Dorian Hunter (10)
Der Folterknecht
.1 Die Nacht von Nancy/.2 Hexenhammer


|
Inhalt: Seit Monaten wird Dorian Hunter von Albträumen verfolgt, in denen ihm ein geheimnisvoller französischer Baron aus dem 15. Jahrhundert begegnet. Eines Tages fällt Dorian das Tagebuch des Nicolas de Conde in die Hände. Der Baron hat also wirklich gelebt! Dorian beginnt zu lesen – und das Schicksal nimmt seinen Lauf … Der Dämonen-Killer Dorian Hunter hat einen Großteil des Tagebuches gelesen, das ihm scheinbar zufällig in seiner Bibliothek in die Hände fiel. Detailgenau schildert der französische Baron Nicolas de Conde darin, wie er im Jahr 1484 seine Seele anvertraute. Doch die Aufzeichnungen enden abrupt – und Dorian ahnt, dass ihm nur ein einziger Mensch die Antwort verraten kann… Story: Ich gebe offen zu, dass ich diese Doppelfolge mit einer gewissen Portion Skesis angegangen bin. Als Vorlage dient wie bei allen anderen Folgen auch ein Band der alten Dämonkiller-Serie und bisher ist man stets mit 70-75 Minuten ausgekommen. Nun sollen es direkt 120 werden … ist da nicht zähe Langeweile vorprogrammiert? Allerdings war in mir auch der Glaube an Marco Göllners Fähigkeiten als Skriptautor, denn bei allen zurückliegenden Folgen hat mich Göllner noch nie enttäuscht. Und nach dem Genuss diese Doppelfolge kann ich auch mit voller Überzeugung sagen, dass ich kaum wüsste, wie man diese Produktion hätte verkürzen sollen, ohne das sie etwas ihrer Besonderheit verlieren würde. In der Geschichte tritt Hunter selbst erst einmal ziemlich weit in den Hintergund und überlässt das Feld Nicolas de Conde in dessen Tagebuch er ließt. Hier gibt es Rückbezüge zu den Szenen aus der Vergangenheit, die bereits seit Beginn der Serie immer wieder eingestreut wurden und vorallem in Folge 8 (Kinder des Bösen) eine große Plattform hatten. Geschickt gelingt es hierbei die Ereignisse der Vergangenheit nicht bloß als Bericht darzustellen, sondern sie eben auch durch Spielen der Szenen zum Leben zu erwecken. Allerdings geht man hierbei ein gwisses Wagnis ein, denn zum einen verkommt der Hauptcharakter hier eher zur Nebenfigur und zum zweitens fragt man sich lange Zeit bei der ersten CD, weswegen alles in solcher Breite erzählt werden muss. Allerdings löst man alles in der zweiten CD entsprechend auf und offenbart damit auch den Tiefgang der gesamten Geschichte. Langeweile sucht man hier jedenfalls vergebens, denn dafür gibt es einfach zu viele spannende und sogar schockierende Szenen. Stellvertretend seien hierfür mal die Sabbat-Nacht und die Szenen in der Folterkammer genannt. Da kriecht einen schon eine angenehme Gänsehaut über den Rücken. Kurz gesagt: Alle schlimmen Befürchtungen verpuffen angesichts der Qualität der Umsetzung in der Luft und ich sehe bestätigt: Marco Göllner weiß ganz einfach, was er tut. Fans der Serie werden bei der Geschichte jedenfalls vollends auf ihre Kosten kommen. Sprecher: In dieser Serie stolperte man stets über eine Vielzahl bekannter Namen und auch die erste Doppelfolge stellt hier keine Ausnahme dar. Thomas Schmuckert fungiert diesmal eher als Nebenfigur, aber dennoch erweckt er Hunter auf phantastische Weise zum Leben. Wer hier ein Extra-Lob verdient, ist David Nathan. Er meistert direkt eine Doppelrolle, fungiert er doch sowohl als Nicolas de Conde als auch als Erzähler der Geschnisse aus der Vergangenheit. Gerade gegen Ende der Geschichte, wenn die Szenen aus der Folterkammer kommen, kann man vor Nathan nur seinen Hut ziehen. Was er hier leistet jagte mit wirklich eine dicke Gänsehaut über den Rücken. Doch auch die Leistungen der sonstigen Sprecher hinterlassen einen imposanten Eindruck. Stefan Krause ist wieder als Olivario mit von der Partie und wirkt dabei herrlich verrückt und zwielichtig zugleich. Ansonsten trifft man noch auf Katja Brügger, Kerstin Draeger, Klaus-Dieter Klebsch, Utz Richter, Michael von Rospatt, Philipp Moog oder Martin Semmelrogge. Vorallem Letzterer ist wieder eine wahrer Hinhörer, denn seine Interpretation des Equinus geht unter die Haut. Hier ein fettes Kompliment an Sprecher und Regie. Enttäuschungen sucht man jedenfalls vergebens und somit kann ich auch in diesem Punkt nur sagen: Sehr gute Arbeit! Musik und Effekte: Von Beginn der Serie setze man auf eine moderne und kühle Untermalung. Sowohl die Musik, als auch die Effekte gingen in diese Richtung und man war immer wieder aufs Neue erstaunt über diese finstere Welt, in die man hier eintauchen konnte. Hier tritt man nun erneut den Beweis an, dass man auch Szenarien aus der Vergangenheit zum Leben erwecken kann, ohne dabei dem Stil der Serie untreu zu werden. Imposant zeigt man sich beim vertonten Hexen-Sabbat, wo abermals Geräusche und Musik phantastisch ineinander greifen und dadurch eine beklemmende Atmosphäre entstehen lassen, die ihresgleichen sucht. Selbiges gilt auch für die Geschehnisse in der Folterkammer und in der Schlüsselszene des Hörspiels wird es richtig verrückt, wenn beim Lesen der Sätze mitten IM Satz von Thomas Schmuckert zu David Nathan gewechselt wird. Was das soll? Wird nicht verraten, aber wer die bisherigen Folgen aufmerksam gehört hat, der wird sich schon seinen Reim darauf machen können. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich langsam aber sicher nicht mehr so wirklich weiss, was ich zu der technsichen Umsetzung noch schreiben soll, außer das sie wirklich sehr gut geworden ist. Es mag abgedroschen klingen, aber es stimmt einfach immer wieder aufs Neue. Fazit: Auch mit der ersten Doppelfolge bleibt „Dorian Hunter“ DIE Serie im Bereich Mystery und Horror. Marco Göllner hat es abermals geschafft und aus einem alten und angstaubten Groschenheftchen ein modernes, unterhaltsames und unwahrscheinlich düsteres Hörspiel gezaubert. Man mochte bei der Spielzeit von über 120 Minuten Zweifel haben, ob es wirklich spannend und kurzweilig werden kann, aber hier wird der Beweis angetreten. Mit dieser Folge bringt man auch den großen Handlungsrahmen zu Ende, denn man immer wieder durch Rückblenden in den verschiedenen Folgen aufgebaut hat. Bei den Sprechern braucht man sich keinerlei Sorgen machen, denn die sind wie immer phantastisch und die muskalische Untermalung sowie die Effekte sind und bleiben das Aushängeschild der Serie. Derart düster kommt kaum eine andere Serie daher. Vom Prinzip könnte man also absolut zufrieden mit dieser Doppelfolge sein und eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Allerdings gibt es da einen Punkt, der mir sehr sauer aufstößt: Was zum Teufel soll das mit dieser Veröffentlichung als Folge 10.1 und 10.2? Wieso konnte man nicht einfach eine „normale“ Doppel-CD präsenieren. Irgendwie beschleicht mich da das Gefühl, dass man mit zwei einzelnen CDs mehr Geld verdienen kann, aber natürlich kann ich mich auch irren. Dennoch kann einem der Gedanke schnell kommen, da man beide CDs haben MUSS, um die Geschichte in ihrer Gänze verstehen zu können. Sei's drum. Die Produktion ansich darf sich jedenfalls ganz klar mit dem Prädikat TOP schmücken, aber ein fader Beigeschmack bleibt. ![]() ![]() ![]() ![]()
lord gösel |