Die drei ??? (69)
Späte Rache

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Inhalt: Wir haben Peter! Er muß für alles bezahlen! Ein anonymer Brief schreckt Justus und Bob auf. Eigene Nachforschungen nach dem Schicksal ihres Zweiten Detektivs bleiben ergebnislos, deshalb wenden sie sich hilfesuchend an die Polizei von Rocky Beach. Ihr Freund Inspektor Cotta schlägt vor, eine Polizeipsychologin hinzuzuziehen. Sie soll aus dem Bekennerschreiben Hinweise auf den Charakter des Täters herauslesen. Und tatsächlich kommt die Expertin zu einem überraschenden Schluß: Hinter der Entführung steckt ein lange zurückliegender Fall der drei Detektive. Justus und Bob durchforsten ihr umfangreiches Archiv. Denn die Zeit läuft... Story: Das Beste an der Geschichte sind Titel und Inhaltsangabe. Leider entspricht die Inhaltsangabe nicht wirklich dem Inhalt dieser Folge. Denn … seinen wir doch mal ehrlich: Wenn man den angeblichen Inhalt gelesen hat, so freut man sich auf eine Konfrontation mit einem alten Gegner und man fragt sich vom ersten Moment an, wer es wohl war und Peter in seiner Gewalt hat. Doch wenn Bob und Kelly dann der Lösung auf die Spur kommen, stellt sich schnell Ernüchterung und sogar Enttäuschung ein. SPOILER: Den Täter kennt man als Hörer der ??? überhaupt nicht und auch Bob kennt ihn nicht wirklich, denn bei der Klärung dieses Falles war er gar nicht dabei, sondern im Urlaub. Wahnsinnig tolle Aktion, die sich Frau Henkel-Waidhofer hier leistet. Was sollen denn dann der Titel und das Gerede von einem alten Gegner? SPOILER-ENDE. Dabei fängt die Geschichte (abgesehen von der ziemlich albernen Disco-Szene) so viel versprechend, spannend und sogar etwas unheimlich an. Leider zieht sich die Handlung danach wie das Sprichwörtliche Kaugummi und irgendwie fehlt es auch an der nötigen Dramatik, die bei solch einer Geschichte herrschen müsste. Das Ende gestaltet sich auch eher als Frechheit. Peter ist also schon längst frei und ist wieder total gut drauf. Ne, sorry hier hat die Autorin mal wieder so richtig daneben gegriffen und eine Geschichte abgeliefert, die man eigentlich nur als Enttäuschung bezeichnen kann. Sprecher: Oh je, glaubwürdig klingt aber mal ganz anders. Man stelle sich vor: Da ist der wohl beste Freund entführt worden … und wie reagieren Justus und Bob? Nun … jedenfalls scheinen sie sich herzlich wenig ernsthafte Sorgen um ihren entführten zweiten Detektiv zu machen. Justus ist überaus nervös, als Peter „nur“ verschwunden ist, aber sobald klar ist, dass Peter Opfer einer Entführung geworden ist, agiert er wie immer, also auch leicht arrogant. Passt das denn wirklich? Für meine Begriffe absolut nicht. Und dann erst Juliane Szalay, die Peters Freundin Kelly spricht. Sehr selten schwingt da Sorge in ihrer Stimme mit, man könnte fast meinen Peter sei einfach nur mal 2,3 Tage in Urlaub gefahren. Da hat die gute Frau Körting bei der Regie aber doch reichlich gepennt, denn wozu zumindest Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich in der Lage sind, konnte man sehr eindrucksvoll bei der letzten Folge („und der Schatz im Bergsee“) nachhören. Auch in den Nebenrollen ist nicht alles Eitelsonnenschein. Ursula Gompf legt als „Erna Fiedler“ ein klassisches Overacting an den Tag und wirkt viel zu überdreht. Den traurigen Tiefpunkt stellt die Leistung von Dirk Anton als lispelnder John Brady dar. Der Text wird schön monoton runter gelesen, ohne wirkliche Betonungen, was doppelt seltsam ist wenn man bedenkt, dass er laut Inlay mit für das Dialogbuch verantwortlich war. Bei all diesen Schnitzern können auch die gelungenen Auftritte solch routinierter Sprecher wie Holger Mahlich, Günter König oder Eberhard Haar nicht viel retten. Selten habe ich es erlebt, dass ich von den Sprecherleistungen bei den ??? insgesamt so enttäuscht war, wie es hier der Fall ist. In Schulnoten ist mir das eine 4 wert, aber auf keinen Fall mehr. Musik und Effekte: Die Musik, die zu Beginn in der Disco erklingt ist für meine Ohren ziemlich daneben, da man eben überdeutlich hört, dass das keinesfalls Disco-Musik ist, sondern schlicht etwas billiger Hörspiel-Techno. Nun gut, das ist ja nur die Eröffnungsszene und direkt danach bekommt man eigentlich den Beweis, dass EUROPA durchaus weiß, wie man Szenen spannungsfördernd untermalt. Bei der Entführungsszene kommt ein altes Orchesterstück aus seligen Larry Brent/Macabros Tagen zum Einsatz und das Stück in Kombination mit Jens Wawrczecks wirklich phantastischem Schrei sorgt für eine angenehme Gänsehaut. Leider nimmt die musikalische Untermalung danach über weite Strecken einen ähnlichen Weg wie die Sprecherleistungen. Es fehlt schlichtweg an Dramatik, da viele der eingesetzten Stücke für die aktuelle Situation zu „happy“ wirken. Einzig die Effekte zeigen sich auf dem Niveau, dass man bei einer EUROPA-Produktion erwartet. Allerdings können sie die technische Seite nicht mehr auf einen guten Level heben, denn dafür liegt man bei der Musik zu oft daneben. So zeigt sich auch dieser Punkt als bestenfalls durchschnittlich. Fazit: Was für Erwartungen werden in dem Hörer wach, wenn er den wirklich viel versprechenden Titel dieser Folge ließt und wie groß ist die Enttäuschung, wenn man das Ende der Geschichte erreicht hat. Was man hier mit den Fans macht ist für meine Begriffe schlichtweg eine Unverschämtheit. Da verspricht man dem Hörer einen alten Feind und dann erwartet einen irgendein Typ, den man gar nicht kennt. Doch nicht nur die Geschichte erweist sich als waschechter Griff ins Klo, denn auch die Sprecher liegen über weite Strecken ziemlich neben der Spur. Da man aus der Vergangenheit weiss, zu welchen Leistungen Rohrbeck und Fröhlich in der Lage sind ist ihre Performance hier direkt doppelt enttäuschend. Auch die technische Seite zeigt sich nicht grade optimal, was primär an den oftmals viel zu fröhlich klingenden Musikstücken liegt. Insgesamt betrachtet gibt es also eigentlich keinen Aspekt dieser Folge der wirklich überzeugend ist, eher das Gegenteil ist der Fall, da sowohl Geschichte als auch Sprecher enttäuschen. Selbst für eingefleischte ???-Fans (wie ich einer bin) ist diese Folge wohl nur dazu gut, um die Lücke im Regal zwischen den Folgen 68 und 70 zu schließen. Meine Empfehlung: Finger weg, denn „Späte Rache“ ist ein ganz faules Ei und belegt wieder einmal wie wenig die Geschichten aus der Feder von Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer mit den ursprünglichen Ideen der Serie zu tun hatten. Nach dem Hören wandert die Folge jedenfalls schnell wieder ins Regal, wo sie auch sehr lange bleiben wird, weil sie einfach eine Enttäuschung und ein wahrer FLOP ist, leider.
lord gösel |