Faith (7)
Ketten Jack




Inhalt:
Lindsy Webster verstummte schlagartig. Etwas Wames, Klebriges klatschte ihr aufs Gesicht ... rann über die Wangen und tropfte auf ihre bebenden Lippen. Instinktiv zuckte die Zunge hervor und schmeckte die Flüssigkeit. Ein süßlicher, metallischer Geschmack. Lindsays Herz stolperte und sie fing an zu hyperventilieren ... BLUT! Warmes Blut! Dann ... krachte etwas Rundes vor ihr zu Boden. Lindsay Webster drehte den Kopf zur Seite ... Langsam, sehr langsam ... und dann - auf dem moosbewachsenen, feuchten Waldboden liegend - sah sie es! Das blanke Grauen!

Story:
Eine lange Zeit ist vergangen, seitdem die ersten sechs Episoden von Faith auf die Hörerschaft losgelassen wurden. Nun geht es also endlich weiter und direkt den ersten Grund zum Wundern gibt es bei der Spielzeit, denn die liegt bei dieser Folge jenseits der 70 Minuten. Genau dies ist in meinen Ohren auch ein kleiner Schönheitsfehler dieser Produktion, denn die Länge der Spielzeit geht leider an einigen Stellen mit Längen in der Handlung Hand in Hand. Es gibt einige Szenen, die auf mich so wirken, als seien sie künstlich in die Länge gezogen worden. Ein Beispiel hierfür ist das „Intro“ der Folge, also alles vor dem Einsetzen der Titelmelodie. Außerdem kommt es vor, dass manche Geschehnisse aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt werden. Vom Prinzip könnte das ja eine tolle Idee sein, nur leider überschneiden sich dadurch auch wieder Ereignisse, weil man sie eben schon zuvor gehört hat. Das Problem hierbei ist schlicht und ergreifend, dass die Geschichte an sich einfach nicht genug hergibt um die opulente Spielzeit auszufüllen und irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass man hier zwei Ideen zu einem Hörspiel zusammengeschrieben hat, da keine der beiden Ideen für eine Einzelepisode genug Stoff geboten hätte. Einmal wäre da das Geschehen um Ketten Jack und dann die Erlebnisse von Faith und Co. in den Wäldern, wobei beide Handlungsstränge nichts miteinander zu tun haben. Ohne Frage ist ein befriedigender Unterhaltungswert geboten, aber weder als Einzelepisode, noch als Teil des großen ganzen konnte mich „Ketten Jack“ völlig überzeugen.

Sprecher:
Auch bei den Sprechern gibt es eine entscheidende Erneuerung: Die Rolle der Erzählerin wurde neu besetzt und dies hat mich wirklich sehr gefreut, denn Petra Wolf klebte oftmals einfach zu sehr an ihren Texten. Die neue Frau hinter dem Mikro ist Barbara Stoll und sie kann für meine Begriffe auf der ganzen Linie überzeugen. Angenehm überrascht war ich desWeiteren von Boris Tessmann, der in den ersten Folgen stellenweise noch etwas aufgesetzt klang. Davon kann hier nun keine Rede mehr sein und auch Nana Spier läuft nun endlich zur Höchstform auf und bewältigt sowohl ihre Sprech- als auch die Erzähltexte sehr gut. Udo Schenk darf als Hunter wieder mitmischen und stellt ebenso eindrucksvoll wie David Nathan unter Beweis, dass er ein absoluter Vollprofi ist. Generell ist es erfreulich über wie viele bekannte Stimmen man hier stolpert und selbst in den kleinsten Rollen hört man noch Leute wie Michael Pan oder Santiago Ziesmer. Gab es bei den ersten sechs Episoden immer wieder kleine Gründe zur Klage, so ist mir diesmal wirklich nichts unangenehm aufgefallen. Somit kann ich ruhigen Gewissens sein und „sehr gut“ für die gebotenen Leistungen vergeben.

Musik und Effekte:
Wie schon unter „Story“ beschrieben ist die Handlung etwas dünn, aber die Umsetzung des ganzen kann sich ohne Frage hören lassen. Denn: Wenn es nicht so viel Inhalt gibt, dann muss das eben durch Action-Einlagen kompensiert werden und das beherrscht man in der R&B-Company aus dem ff. Der Aufdruck „Kino für die Ohren!“, der auf der Rückseite prangt, ist keine leere Versprechung. Man könnte wirklich glauben einen vertonten Hollywood-Action-Streifen zu genießen. In diesem Punkt gilt also ganz klar: Daumen rauf! Selbiges gilt auch für die Musik, die hier zum Einsatz kommt, aber dies erwartet man ja eigentlich schon. Schließlich ist es nicht selten der Fall, dass die Musik extra für die Serie komponiert wurde und dann passen die Impressionen wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Technisch gesehen also eine rundum gelungene Produktion.

Fazit:
Die Freude darüber, dass die Serie endlich weitergeht ist groß und es gibt auch viele Gründe sich zu freuen: Bei den Sprechern hat man noch mal ordentlich zugelegt und verzeichnet in dieser Episode keinen einzigen Hänger, sondern bietet nahezu ausschließlich sehr gute Leistungen. Auch auf der technischen Seite legt man die Messlatte wieder sehr weit oben an und serviert dem Hörer eine imposante Mixtur aus krachenden Effekten und intelligent eingesetzter Musik. Dennoch hat mich „Ketten Jack“ nicht völlig überzeugt und der Grund dafür ist die Handlung selbst, die irgendwie künstlich in die Länge gezogen wirkt. Auch die Tatsache, dass es zwei völlig von einander losgelöste Handlungsstränge gibt fand ich nicht so gelungen. Dennoch scheue ich mich davor, diese Produktion als „durchschnittlich“ zu bezeichnen, denn das hieße, das „Ketten Jack“ auf einer Stufe stünde mit „Luzifers Tränen“ und das stimmt für meine Begriffe nicht. Allerdings kann die 7. Episode auch nicht das Niveau von Folgen wie „Die Zusammenkunft“ oder „Dämonische Leidenschaft“ halten. Somit kommt es hier zu einer Premiere und ich vergebe für dieses Hörspiel 3,5 Sterne. Fans der Serie können aber auf jeden Fall zugreifen.



lord gösel