Kommissar Dobranski (6)
Kiffer, Eis und tote Dealer




Inhalt:
Einem Eisverkäufer wird seine Vorliebe für Pralinen zum Verhängnis: Er wird mit präparierter Schokolade vergiftet! Kommissar Hansen ist (fast) auf sich alleine gestellt: Dobranski liegt im Krankenhaus! Doch auch ohne seinen Kollegen findet Hansen raus, dass der Ermordete seine Kasse mit Drogendeals aufbesserte! Was haben seine Ex-Freundin und sein süchtiger Punk-Bruder mit dem Fall zu tun?

Story:
Ein Dobranksi-Hörspiel (fast) ohne Dobranski ... kann das funktionieren? Nun, ich würde mal sagen nein, jedenfalls funktioniert die sechste Folge der Serie nicht annähernd so gut wie die fünf bisherigen. Das Problem ist einfach der große Unterschied zwischen Tom Hansen und dem eigentlichen Held der Serie. Dobranski lässt gerne mal die Vorschriften außen vor, während Hansen sich penibel an sie hält. Das ist in meinen Augen aber nicht einmal das Hauptproblem, sonder viel mehr die Tatsache, das hier etwas fehlt, was die Serie bisher ausmachte. Die sarkastischen Sprüche des bärbeißigen Kommissars entfallen logischerweise und auch die Action-Einlagen kommen diesmal recht kurz, so dass die Folge betont seicht daherkommt und dem Motto „Hart, aber ehlich“ nicht wirklich gerecht wird. Auch die Ermittlungen Hansens sind alles andere als spektakulär und verlaufen sich ziemlich. Mit ihren 65 Minuten Spielzeit wirkte die Handlung auf mich auch irgendwie gestreckt. Inhaltlich die erste wirkliche Enttäuschung der Serie und in meinen Ohren ein missglücktes Experiment.

Sprecher:
Aushängeschild der Serie war in den ersten fünf Folgen immer Konrad Halver mit seiner Doppelbelastung Dobranski und Erzähler. In dieser Folge nun bekommen wir ihn fast gar nicht zu hören und seinen Part als Erzähler übernimmt (konsequenterweise) Ulf Karsten Schmidt, der auch Tom Hansen seine Stimme leiht. Schmidt ist bestimmt kein schlechter Sprecher, aber in der Rolle des Erzählers hat er mich nicht wirklich überzeugt, jedenfalls ist er absolut kein Vergleich zu Konrad Halver, der den Hörer stets in einer verbitterten Art durch das Hörspiel führte. In den Nebenrollen gibt es mit Leuten wie Robert Missler (diesmal als dubioser Punk) und Ali Sommer alte Bekannte der Serie zu hören. Ansonsten tummeln sich nicht unbedingt bekannte Stimmen in dieser Folge, was der Qualität aber nicht wirklich einen Abbruch tut. Lediglich Schmidt hat mich nicht wirklich überzeugen können.

Musik und Effekte:
Wenigstens in diesem Punkte gibt es keine Einschränkungen gegenüber den letzten Folgen. Man hat mittlerweile einen Fundus an verschiedenen Melodien aus dem man munter schöpfen kann und genau das tut man hier auch. Dadurch entsteht dann auch die ganz eigene Atmosphäre dieser Serie. Auch bei den Effekten zeigt man, dass man seine Hausaufgaben ordentlich gemacht hat. Lediglich die vorkommende „Kiff-Szene“ fand ich etwas seltsam umgesetzt, doch das ist kein Grund die ansonsten durchweg positiven Leistungen zu schmälern. Hier kann man das Niveau der Serie problemlos halten und überzeugen.

Fazit:
Mit „Kiffer, Eis und tote Dealer“ verbucht „Kommissar Dobranski“ den ersten kleinen Fehltritt in seinem Backkatalog. Knackpunkt ist in meinen Augen die Handlung: Durch das Fehlen Dobranskis fehlt der Folge irgendwie der letzte Funke Charme, der die Serie bisher ausmachte. Ich habe die sarkastischen Sprüche und auch die eine oder andere Action-Einlage vermisst. Die Handlung ist diesmal wesentlich „seichter“ als sonst und unbedingt spannend geht es in den 65 Minuten auch nicht zu. Konrad Halver war in den ersten fünf Folgen das Aushängeschild der Serie und ohne ihn fehlt ganz einfach etwas. Ulf Karsten Schmidt gibt sich zwar Mühe, kann Halver aber schlicht und ergreifend nicht das Wasser reichen. Lediglich auf der technischen Seite ist alles auf dem gewohnten Niveau. Eine wirkliche Empfehlung für diese Folge kann ich leider nicht aussprechen, denn den Fans der Serie dürfte das Fehlen Dobranskis ähnlich sauer aufstoßen wie mir und auch Neueinsteiger legen sich besser die Folgen 2, 3 oder 5 zu. Schlecht ist das Gebotene zwar nicht, aber für mehr als ein „durchschnittlich“ reicht es diesmal leider nicht. Kann man sich zwar durchaus mal anhören, aber verpassen tut man nichts, wenn man diese Folge nicht kennt.



lord gösel