Der Fluch
von Loch Ness




Inhalt:
Schottland in den 30er Jahren: Zwei Kinder verschwinden auf mysteriöse Art und Weise in den schottischen Highlands. Eine große Suchaktion beginnt. Die Eltern sorgen sich um ihre Kinder und bitten den Pater des kleinen Dorfes um Hilfe. Erst nach über 70 Jahren des Schweigens wird langsam klar, was für eine grausame Wahrheit sich in dem Dorf ereignet hat. George und Morris gehen den Treiben auf dem Grund und geraten sehr schnell selbst in Gefahr... Was hat der Pater mit der Sache zu tun? Welcher Fluch lastet auf Loch Ness?

Story:
Eigentlich ist dieses Hörspiel nicht wirklich neu, es handelt sich lediglich um eine neue Auflage der dritten Folge der „schwarzen Serie“, nur das es nun eben nicht mehr als Titel dieser Serie sondern als Einzeltitel läuft. Aus den ursprünglichen 2 CDs ist nun mehr eine geworden, was auch überaus sinnvoll war, da die Geschichte schon damals eigentlich auf eine CD gepasst hätte und durch überlange Musikstücke und Bonustracks künstlich verlängert wurde. Nun aber mal zur eigentlichen Geschichte. Die beginnt auch wirklich gut und auch durchaus unheimlich. 2 Kinder verschwinden und man merkt schnell, dass etwas Unheimliches am Loch Ness vorgeht. Leider lässt die Qualität der Geschichte in dem Moment nach, wo man den Schlenker in die aktuelle Zeit macht, denn von diesem Moment an sucht man Spannung über weite Strecken ziemlich vergebens. Stattdessen gibt es längere Dialogpassagen, die die Geschichte kaum voranbringen und eigentlich nur das Tempo rausnehmen. Sicherlich gibt es hier und da mal einen spannenden oder gar unheimlichen Moment, aber über weite Strecken plätschert das Hörspiel einfach nur so dahin. Wirklich seltsam wird es dann kurz vor dem Ende, als das Geheimnis um Nessie gelüftet wird. Urplötzlich ist alles klar und die beiden Hauptfiguren haben direkt auch einen Plan, wie sie alles richten können. Nachvollziehbar ist die Geschichte von diesem Moment an nicht wirklich und es gibt da auch so einige Fragen, die dem Hörer nicht unbedingt beantwortet werden. Klar könnte man argumentieren, dass die Geschichte ein offenes Ende haben soll, aber mir kommt es eher so vor, als hätten auf die Schnelle eine Auflösung und das Ende der Geschichte hergemusst. Schade eigentlich, denn nach dem viel versprechenden Anfang hätte ich wesentlich mehr von dieser Geschichte erwartet, aber die vielen gezogenen Dialoge und das eigenartige Ende hinterlassen bei mir insgesamt dann doch nur einen schwachen Eindruck.

Sprecher:
In diesem Punkt schöpft man wirklich aus den Vollen, denn wenn man einen Blick auf die Sprecherliste wirft, so wird das Herz des Hörspielfans höher schlagen. Hier sind Top-Sprecher wie Rolf Jülich, Heidi Schaffrath, Franz-Josef Steffens, Charles Rettinghaus und Nicolas Böll zu hören und alle genannten legen sehr überzeugende Darbietungen an den Tag. Allerdings ist aber bei den Sprechern leider nicht alles Gold, was glänzt. So ist es für meine Begriffe doch eine ziemlich ungeschickte Aktion Sascha Draeger und Pia Werfel Kinder sprechen zu lassen. Beide sind ganz einfach viel zu alt für die Rollen, die sie hier verkörpern sollen und somit geht der Einsatz eher als lächerlich als denn als gelungen durch, denn wenn Sascha Draeger droht „Das sage ich Mama“ kann zumindest ich mir ein Schmunzeln und/oder Kopfschütteln nicht verkneifen. Doch auch an anderer Stelle liegt man mit der Wahl der Stimmen nicht ganz richtig: Rainer Schmitt und Pia Werfel (ja, Doppelrolle) sollen in einer Szene ein junges Liebespaar verkörpern und zumindest Schmitt klingt für diese Rolle einfach zu alt. Schade, denn eigentlich hätte man für die eingesetzten Sprecher sicherlich ein großes Lob einheimsen können, aber die Besetzung mancher Rollen trübt den Hörspaß doch ein ganzes Stück, so dass es für diesen Punkt nur ein befriedigend gibt.

Musik und Effekte:
Wow! Hier legt man aber nun wirklich so richtig los! Die Musik, die hier zum Einsatz kommt ist wirklich unglaublich und könnte ganz ohne Frage auch als Untermalung für einen Kinofilm dienen. Atmosphärische Musiken fungieren in der ersten Hälfte als Szenenübergang und lockern die Handlung sehr schön auf. Leider aber eben nur in der ersten Hälfte, denn in der anderen Hälfte gibt es öfter Szenenübergänge ohne Musik, die dann irgendwie sehr holperig wirken. Somit kann die Musik leider nicht über die volle Distanz überzeugen. Letzteres gilt aber nicht für die Effekte, denn die sind wirklich sehr gelungen und lassen den Schauplatz, eben Loch Ness, vor dem geistigen Auge des Hörers real werden. Wenn Nessie zum Einsatz kommt, dann fährt man ordentlich Geschütze auf, die die heimischen Boxen schön durchfegen. Wenn man diese Produktion gehört hat fragt man sich, wieso man bei aktuelleren Maritim-Produktionen keine Untermalung dieser Güteklasse geboten bekommt.

Fazit:
Dieses Hörspiel ist mal wieder der Beweis einer These: Gute Sprecher und eine opulente technische Seite reichen nicht dazu aus ein hörenswertes Hörspiel zu produzieren. „Der Fluch von Loch Ness“ krankt ganz einfach an der Geschichte. Der Anfang in der Vergangenheit ist gelungen, aber die Passagen in der Gegenwart driften schnell ins „Gelaber“ ab und die eigenartige Auflösung der Geschichte stimmt auch nicht grade versöhnlicher. Hinzu gesellen sich noch einige seltsame Entscheidungen bei der Besetzung von diversen Rollen, die den Gesamteindruck zusätzlich nach unten ziehen. Einzig die Technik kann wirklich überzeugen, auch wenn man in der zweiten Hälfte des Hörspiels irgendwie die Musik zu Szenenübergang vergessen zu haben scheint. Auch die Kürzung auf nur eine CD macht diese Produktion in meinen Ohren nicht besser. „Viel Lärm und wenig Inhalt“ ist mein Resümee am Ende und dafür gibt es noch knappe 3 Sterne von mir, da man sich die CD zumindest mal anhören kann. Allerdings wirkt „Der Fluch von Loch Ness“ gegenüber aktuellen Serien, wie „Grusel Kabinett“ oder „Gabriel Burns“ sogar noch blasser als vor vier Jahren bei der Erstveröffentlichung. Also … reinhören kann man mal, aber verpassen tut man sicherlich nichts, ergo: Durchschnittlich.



lord gösel