wäre auch eine Fortsetzung der Animorphs toll. Von den kleineren Kollegen finde ich Farelia?s Hörspiele sehr gut gemacht! Nicht so vom Hocker reissen uns stumpf runtergelesene Hörbücher, da sollte man sich eher an tollen Sachen wir dem "Exorzist" und "Der Schwarm" ein Beispiel nehmen. Und zu künstlerisch verquaster Monolog-Sumpf wie viele Radiosachen werden auch wieder ausgestellt.

Hörspielmaniac: Euer allererstes Hörspiel war "Klirrende Kälte". Nach einigen Überarbeitungen ist es als erste Folge der Serie "Hörgespinste" erschienen. Worin bestehen konkret die Unterschiede zwischen dem "Original" und der Neuauflage?

Klaus:
Wir haben umgeschnitten und gekürzt, einerseits weil es zu langatmig war und anderseits auch aus rein praktischen Gründen: im Original läuft das Hörspiel fast 90 min, das ist zuviel für eine CD und zuwenig für 2. Wo wir schon dabei waren, gabs gleich noch einen neuen Soundtrack und eine Aufarbeitung der Soundqualität dazu. Irgendwann gibts vielleicht mal den "Director's Cut", zum Download...

Klirrende Kälte
Das erste Hörspiel von Pandoras Play


Hörspielmaniac: Es gab bereits eine Zusammenarbeit zwischen euch und Horst Kurth der Hörfabrik. Wird es auch in Zukunft weiter so sein, dass ihr euch "gegenseitig mit Sprechern aushelft"?

Klaus:
Bestimmt. Über Horst sind wir z.B. mit Christoph Tiemann zusammengekommen, der bei Kassandras Kinder dabeisein wird, Horst selbst übrigens auch, der hat uns durch seine "Kurzarbeit" überzeugt, dass er auch prima in eine Lesung passt. Ein paar Sprecher aus der Gehenna-Connection sind auch schon bei Horst untergekommen.

Hörspielmaniac: Wie ist es zur Zusammensarbeit zwischen euch und Dane gekommen?

Klaus:
Ich glaube, Dane hat uns mal geschrieben, wegen irgendwas zu unseren Hörspielen und nach meiner Antwort kam er recht schnell damit rüber, dass er selbst auch Hörspiele machen wird - für uns, wie uns nach ein paar Zeilen Text aus seinen Skripten sofort klar war :-) Inzwischen sind schon einige Früchte der gemeinsammen Arbeit entstanden, wie "Gehenna" und "Das dunkle Meer der Sterne", viele weitere Sachen sind in Arbeit. Wir hoffen, dass er noch eine Menge für uns schreibt, er ist ein sehr talentierter Autor und Produzent.


Chronologie der letzten Tage (3)
Teil 4 soll nochh in diesem Jahr erscheinen...
Hörspielmaniac: Mal noch ein grober Überblick: Was erwartet uns als Hörer nun noch im letzten Quartal des Jahres 2005 von Pandoras Play?

Klaus:
Da wären zunächst zwei Titel, die hier schon fertig liegen, aber noch ins Presswerk müssen: der 4. und letzte Teil der "Chronologie" und eine kleine aber feine Überraschung mit Starsprecher in einem der cleversten Hörspiele, das ich je gehört habe - wir haben es nicht geschrieben, dashalb darf ich das mal sagen!

Beides wird zusammen in 3-4 Wochen auf die Hörer losgelassen und ich bin schon sehr gespannt auf die Reaktionen. In den Startlöchern steht ausserdem Gehenna 3 und Das dunkle Meer 2, Schattensaiten 8 und Kassandras Kinder 2 kommen dann danach. 3 Folgen für die Hörgespinste sollten eigentlich schon längst fertig sein, aber haben sich wegen Zeitproblemen einer Sprecherin bislang verschoben. Eine Menge Arbeit für uns also, aber viele spannende Stunden für Euch.

Hörspielmaniac: Vielen Dank für das Interview Klaus! Gibt es noch etwas, dass ihr unseren Lesern mitteilen wollt?

Klaus:
Bleibt uns gewogen!

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