Horror
über Little Rock




Inhalt:
Chloe Silverman und Christopher Storm, zwei Reporter der renommierten Tageszeitung Washington World Eye, sind für eine Reportage auf dem Weg in das verschlafene und idyllisch gelegene Städtchen Little Rock. Keiner der Beiden ahnt auch nur im geringsten, auf was für einen wahnsinnigen Trip, apokalyptischen Ausmaßes, sich die Reporter da eingelassen haben.

Story:
Lange Zeit hatte ich nichts mehr aus dem Hause „Farelia? Records“ gehört und ich war entsprechend gespannt, als ich das neueste Werk „Horror über Little Rock“ in meinen CD-Player wandern ließ. Die ersten Produktionen dieses Independent-Labels hatten mir durchaus gefallen, da sie sich durch eine recht eigene Atmosphäre auszeichneten. Dieser neueste Output hingegen hat für meine Begriffe kaum Atmosphäre und rein von der Geschichte schon ein gewaltiges Problem. Der Klappentext lässt noch auf Grusel/Horror oder vielleicht Mystery-Unterhaltung schließen und anfangs dachte ich irgendwie eine eine Hörspielversion von „Resident Evil“. Doch dieses Bild kippt schnell, denn spätestens nach der Hälfte der Spielzeit ist klar, dass hier eigentlich die Glaubensfrage im Mittelpunkt steht. Man könnte das nun natürlich als mutige Aktion ansehen, doch für meine Begriffe ist dies ein ziemlicher Griff daneben. Man verstehe mich nun bitte nicht falsch: Jeder kann glauben was er will, aber was man hier vor die Ohren bekommt, geht schon als reine Werbung für den Glauben durch. Was dem ganzen dann endgültig das Genick bricht, ist die Länge. 71 Minuten müssen nicht zwangsläufig langweilig sein, doch bei diesen 71 Minuten handelt es sich um gefühlte 120. Die Handlung kommt kaum voran und man quält sich durch endlos erscheinende Dialoge, die einfach nicht auf den Punkt kommen. Einen wahrlich „krönenden“ Abschluss bietet das Ende. Eigentlich noch mitten in der Handlung zieht man plötzlich den Schlussstrich und das kommt nun keineswegs schockierend rüber, sondern es wirkte auf mich eher reichlich unbeholfen. Rein inhaltlich stellt „Horror über Little Rock“ eine reisen Enttäuschung dar, weil die Handlung sich ins Unendlich ausdehnt und ich mich nicht selten gefragt habe, was das nun alles eigentlich soll.

Sprecher:
Uns liegt die 11. Produktion aus dem Hause „Farelia? Records“ vor und für viele der beteiligten Sprecher ist es somit nicht der erste Einsatz vor dem Mikro. Demgegenüber finden sich natürlich auch einige Sprecher, die noch in keinem Hörspiel zu hören waren. So hart es klingen mag, man merkt fast keinen Unterschied zwischen denen mit etwas Erfahrung und denen ohne. Der Großteil der Passagen wirkt schlicht weg abgelesen und dabei über weite Strecken auch noch völlig falsch betont. So würde man jedenfalls in einem alltäglichen Dialog kaum reden. Die negativen Highlights seitens der Sprecher sind Stephanie Lorenz, Stephan Pfeiffer, Rahel Lebherz, und Simone Fuss. Während Lorenz und Pfeiffer „nur“ schrecklich hölzern wirken, „erfreuen“ Lebherz und Fuss die Ohren des Hörers auch noch mit Gesangsdarbietungen. Grade in dieser Szene wird dem Hörer schon einiges abverlangt und mein Finger war öfter gefährlich nahe an der STOP-Taste. 2 Sprecher stechen jedoch hervor. Der eine ist Paul-Simon Ramm, der von allen Beteiligten „Nicht-Profis“ ohne Frage das meiste Talent mitbringt und auch ein ordentliches Gespür für Betonungen in Dialogen hat. Und dann ist da ja auch noch Bert Stevens, seines Zeichens Schauspieler und auch Sprecher mit einiger Erfahrung. Man hört ohne Frage, dass er mit seiner Stimme umzugehen weiß, allerdings übertreibt er es hier für meinen Geschmack gewaltig. Er übernimmt die Rolle des Erzählers und schildert nahezu jede Szene in einer Tonlage, als würden grade unglaublich dramatische und spannende Ereignisse geschehen … selbst wenn er nur die Umgebung beschreibt. Es wirkt schlicht überzogen und driftet leider schnell ins eher Lächerliche ab. Würde es sich hierbei um das Debüt eines Independent-Labels handeln, so könnte man sicherlich ein Auge zudrücken, doch wenn man bereits 10 Hörspiele produziert hat, sollte man ein glücklicheres Händchen bei Sprecherauswahl und Regie haben. Auch hier kann ich nur von einer Enttäuschung reden.

Musik und Effekte:
Musikalisch hatten die Produktionen dieses Labels stets ihr eigenes Gesicht: Man setzte oftmals auf harte elektronische Klänge, die ich einfach mal als „Techno“ bezeichnen möchte. Für Freunde dieser Musikrichtung, mag es sicherlich cool sein, wenn diese Musik in einem Hörspiel zum Einsatz kommt. Allerdings gibt es da in meinen Ohren ein entscheidendes Problem. Diese Musikart passt schlicht und ergreifend nur in ganz bestimmten Situationen, beispielsweise bei Actionszenen. Alle sonstigen Einsätze wirken absolut deplaziert und zerstören die Stimmung und Atmosphäre eher, als zur Bildung solcher beizutragen. Auf der Seiten der Musik also auch wieder eine Enttäuschung. Demgegenüber stehen dann ja noch die Effekte und die gehen im Großen und Ganzen als wirklich in Ordnung und passend eingesetzt durch. Dennoch ist die technische Umsetzung alles andere als wirklich gelungen oder gar gut.

Fazit:
Es war wieder einmal eines dieser Hörspiel bei denen man sich ärgerte, als es vorbei war. Man ärgert sich darüber 71 Minuten seines Lebens verloren zu haben. Das klingt jetzt vielleicht zu hart, aber war wirklich genau der Gedankengang, der mir durch den Kopf ging. In dieser Produktion geht wirklich fast alles daneben. Das fängt schon bei der Geschichte an, die dem Hörer erst vorgaukelt, es ginge um Horror oder Mystery, nur um sich am Ende als eine Art Werbeplattform für den Glauben herauszustellen. Erschwerend hinzu kommt noch, dass die ganze Angelegenheit nur betont zäh vorankommt und ohne erwähnenswerte Höhepunkte einfach nur dahinplätschert. Noch zäher wirken viele Szenen durch die Leistungen der Sprecher, die größtenteils gar nicht überzeugen können und schlicht ablesen oder völlig verkehrt betonen. Selbst ein Profi wie Bert Stevens kann hier nicht zeigen, was in ihm steckt, da seine Darbietung völlig übertrieben wirkt. Um das Gesamtbild endgültig abzurunden mischt man auch noch Musik ein, die über weite Strecken jegliche Form von Atmosphäre sofort im Keim erstickt. Ich möchte an dieser Stelle betonen: Ich hab nichts gegen Independent-Label und auch nichts gegen „Farelia? Records“, aber was man dem Hörer hier vorsetzt ist in meinen Ohren schlichtweg furchtbar. Nach 10 veröffentlichten Hörspielen erwartet man als Hörer einfach viel mehr, als dass was man hier geboten bekommt. Insgesamt betrachtet eine komplette Enttäuschung, oder einfach ein FLOP!



lord gösel