Goleo VI und Pille
jagen den WM-Erpresser




Inhalt:
Der gutmütige Löwe Goleo und sein bester Freunde Pille - der kleine, freche Ball mit den ganz besonderen Eigenschaften - sind auf dem Weg zur "FIFA Anmeldestelle für WM-Fußbälle", um Pille für das große Turnier im Sommer 2006 anzumelden.

Als es dunkel wird merken sie, dass sie sich verlaufen haben und suchen nach einem geschützten Platz, an dem sie die Nacht verbringen können. Doch dann geht plötzlich alles ganz schnell und ehe die beiden sich versehen, sind sie mitten in einem unterirdischen Bergwerk gelandet. Und hier geht beileibe nicht alles mit rechten Dingen zu...

Wozu ist einer der unterirdischen Räume mit modernster Technik ausgestattet? Warum gibt es einen Wachmann, wenn es hier angeblich doch nichts mehr zu holen gibt? Welche Geheimnisse mag dieser Stollen verbergen?

Goleo & Pille merken schnell, dass sie hier mitten in eine ganz große Sache hinein geraten sind. Es scheint so, als wäre die ganze FIFA WM 2006TM in Gefahr!

Story:
Goleo VI ist das Maskottchen der Fußball-WM 2006. Ein oftmals recht grenzdebil guckender Löwe. Ihm zur Seite steht sein Kumpel Pille, ein ganz besonderer Fußball der nicht nur reden kann. In diesem Hörspiel erfährt man, wie die beiden zu ihren „Rollen“ gekommen sind. Schon nach dem Genuss der Inhaltsangabe fragte ich mich, ob dieses Hörspiel eine ernst gemeinte Produktion darstellen soll. Wieso? Seien wir mal ehrlich … welche Zielgruppe soll man denn mit dieser Geschichte ansprechen? Sprechende Tiere und ebenfalls redende Fußbälle sind wohl Geschichten, die nur für die ganz kleinen Hörer interessant sind. Allerdings ist die Handlung dafür für meinen Geschmack erstmal zu lang und zweitens auch irgendwie zu kompliziert. Jeder Mensch älteren Semesters dürfte wohl kaum Interesse an den hier auftretenden Figuren haben. Die Geschichte ist dann auch alles andere als sinnvoll und voller Widersprüche. Ein gewisser Gauner wundert sich nicht die Bohne als ein sprechender Löwe mit seinem ebenfalls sprechenden Fußball vor ihm steht. Als die beiden später beim WM-Casting landen denkt natürlich jeder, dass sie verkleidet sind … aber dennoch wundert sich am Ende keiner. Doch das größte Problem dieser Geschichte ist, dass man sie in maximal 25 Minuten auch hätte erzählen können. Stattdessen nimmt man sich aber 64 Minuten und füllt sie mit unglaublich sinnleeren Dialogen an, die kaum für die Handlung relevant sind. Nene … was wir hier vorliegen haben ist einfach nur der Versuch mit der WM und dem entsprechenden Hype der um dieses Thema entsteht ein paar Euro extra zu verdienen. Was schon mit der 148. Folge von TKKG nicht gelang, geht auch hier in die Hose. Die Geschichte ist einfach Trash in Reinkultur hat keinen besonderen Zweck, außer eben die Kasse klingeln zu lassen.

Sprecher:
Bei einem Blick ins Inlay könnte man fast in Tränen ausbrechen: Peter Kaempfe, der bei IGEL-Records, sehr viele schöne Lesungen hinter sich gebracht hat, muss sich für einen derartigen Unfug als Hauptperson GOLEO VI hergeben. Doch er ist nicht der einzige durchaus bekannte Sprecher, den man für dieses Machwerk verpflichtet: Bernd Stephan (Pille) hat in diversen Folgen von Captain Blitz und Paul Pepper mitgewirkt und Namen wie Henry König und Robert Missler stehen für sich. Wir haben es also mit sehr talentierten Leuten zu tun, die in einer Geschichte voller Unfug gefangen sind. Der Grossteil der Sprecherarbeit liegt eindeutig bei Kaempfe und Stephan. Während Kaempfe wirklich in Ordnung spricht, verstellt Stephan seine Stimme sehr penetrant, so dass sein Geschrei stellenweise schon in den Ohren wehtut. Der „Rest“ der Sprecher erledigt seine Arbeit überaus professionell und kann überzeugen. Insgesamt kann man schon von guten Leistungen sprechen … wenn nur der Inhalt besser wäre.

Musik und Effekte:
Musik kommt bei dieser Produktion leider nur sehr sporadisch zum Einsatz und wenn sie kommt, dann hat man sie des öfteren auch mal zu laut ins Geschehen eingemischt. Vom Prinzip gehen die gebotenen Klänge in Ordnung, während ihr Einsatz nicht optimal gelöst wurde. Auch bei den Effekten ist nicht grade alles im grünen Bereich. Solange man die Backgroundsounds betrachtet geht eigentlich alles in Ordnung. Allerdings gibt es zwei Effekte die fürchterlich sind: Zum einen haben wir da das Geräusch, dass Pille verursacht, wenn durch die Gegend hüpft. Dieser Ton ist schwer zu beschreiben, aber spätestens nach dem 15. Mal sorgt er für eine bedrohlich pochende Ader am Hals. Was dann auch nicht grade optimal daher kommt ist das Gebrüll von Goleo. Sicherlich … man hat hier ohne Frage echtes Löwengebrüll ins Geschehen eingemischt, aber man hört eben, dass es eingemischt wurde. Das Geräusch wirkt in den Momenten wo zum Einsatz kommt absolut deplaziert. Da hätte man vielleicht lieber Peter Kaempfe ins Mikro brüllen lassen sollen, wie man es damals bei den „Masters Of The Universe“ mit Battle-Cat gemacht hat. Wenn man das nun alles zusammennimmt, so komme ich auf eine technische Seite, die ich in Schulnoten mit einem „ausreichend“ bewerten würde. Es gibt einfach reichlich Dinge, die man hätte besser machen sollen ... bzw müssen.

Fazit:
Werbehörspiele sind in den seltensten Fälle gelungene Angelegenheiten. Diese These wird mit der Veröffentlichung dieser Produktion mal wieder bestätigt. Das Hauptproblem bei einem derartigen Unterfangen ist und bleibt die Geschichte selbst, was auch hier der Fall ist. Wen zum Geier sollen die Erlebnisse von einem sprechenden Löwen und seines ebenfalls sabbelndes Fußballes denn interessieren? Wahrscheinlich sorgt der Button, der WM für einiges an verkauften Einheiten, aber sicherlich nicht die Qualität des Hörspiels. Wirklich gute Sprecher werden für einen unglaublichen Unfug verheizt, der zwar durchaus zum lauten Lachen animiert, aber als ernst gemeinstes Hörspiel völlig in die Hose geht. Was mich in meinem Urteil weiter bestätigt ist die nicht grade gute technische Seite und das sehr einfallslose Cover. Wer sich mal wieder über ein völlig sinnfreies Hörspiel so richtig ablachen will, der ist hier goldrichtig, wer aber auf der Suche nach ernsthafter Unterhaltung ist, dem kann ich vom Kauf nur abraten. Dieses Hörspiel wird sicherlich auch noch seinen Platz in der Hörspielhölle von Kollege Captain Blitz finden, denn dort gehört es einfach hin. FLOP!



lord gösel