Kommissar Dobranski (5)
ELENA




Inhalt:
Ein Serienmörder macht St. Pauli unsicher. Eine namenlose Killerin schlachtet scheinbar wahllos einen Zuhälter nach dem anderen ab. Dobranskis einzige Spur: Eine aus Osteuropa verschleppte Prostituierte! Jetzt hat Dobranski nicht nur eine lautlose Killerin, sondern auch eine skrupellose Schlepperbande am Hals. Ausserdem nervt der Neue seiner Exfrau...

Story:
Die vierte Folge zeigte sich vom Inhalt her stellenweise etwas überdreht. Mafia und ominöse Informantinnen waren vielleicht doch etwas viel für einen kleinen Kommissar wie es Dobranski sein soll. In seinem fünften Hörspielabenteuer erleben wir den Cop mit der Schnodderschnauze dafür aber wieder genau so wie man ihn kennt. Die Thematik ist wie gewohnt schon ziemlich hart. Da Menschhandel gewiss kein schönes Thema ist, gibt es als Auflockerung immer wieder kurze Einschübe aus dem Privatleben Dobranskis, bei denen sich dem Hörer schnell ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert, denn seine Aktionen sind stellenweise schon reichlich fies, aber dennoch irgendwie nachvollziehbar. Trotz dieser Einschübe bietet die Geschichte aber noch genug spannende Momente um über die volle Distanz von gut 50 Minuten zu überzeugen. Hier gibt es also genau das, was der Hörer erwartet: Solide Krimikost der härteren Art mit sarkastischem Einschlag, einfach gut und unterhaltsam.

Sprecher:
Bei den Sprechern gibt es relativ wenig Neues zu berichten, denn den Großteil von ihnen kennt man aus den vier vorangegangenen Folgen. Etwas unglücklich ist vielleicht die Tatsache, dass Robert Missler wieder dabei ist und (natürlich) einen der Gangster spricht. Missler ist zwar ein großartiger Sprecher, aber eine Runde Abwechslung täte der Serie sicherlich gut. Was allerdings viel schwerwiegender ist als die Dauerbesetzung Misslers ist Reinhilt Schneider. Diese Frau hat sicherlich eine sehr markante und eigentlich auch schöne Stimme, nur leider kommt sie seit einigen Jahren ja nicht mehr ohne „Stöhneinlage“ aus und diesmal geht sie wirklich VIEL zu weit. Ihre Darbietung während eines Telefonats klingt eher so, als sei sie grade mit etwas ganz anderem beschäftigt und das geht ganz schön auf die Nerven, den SO redet wirklich keiner am Telefon (Es sei dann man hat eine entsprechende Hotline gewählt.). Ein Ausrutscher, den man sicherlich verzeihen kann, da die restlichen Leistungen der Sprecher stimmen und grade Konrad Halver wieder so richtig glänzen kann. Allerdings sollte man für meinen Geschmack ein kritisches Auge bzw. Ohr aus Frau Schneider werfen und die Regie sollte sie in Zukunft mal ein wenig zügeln.

Musik und Effekte:
Die verschiedenen musikalischen Untermalungen passen wie schon in den vergangenen vier Folgen gut ins Geschehen und haben auch gewisses Ohrwurmpotential, so dass man sich gelegentlich beim Mitsummen erwischen kann. Neben den bereits bekannten Stücken gibt es auch immer mal wieder neue Melodien, die den Fundus der Serie erweitern und sich ebenfalls hören lassen können. Dafür sind die Effekte diesmal in meinen Ohren nicht ganz so gelungen, wie sie sein könnten. Es gibt in dieser Folge eine ganze Reihe von Kampfszenen die zum Leben erweckt werden müssen und meistens geht es um Kampf mit der Faust oder Messern. Was dort an die Ohren dringt klingt stellenweise wie aus einem Ninja-Computer-Spiel und ist nicht unbedingt selbsterklärend. Hier wäre für meine Begriffe jedenfalls mehr drin gewesen, da man in der Vergangenheit gezeigt hat, dass man ein durchaus geübtes Händchen für die Untermalung mit Effekten hat. Insgesamt zeigt sich die technische Seite solide, mehr leider nicht.

Fazit:
Nachdem die letzte Folge rein inhaltlich etwas schwächelte ist hier von der Geschichte her alles wieder im Lot. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass es sich um die beste Geschichte bisher handelt. Leider macht dieser Umstand „ELENA“ aber nicht zwangsläufig zur besten Folge der Serie. Was den Hörspaß ein gutes Stück schmälert ist das krasse Overacting von Reinhilt Schneider. Darauf sollte die Regie in Zukunft etwas mehr achten. Auch bei den Effekten zeigt man sich nicht ganz so gut, wie es sein könnte, allerdings sind die vorkommenden Szenen ohne Frage auch nicht grade einfach umzusetzen. Demgegenüber steht aber eine äußerst stimmungsvolle und atmosphärische musikalische Untermalung. Alles in allem bekommt man also einen Dobranski wie man ihn sich wünscht: Hart, aber ehrlich und mit einer Prise schwarzem Humor garniert. Wegen der leichten Macken reicht es auch diesmal „nur“ für ein GUT. Schade, denn es wäre mehr drin gewesen. Vielleicht mit der nächsten Folge …



lord gösel