H. P. Lovecraft
Berge des Wahnsinns




Inhalt:
In Form eines Tagebuchs zeichnet Ich-Erzähler William Dyer den Verlauf einer Expedition in die Antarktis nach. Zunächst suchen er und sein Team nach außergewöhnlichen und mesozoischen Gesteinsarten, wie dem Kreide-Schiefer. Doch dann stoßen sie auf eine Höhle, in der sie Fossilien einer der Menschheit völlig unbekannten, halb pflanzlichen und halb tierischen Rasse entdecken. Bald stoßen sie auf urzeitliche Städte einer überlegenen Zivilisation und erkennen, dass die Urgeschichte der Erde eine ganz andere war, als die Wissenschaft annimmt.

Story:
H.P. Lovecrafts Geschichten gibt es schon seit einiger Zeit als Hörbuch-Varainten, doch ein Hörspiel dieses Horror-Meisters hat man bislang ziemlich vergeblich gesucht. Mit „Berge des Wahnsinns“ gibt es nun endlich einen seiner Romane und dann auch direkt als Doppel-CD mit mehr als 90 Minuten Spielzeit. Die Geschichte ist ohne Frage spannend und auch unheimlich. Natürlich darf man keinen modernen bluttriefenden Horror erwarten, denn damals (anno 1931) sah die Welt noch etwas anders aus. Die Stärken liegen ganz klar in der düsteren Stimmung und der erschreckend realitätsnahen Art in der alles geschildert wird. Über die Spielzeit der ersten CD baut sich Handlung schön spannend auf und erreicht auf dem zweiten Silberling ihren Höhepunkt. Leider lässt dann die Spannung der Geschichte etwas nach und man hält sich an einigen Stellen mit langen Erklärungen auf, die den Fluss stören. Ob das nun an der Vorlage selbst, oder an der Bearbeitung liegt entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls baut zum Ende hin die Spannung etwas ab, was schon schade ist, denn ansonsten hätte ich ruhigen Gewissens sagen können, dass ich mich vom Anfang bis zum Ende sehr gut unterhalten gefühlt habe. Aufgrund des etwas schwächeren Endes, reicht es dann doch „nur“ für gute Unterhaltung.

Sprecher:
Lauschrausch ist ein neues Label in der großen Hörspielwelt, aber dennoch hat man sich bei den Sprechern nicht lumpen lassen und exzellente Leute gebucht. Lutz Harder übernimmt die Doppelrolle als Dyer und Erzähler und seine Leistungen können sich hören lassen. Lediglich zum Ende hin werden seine Erzählerpassagen zu lang, doch dies ist schließlich nicht sein Fehler, sondern der des Autors. „Star“ dieser Produktion ist für meine Begriffe David Nathan, der Danforth Leben einhaucht und dabei zeigen kann, was in ihm steckt. Im Laufe des Hörspiels wandelt er sich vom sachlichen Typen zum hoffnungslos Wahnsinnigen. Reife Leistungen. Auch dem „Rest“ des Casts kann man durch die Bank gute bis sehr gute Leistungen attestieren. Probleme hatte ich nur mit Pabodie-Sprecher Herbert Fux. Seine Leistungen sind zwar nicht schlecht, aber für meinen Geschmack klingt er viel zu alt, um jemanden verkörpern zu können, der sich auf eine gefährliche Expedition in die Antarktis begibt. Ein kleiner Schönheitsfehler bei den ansonsten sehr gelungenen Sprecherleistungen.

Musik und Effekte:
Durch die Effekte hatte ich irgendwie das Gefühl in einer Produktion gelandet zu sein, die die letzten 50 Jahre im Archiv eines Radiosenders verbracht hat. Dies ist allerdings in keinem Fall negativ gemeint, im Gegenteil: Die etwas altbackene Umsetzung passt hervorragend, denn dadurch wirkt alles schon so, als wäre es in 30er Jahren des letzten Jahrhunderts passiert. Vermutlich ist dies gewollt, und es war für meinen Geschmack eine gute Entscheidung. Nicht ganz so begeistert bin ich allerdings von den Musiken, die her zum Einsatz kommen. Es muss natürlich nicht immer ein opulentes Orchester sein und Anfangs sorgen die Didgeridoo(?)-Klänge auch noch für eine finstere Atmosphäre. Nur wird die Untermalung mit der Zeit etwas eintönig. Für zukünftige Produktionen sollte man etwas mehr Abwechslung bieten. Ansonsten geht die technische Seite von „Berge des Wahnsinns“ als überaus solide durch.

Fazit:
„Berge des Wahnsinns“ kommt in vielen Belangen wie eine alte Radio-Produktion daher. Dies passt überaus gut zu der Zeit, in der die Geschichte spielt und dadurch hat das Hörspiel einen ganz eigenen Charme. Für ein Debüt ist das Gebotene ohne Frage beachtlich. Grade bei den Sprechern hat man sich nicht lumpen lassen und markante Stimmen vor dem Mikrophon gehabt. Leider ist die Bearbeitung zum Ende hin doch etwas zu lang ausgefallen und auch bei der musikalischen Untermalung hätte man dem Hörer noch etwas mehr Abwechslung präsentieren können. Trotz dieser kleinen Schönheitsfehler bleibt „Berge des Wahnsinns“ eine durch und durch gute Produktion, die sich jeder Fan von Lovecraft ins Regal stellen sollte. Auch wer generell einen Draht zu dieser Art von Literatur hat, liegt hiermit goldrichtig. Lediglich der Preis von etwa 18 Euro dürfte manch potentiellen Käufer abschrecken, doch wenn man bedenkt, dass man dafür 2 CDs in einem schmucken Digipak voller interessanter Infos bekommt, dann relativiert sich die Annahme, dass der Preis zu hoch sei ziemlich schnell.



lord gösel