Kommissar Dobranski (1)
Russisch Brot




Inhalt:
Ein ermordeter Tänzer aus Smolensk bringt Dobranski auf die Spur eines russisch-deutschen Dealerrings. Was haben ein einarmiger Hütchenspieler und eine anonyme Anruferin mit dem Fall zu tun? Dobranski begibt sich in die Höhle des Löwen...

Story:
Eine neue Krimi-Serie erblickt das Licht der Hörspiel-Welt: „Kommissar Dobranski“ soll wöchentlich erscheinen und primär an Lottoannahmestellen und Tankstellen erhältlich sein. Ob das ganze funktionieren wird muss die Zukunft zeigen, aber die Geschichte der ersten Folge „Russisch Brot“ macht auf jeden Lust auf mehr. Der raubeinige und sarkastische Protagonist der Serie wird in dieser Folge vorgestellt und auch direkt in einen verzwickten Fall verstrickt. Was man hier zu hören bekommt kann man wohl als „modernen Krimi“ bezeichnen. Wer auf Sherlock Holmes-artiges Kombinieren und das Suchen der Nadel im Heuhaufen hofft, der ist hier falsch. Drogen und Mord sind das Thema und man mixt daraus einen Cocktail, der durchaus schmeckt. Der Kommissar wächst einem jedenfalls schnell ans Herz und seine Ermittlungen sind ebenso unterhaltsam wie seine sarkastischen Bemerkungen zu seinem eigenen Leben. Lediglich an der Erzählart sollte man noch ein wenig feilen (siehe Sprecher), denn die ist nicht so wirklich Hörspiel-like. Trotz dieser kleinen Macke, bekommt der Hörer 64 durchaus kurzweilige Minuten Krimikost geboten.

Sprecher:
Mit dieser Serie sendet Konrad Halver endlich mal wieder ein viel versprechendes Lebenszeichen. Er übernimmt hier nicht nur die Co-Regie, sondern auch das Sprechen der Hauptfigur. Die Rolle des bärbeißigen Mittfünfzigers scheint Halver gradezu auf den Leib geschrieben zu sein, denn er bringt die Rolle wirklich sehr glaubwürdig rüber und hat hier auch eine ganze Menge an Text vorzutragen. Und genau darin liegt auch ein gewisses Problem dieser Produktion: Über weite Strecken ähnelt das Gebotene nämlich eher eine inszenierten Lesung als einen Hörspiel. Vieles wird aus Dobranskis Sicht geschildert und nicht selten gibt er auch Dialoge wieder. Ein Vergleich mit der Maritim-Serie „Kommissar X“ kommt mir hier sofort in den Sinn, da die erste Folge auch auf diese, für ein Hörspiel sehr eigenartige, Weise produziert wurde. Doppelt seltsam wird diese Tatsache wenn man liest, wen Halver noch alles im Studio hatte. Robert Missler und Reinhilt Schneider (natürlich inklusive einer obligatorischen „Stöhneinlage“) sind bekannte Namen und liefern auch gute Leistungen ab. Ebenfalls bekannt, wenn auch eher für seine phantastische (an Carsten Bohn erinnernde) Musik, ist Tom Steinbrecher. Der Rest der Sprecher ist mir nicht wirklich bekannt und dem einen oder anderen merkt man auch an, dass er kein „alter Hase“ im Hörspielgeschäft ist, aber dennoch gibt es keinen wirklichen Grund zur Klage, da alle sich hörbare Mühe geben. Etwas peinlich finde ich aber die Aktion, dass Halver eine weitere Rolle spricht und sich am Anfang und am Ende quasi mit sich selbst unterhält. Was man zu hören bekommt ist in Ordnung, aber da geht für die Zukunft sicherlich noch mehr.

Musik und Effekte:
Über weite Strecken ähnelt diese Produktion zwar einer Lesung, aber wenigsten einer inszenierten. Soll heißen: Auch wenn Halver mehrere Minuten lang das Geschehen schildert, so wird alles von Hintergrundgeräuschen untermalt, die absolut passend und gut eingesetzt sind. Selbiges kann man auch von der Musik sagen, die hier verwendet wird. Am ehesten trifft hierfür auch das Wort zweckdienlich zu. Das Titelstück geht gut ins Ohr, aber die restliche musikalische Untermalung ist zwar passend, aber irgendwie auch austauschbar. Vielleicht entwickelt sich die Musik mit höherer Folgenzahl aber auch noch ein wenig. Von der technischen Seite erweist sich die Serie als überaus solide, auch wenn man natürlich noch mehr bieten könnte.

Cover und Layout:
Rein äußerlich sind hier starke Parallelen zu den so genannten Groschenheften erkennbar. Man bekommt also ein „Pappboard“ auf deren Vorderseite ein Coverbild ist und die CD eingesteckt werden kann. Auf der Rückseite findet man alle relevanten Produktinformationen, wie Inhaltsangabe, Sprecherliste und Produktionsangaben. An sich eine nette Idee, da man die Serie so überaus Platz sparend aufbewahren kann. Lediglich der intensive gelbe Farbton will mir nicht so recht gefallen, doch das ändert natürlich nichts an der Qualität des Inhalts.

Fazit:
Die Idee jede Woche ein neues Hörspiel zu präsentieren ist überaus interessant und solange die Qualität auf einem ähnlichen Niveau wie bei „Russisch Brot“ ist, darf man sich auch stets auf neue Folgen freuen. Da Debüt der Serie kann jedenfalls (wenn auch mit leichten Einschränkungen) überzeugen. Man stellt den Hauptcharakter vor und lässt ihn trotz dieser Einführung ein spannendes Abenteuer erleben. Die Geschichte wird von größtenteils guten Sprechern vorgetragen. Diskussionswürdig ist lediglich die Art der Hörspielumsetzung, an der man ruhig noch ein wenig feilen sollte. Technisch zeigt sich die erste „Kommissar Dobranski“ Folge aber auch gelungen und somit geht „Russisch Brot“ als gelungenes Erstlingswerk durch, dem für meinen Geschmack ruhig noch viele Folgen folgen dürfen.



lord gösel