Interview mit Horst Kurth
von der Hörfabrik



Horst Kurth
Hörspielmaniac:
Hallo Horst! Stell dich unseren Lesern zu Beginn doch erst einmal vor. Es gibt sicherlich einige, die dich noch nicht kennen.

Horst:
Ja, also ich bin Horst Kurth und bin der Fabrikant der Hörfabrik (www.hoerfabrik.de). Die Hörfabrik produziert und vertreibt Hörspiele, unter anderem die Serien ADF und Mark Tate, außerdem noch die Lesungsreihe „Kurzarbeit“ und das Einzelhörspiel „Road Bandits“.

Hörspielmaniac: Die Hörfabrik besteht nun mehr seit 4 Jahren und ihr habt in der Zeit ja auch schon einiges an Produktionen veröffentlicht. Gib uns doch bitte ein kurzes Resümee des zurückliegenden Jahres 2004.

Horst:
Lass mich mal überlegen. Also … 2004 haben wir die fünfte Folge der ADF “Die Ratten von Rotterdam“, sowie die erste Folge von „Mark Tate- In den Krallen des Geisterkönigs“, und das Road-Movie-Hörspiel „Road Bandits“ gemacht. Wir hatten noch eine ganze Menge mehr geplant, aber zeitlich hat das leider nicht so hingehauen wie ursprünglich geplant.

Hörspielmaniac: Gute Überleitung: Man schafft nicht immer was man will. Wie sieht es nun konkret mit der Zukunft der Hörfabrik aus? Welche Projekte wollt ihr im Jahr 2005 realisieren?

Horst:
Konkret geplant sind zwei weitere Episoden der „Kurzarbeit“. Folge 2 trägt den Titel „Schnüffler“ und Folge 3 „Vampire“. Des Weiteren werden wir die ADF - Reihe mit den Folgen 6 „Freibeuter der Hölle“ und 7 „Der Clown von Venedig“ fortsetzen. Außerdem ist ein weiteres Einzelhörspiel mit dem Titel „ICE“ geplant, wenn wir es denn alles 2005 schaffen.

Hörspielmaniac: Du hast grade das Thema „Kurzarbeit II - Schnüffler“ angeschnitten. Was genau wird den Hörer denn erwarten?

Horst:
Wie auch schon beim ersten Teil, so gibt es auch diesmal wieder drei Kurzgeschichten, die von bereits bekannten Stimmen der Hörfabrik gelesen werden:
Der Streuner“ wurde von Ulrich Hellenbrand geschrieben. Er ist der Gewinner eines Wettbewerbes, den wir für diese Folge ins Leben gerufen haben. Gelesen wird die Geschichte von Oliver Theile , der auch bei „Road Bandits“ den Hank gesprochen hat.
Die zweite Geschichte heißt „Stan Hawk“ und wurde von Thorsten Pahlke geschrieben, der sie auch selber gelesen hat.
Die letzte Geschichte hört auf den Namen „Castrop sehen und vielleicht sterben“ und stammt aus meiner Feder. Hauptfigur ist der Ruhrpottschnüffler Harry Matschek, der schon aus der 4. ADF-Folge bekannt ist. Gelesen wird sie von Marus Fliedner, der in der ADF-Serie auch Harry Matschek gesprochen hat.

Kurzarbeit I - Psychopathen

Hörspielmaniac: Das bringt uns auch gleich zum nächsten Thema. Die Titel der nächsten ADF-Folgen sind nun auch schon seit längerer Zeit bekannt, kannst du uns einen kurzen Einblick in die Inhalte der nächsten Geschichten gewähren?

Horst:
Ja … also die 6. Folge heißt „Freibeuter der Hölle“ und es verschlägt Nick und Ash diesmal an die Nordsee in das kleine Städtchen St. Peter. Nick wird dort hin gerufen, weil seine grosse Liebe Rachel dort in Gefahr schwebt. Dort treffen Nick und Ash auf eine Piratenmannschaft aus Störtebeckers Zeiten. Angeführt wird diese von dem Käpitain Thorben Bloonsted , der sich damals gegen Störtebecker gestellt hat, da er seine Schätze nicht teilen wollte. Er hat lieber den Freitod gewählt und ist einen Pakt mit dem Klabautermann eingegangen. In der heutigen Zeit wird er dann wiedererweckt und die daraus resultierende Geschichte bietet alles wofür ADF steht, unter anderem ein Kanonengefecht auf einem Piratenschiff und ein Jet-Ski-Rennen.
Beim „Clown von Venedig“ wird es um den Hofnarren des Dogen von Venedig gehen. Er hört auf den Namen „Giacomo“ und hat im Mittelalter mehrere Alchimisten umgebracht, weil er das Geheimnis lüften wollte, wie man auf künstliche Weise Gold erzeugen kann. Zur Strafe wurde er mit flüssigem Gold überzogen und in die Bleikammern gesteckt. In der heutigen Zeit kehrt „Giacomo“ zurück. In dieser Folge gibt es ein Wiederhören mit Harry Matschek, der in Venedig gemeinsam mit seinem Begleiter Abu eine Erbschaft antreten will und dabei in den Fall des Clowns von Venedig verwickelt wird.
Bei der 8. Folge ist der Titel noch nicht 100%ig klar. Eigentlich sollte sie „Wir gegen die Klon-Killer“ heissen, aber vielleicht nennen wir sie auch einfach nur „Klon-Killer“. Dort taucht Hagen Obersohn (bekannt aus ADF 02 – Der Hammer des MacGyrn) wieder auf. Er wird dort versuchen einen Klon von Bruno Gronowski (auch ein alter Bekannter) zu erzeugen. Außerdem will er mehrere Klone von Ash und Nick ins Feld bringen.

Hörspielmaniac: Das klingt ja schon mal nach einer guten Portion Nachschub für ADF-Fans. Von der Zukunft wollen wir nun aber mal in die Vergangenheit gehen und auch gleichzeitig zu einem etwas unangenehmen Thema. Der ersten Mark Tate-Folge ist der bekannte aber nicht grade ruhmreiche Titel „Wahnsinn der Woche“ verliehen worden und auch auf einigen Hörspiel-Internet-Seiten hat dieses Hörspiel nicht das positive Feedback bekommen, wie ein Grossteil der anderen Hörfabrik-Produktionen. Wie sieht es nun mit der Zukunft der Serie aus? Wird Mark Tate fortgesetzt?

Mark Tate (1)
In den Krallen des Geisterkönigs

Horst: Natürlich wird die Serie fortgesetzt. Wir werden uns nicht von Rezensionen, die man an einer Hand abzählen kann ins Boxhorn jagen lassen. Auch wenn wir beim Hörspiel-Award die „Gurke des Jahres“ verliehen bekommen sollten, stört mich das nicht SO besonders.

Hörspielmaniac: Eine Sache, die bei Mark Tate sehr verwunderlich war, ist die Tatsache, dass es sich um eine Vertonung des 21. Romans dieser Serie handelt. Was ist der Grund dafür?

Horst: Das hat einen ganz einfachen Grund. Die Lizenzrechte für die ersten 20 Mark Tate-Romane liegen noch beim Kelter-Verlag, während ab der Nummer 21 die Rechte beim Autoren W.A. Hary liegen. Es war einfach sich mit dem Autor auseinander zusetzten als mit dem Kelter-Verlag.

Hörspielmaniac: Tatsächlich ein sehr einfacher Grund. Bleiben wir ruhig beim Thema Mark Tate. Wird es für die anstehenden Folgen irgendwelche Änderungen gegenüber der ersten Folge geben?

Horst:
Ab der 2. Folge wird es einen übergeordneten Erzähler geben der den Hörer als Chronist Mark Tates durch die Handlung führt. übernommen wird dieser Part von Tates Freund Don Cooper, gesprochen von Oliver Theile. Des Weiteren werden vielleicht noch ein oder zwei Sprecher getauscht. Als nächste Folge wird übrigens das Heft 22 vertont werden. Wobei wir hier noch überlegen den Titel zu ändern. Das Heft heißt „Viele Geister verderben den Fluch“ und das klingt in meinen Ohren furchtbar. Das muss aber noch mit dem Autor geklärt werden.

Hörspielmaniac: Das klingt auf jeden Fall sehr viel versprechend. Nun wollen wir mal über etwas Erfreulicheres sprechen. Euer Einzelhörspiel „Road Bandits “ konnte beim diesjährigen Hörspielaward einiges an Nominierungen einfahren: Bestes Einzelhörspiel, Beste Regie, und beste männliche und weibliche Hauptrolle und das obwohl das Echo anfangs relativ dünn war. Das Hörspiel stellt ja nun auch ein Genre da, welches im Hörspielbereich bislang quasi nicht vorhanden war. Gab es im Vorfeld Bedenken, dass es schlecht aufgenommen oder gar ignoriert werden würde?

Horst: Eigentlich nicht. Das einzige Problem im nach hinein war vielleicht, dass wir diesen Begriff „Road-Movie-Hörspiel“ uns überlegt hatten und einige Leute damit wohl nicht recht was anfangen konnten. Hätten wir es als ein Krimi- oder Action-Hörspiel angekündigt, so wäre die Resonanz wahrscheinlich von Anfang an lauter gewesen. Unter einem „Road-Movie-Hörspiel“ kann man sich sicherlich nur schwer was vorstellen. Dennoch kann man nun im Nachhinein anhand der zahlreichen Nominierungen sehen, dass „Road Bandits“ sehr positiv aufgenommen wurde. Thorsten Pahlke eine sehr gute Geschichte geschrieben, aber das Hauptlob sollten den Sprechern und Nils Jeners von der Technik gelten, da diese der Geschichte wirklich Leben eingehaucht haben.


Road Bandits

ADF (3)
Uni-Zombies

Hörspielmaniac: Das werden die Sprecher und der Techniker sicherlich gerne lesen. Mal was ganz anderes. Kannst du uns sagen, welches das bis dato „erfolgreichste“ Produkt der Hörfabrik darstellt?

Horst:
Klar. Die meisten Einheiten haben wir von ADF 03 – Uni-Zombies verkauft. Den besten Einstand hingegen hatte die neue Serie Mark Tate. Es ist also schon ein Name, den die Leute kennen und mit dem sie auch etwas verbinden. Die Leute die auch die Mark Tate-Romane gelesen haben und sich ansonsten nicht unbedingt mit dem Thema Hörspiele befassen, mochten die Folge aber auch. Vielleicht weil sie nicht ganz so verwöhnt sind von Lübbe oder sonstigen großen Labeln.

Hörspielmaniac: Okay, vielen Dank für das Interview Horst. Gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?

Horst:
Ja, es gibt da noch etwas, was ich auf dem Herzen habe. Wir von der Hörfabrik sind natürlich immer wieder auf der Suche nach neuen Stimmen und insbesondere nach weiblichen Stimmen. Es ist leider schwer Frauen zu finden, die mal aus sich heraus gehen und im Studio dann mal richtig schreien oder stöhnen, ohne gleich zu sagen „Bin ich hier in einer Pornoproduktion?“. Wer also Interesse daran hat mal bei einer Produktion dabei zu sein und meint, dass er Talent hat, kann gerne Sprachaufnahmen von sich machen und diese an kurth@hoerfabrik.de senden. Abschließend möchte ich mich noch bei euch für das Interesse an der Hörfabrik bedanken!

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