Holgers Weltreisen (1)
Holger auf hoher See




Inhalt:
Holgers Mama hat das große Los gezogen: Eine Weltreise für drei Personen! Vier Monate unterwegs auf einem gewaltigen Kreuzfahrtschiff: der MS AGABU. Holger kann es kaum erwarten, seine Mutter auf dieser spannenden Reise zu begleiten. Gemeinsam mit der kleinen Ratte Ferdinand stechen die beiden Gurken in See! Und an Bord ist einiges los: Holger fordert eine echte Weltmeisterin heraus. Mama Hörspielgurke macht dem stolzen Kapitän Nagra schöne Augen. Und was ist das für eine seltsame Kabine, aus der Ferdinand diese unheimlichen Geräusche hört?

Story:
Die bekannte Hörspielgurke Holger kehrt in leicht verändertem Gewand zurück. Unter dem neuen Label „Hörplanet“ begibt sich Holger nun also auf Weltreise, gemeinsam mit seiner Mutter und seinem „Ziehsohn“ Ferdinand Ratte. Zwar hat man neue Hauptcharaktere eingeführt, aber dennoch bleibt das Prinzip der Serie dasselbe. Man bewegt sich klar im Bereich der Kinderunterhaltung, bedient sich bunter und überdrehter Charaktere und nutzt hier und da die Zeit für einige lehrreiche Erklärungen. Genau an diesem Punkt ist Holger dann aber anders, als jede andere Serie für Kinder, denn stellenweise sind die Ausführungen Holgers einfach nur noch witzig. Was für Kinder durchaus lehrreich sein kann, entpuppt sich ebenfalls als Kinderhörspiel-Parodie für Erwachsene. Das mag nun etwas eigenartig klingen, aber Dennis Rohling und Michael Eickhorst ist dieser Balanceakt wirklich gelungen und somit macht es von Anfang bis zum Ende Spaß den Abenteuern Holgers zu lauschen.

Sprecher:
Das Team für diese Serie überschneidet sich in vielen Punkten mit dem Team von „Rettungskreuzer Ikarus“. Allerdings ist dies keineswegs als schlecht zu verstehen, denn schon Ikarus konnte sprechertechnisch nahezu uneingeschränkt überzeugen und auch Holgers Weltreisen macht da nur bedingt eine Ausnahme. Helmut Krauss zeigt erneut, dass er als Erzähler eine überaus gute Figur macht und Santiago Ziesmer beweist, dass er für skurrile Charaktere genau die richtige Wahl darstellt. Die Rolle von Holger bleibt natürlich in den Händen von Dennis Rohling und er kann den Klugscheißer herrlich nervig sprechen. Auch Barbara Ratthey (Mama Hörspielgurke), Dietmar Wunder (Kellner) Jürgen Thormann (Karl-Heinz Nagra) und Michael Eickhorst (Calvins Vater) können überzeugen. Weniger gelungen finde ich die Darbietungen von Mi-Chi Tran (Marika Knüpel) und Patrick Pio (Calvin), da der Text stellenweise sich schon eher abgelesen als denn gespielt anhört. Die Rollen sind allerdings nicht besonders groß, so dass man dies aber durchaus verschmerzen kann. Insgesamt sind die Sprecherleistungen die man zu hören bekommt wirklich gut.

Musik und Effekte:
Wie schon bei „Ikarus“, so ist auch hier Dennis Rohling für die musikalische Untermalung der Serie verantwortlich und er geht nach wie vor mit viel Liebe zum Detail zu Werke. Der Hörer bekommt schöne Stücke zu hören, die stellenweise ein gewisses Cartoon-Feeling aufkommen lassen, was sehr schön mit dem bunten Titelbild der Folge harmonisiert. Die Effekte, die hier zum Einsatz kommen kann man am besten mit „zweckdienlich“ beschreiben. In diesem Bereich dürfte man ruhig ähnlich detailverliebt zu Werke gehen, wie bei der Musik, dann könnte ich hier problemlos von einer sehr guten technischen Seite sprechen. Somit reicht es dann „nur“ für ein gut, da man sich bei den Effekten sicherlich noch ein ganzes Stück nach oben steigern kann.

Fazit:
Was als Trotzreaktion auf die Hörspielgurke des Hörspiel-Awards begann, entwickelt sich immer mehr zu einer ernsthaften Serie mit Potential für die Zukunft. Das große Plus dieser Folge ist der gelungene Balanceakt zwischen „Hörspiel für Kinder“ und „Hörspiel-Parodie für Erwachsene“. Kinder werden sicherlich ihren Gefallen an den bunten Charakteren der Serie haben, während man als Erwachsener hier quasi seine „Abrechnung“ mit Benjamin Blümchen und Co. machen kann. Ein weiterer entscheidender Punkt, der dieser Serie Potential für die Zukunft beschert sind die guten Sprecherleistungen dieser Produktion und die wirklich gelungene musikalische Untermalung. Lediglich bei den Effekten sollte man hier und da noch mal ein wenig nachlegen. Wer schon die erste Serie „Holger die Hörspielgurke“ mochte, der dürfte hier noch wesentlich mehr auf seine Kosten kommen. Alles in allem bietet Holger verschiedenen Altersgruppen unterschiedliche Reize und das alleine verdient schon mehr als Anerkennung. Insgesamt eine wirklich gute Produktion und eine weitere gelungene Serie vom „Hörplanet“.



lord gösel