Sherlock Holmes (7)
Der Vampir von Sussex




Inhalt:
In Lamberley, Sussex wird eine Frau beobachtet, die Kindern das Blut aussaugt. Robert Ferguson hält die Frau für einen Vampir und bittet seinen alten Kameraden Watson und dessen Freund Sherlock Holmes um Hilfe - und der hat den Verdacht, das hinter dieser Sache etwas ganz anderes steckt.

Story:
Bisher konnte man ihn vermeiden: Den Vergleich zwischen den aktuellen Holmes-Umsetzungen aus dem Hause Titania Medien und den Umsetzung von Maritim. Doch mit der 7. Folge der Maritim-Serie präsentiert man den Hörer eine Geschichte, die bereits von den Kollegen von Titania veröffentlicht worden ist. Und nun kann man den Vergleich nicht mehr umgehen und nun zieht auch nicht das Argument, dass die Titania-Hörspiele für ein älteres Zielpublikum sind. Bei dieser Umsetzung wird eine Sache ganz deutlich: Die Bearbeitung von Maritim ziehen sich und die Dialoge sind oftmals viel zu lang. Schafft man es bei der Konkurrenz die Geschichte in 40 Minuten zu erzählen, so vergeht hier knapp eine Stunde. Es fällt auch auf, dass Holmes herzlich wenig von seinen Gedankengängen offenbart. Erst gegen Ende tut er dies und vorher gibt es einfach nur laaaange Dialoge, leider. Die Bearbeitung dieser Geschichte kann nicht überzeugen, da sie sich einfach viel zu sehr zieht.

Sprecher:
An der Besetzung der beiden Hauptcharaktere werden sich wohl weiterhin die Geister scheiden. In meinen Ohren klingen sie beide zu alt. Grade wenn ich die Stimme von Peter Gröger höre, fällt es mir verdammt schwer mir bei dieser Stimme einen Mann Mitte 30 vorzustellen. Dennoch … was die beiden Sprecher bieten ist ohne Frage gelungen und weiß zu überzeugen. Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn man Robert Missler als Mr. Robert Ferguson zu hören bekommt. Das ist derselbe Sprecher, der auch den „Panther aus der Bronx“ gesprochen hat? Davon ist hier gar nichts mehr zu merken. Missler stolpert stellenweise schon fast durch seinen Text und legt an einigen Stellen derart wenige Emotionen in seine Rolle, dass ich mich irgendwie frage, ob bei diesen Aufnahmen überhaupt jemand Regie geführt hat. Zum Glück entpuppt er sich als einziger Ausfall, denn der restliche Cast (Pia Werfel, Marco Sand, Barbara Fenner und Karin Eckhold) kann überzeugen. Insgesamt betrachtet bewerte ich die Sprecherleistungen als befriedigend plus. Missler ist einfach ziemlich daneben und Rode und Gröger bleiben in meinen Ohren Fehlbesetzungen.

Musik und Effekte:
Ein Punkt bei dem man im Hause Titania sehr eindrucksvoll beweist, wie man Hörspiele auf der Höhe der Zeit produzieren kann, die dennoch ein angenehmes angestaubtes Flair aufweisen. Nun, die Musik die hier zum Einsatz kommt ist ebenfalls in der Lage ein gewisses Schwarzweiss-Filmflair zu vermitteln. Nur leider kommt Musik für meinen Geschmack viel zu wenig zum Einsatz. Grade bei den Erzählerpassagen von Peter Gröger würde sich ein bisschen Hintergrund-Musik doch sehr gut eignen um zusätzlich Atmosphäre zu schaffen. Doch nicht nur die Musik kommt etwas zu kurz, denn selbiges gilt auch für die Effekte. Letztere setzt man nur dann ein, wenn es wirklich unbedingt nötig ist und dadurch wirkt die gesamte technische Seite dieser Produktion irgendwie lieblos. Grade wenn man bedenkt mit welcher Sorgfalt man bei Serien wie „Gabriel Burns“, „Edgar Allan Poe“ oder „Krimi-Klassiker“ zu Werke geht, wirkt das was man hier geboten bekommt nur sehr sporadisch. Insgesamt betrachtet geht es dann grade noch als solide durch, aber hier muss definitiv nachgelegt werden, da in der heutigen Zeit nahezu jedes Amateur-Label schon mit einer besseren technischen Seite aufwarten kann.

Fazit:
Wäre die Produktion in den 80ern erschienen, so hätte sie damals durchaus das Zeug zum Klassiker gehabt. Leider sind wir mittlerweile im neuen Jahrtausend und man bekommt als Hörspiel-Fan momentan derart viele Produktionen auf technisch höchstem Niveau, dass diese Veröffentlichung dagegen recht blass wirkt. Auch die Sprecher sind nicht unbedingt Eins a, wenn man bedenkt, wenn man bei der Konkurrenz stellenweise vor die Ohren bekommt. Letzter Stolperstein ist dann noch die Bearbeitung der Geschichte, die einfach viel zu viel Zeit braucht. Man kann eben nicht aus jeder Holmes-Kurzgeschichte ein Hörspiel mit 60 Minuten Spielzeit zaubern. Alles in allem stellt diese Folge für mich eine Produktion dar, die man sich ruhig mal anhören kann, aber man verpasst auch nichts Besonderes. Für Fans der Maritim-Serie sicherlich interessant, aber wer die Umsetzung von Titania bereits kennt und sich selbst nicht als beinharten Holmes-Freak sieht, der kann sein Geld in etwas anderes investieren. Was am Ende bleibt ist ein durchschnittlicher Eindruck mit einer leichten Tendenz nach unten.



lord gösel