Die drei ??? (65)
Diamantenschmuggel




Inhalt:
Ihren ersten Trip nach Europa haben sich Justus, Peter und Bob anders vorgestellt: Statt der erwarteten Vergnügungstour durch London werden sie in einen Diamantenschmuggel verwickelt und sogar - natürlich unfreiwillig und zunächst völlig ahnungslos - als Kuriere der heißen Ware benutzt. Schnell wird ihnen klar, daß die Reisegesellschaft, mit der sie einen Ausflug nach Rotterdam unternehmen, nicht nur aus erlebnishungrigen Touristen besteht. Welche Rolle spielt zum Beispiel der tolpatschige Mr. Thomas? Steckt er hinter den anonymen Briefen? Doch von solchen Einschüchterungsversuchen lassen sich die drei ??? bestimmt nicht abschrecken!

Story:
Wie schon bei der letzten Folge, so ist auch hier der Titel sehr unglücklich gewählt. Beleuchtete er bei „Geisterstadt“ nur einen winzig kleinen Moment der Handlung, so offenbart der Titel „Diamantenschmuggel“ dem aufmerksamen Hörer den Inhalt quasi auf dem Silbertablett. Prinzipiell wäre das ja nun noch kein wirkliches Problem, wenn denn die Handlung den Hörer in irgendeiner Form in ihren Bann ziehen könnte, doch zumindest bei mir ist das kaum geschehen. Es mag sicherlich eine nette Aktion sein, die drei ??? auf einen Europa-Trip zu schicken, doch für meinen Geschmack steuern die drei dabei einfach zu viele verschiedene Ziele an, so dass an keinem Ort wirkliche Atmosphäre aufkommen kann. Es reicht leider nicht aus, mal eben „Tower“ oder „Windmühle“ zu sagen, da müsste schon etwas mehr kommen. Auch mit der Art von Justus hatte ich in dieser Folge so meine Probleme, denn er verhält sich gegenüber seinen Kollegen und Freunden doch arg arrogant. Mir ist ebenfalls nicht so ganz klar, wieso Bob es ist, der die drei aus einem Kühlraum rettet. Wäre das nicht eigentlich eine Aufgabe für den ersten Detektiv? Die Klärung des Falles erfolgt dann Dank Kommissar Zufall (O-Ton: "Wie im schlechten Kriminialroman"). Es sind also schon eine ganze Menge Dinge, die mich an dieser Folge stören und dementsprechend habe ich mich auch nicht wirklich gut unterhalten gefühlt. Stellenweise ist diese Geschichte noch uninteressanter als diverse „Crimebuster“-Geschichten, denn dort passierte wenigstens etwas (wenn auch gerne mal stark übertrieben) während man bei „Diamantenschmuggel“ einfach nur 60 Minuten auf den großen Aha-Effekte wartet, der aber leider ausbleibt. In meinen Augen eine reichlich schwache Vorstellung.

Sprecher:
Ganze 16 Namen gibt das Inlay her, was schon eine ziemliche Menge an Charakteren ist. Allerdings haben viele der Aufgelisteten nur überaus kurze Auftritte. Wirklich viel zu tun haben wie man erwartet eigentlich nur die drei ???, also Rohrbeck, Wawrczeck und Fröhlich und die lassen nichts anbrennen, wenn auch die Art wie Justus hier dargestellt wird mir nicht so ganz schmecken will. Darüber hinaus feiert mit dieser Folge Matthias Fuchs seine Debüt als Erzähler bei den ???. Zwar kann er die Lücke, die Peter Pasetti hinterlassen hat nicht völlig ausfüllen, aber dennoch gibt er sich absolut hörbare Mühe. In den Nebenrollen trifft man dann auf so bekannte Sprecher wie Douglas Welbatt, Katja Brügger, Michael von Rospatt, Hans Sievers oder auch Veronika Neugebauer (witzigerweise schlicht als „Blondine“ in Inlay vermerkt). Leider sind die Auftritte oftmals so kurz, dass diese markanten Stimmen doch irgendwie nicht so imposant wirken. Dennoch wäre es falsch von durchschnittlichen oder gar schlechten Sprecherleistungen zu sprechen, aber insgesamt habe ich auch in diesem Punkt das gewisse Etwas vermisst.

Musik und Effekte:
Im Punkt „Story“ habe ich schon einen entscheidenden Aspekt angesprochen: Es fehlt über weite Strecken schlicht an passender Atmosphäre. Wenn die ??? nun durch den Londoner Tower gehen, oder generell in London unterwegs sind, oder sich eine holländische Windmühle ansehen, so erwartet man als Hörer eigentlich, dass die Schauplätze im Ohr real werden. Grade bei der Vorgängerfolge „Geisterstadt“ und dem 62. Abenteuer „Spuk im Hotel“ hatte man sehr eindrucksvoll bewiesen, was für dichte Atmosphäre man zu zaubern im Stande ist. Auch musikalisch liegt man nicht immer richtig, denn auch hier vermisste man Musik, die das jeweilige Flair der verschiedenen Länder irgendwie einfangen würde. Somit ist dieser Punkt auch eine leichte Enttäuschung, grade wenn man in Betracht zieht, welch hohen Standard Hörspiele aus dem Hause EUROPA sonst haben. Das eine oder andere Orchesterstück hätte sicherlich etwas mehr „London-Flair“ entstehen lassen. Somit kann ich die technische Seite nur als durchschnittlich bezeichnen, was bedeutet, dass man sich eindeutig unter Wert verkauft hat.

Fazit:
Die Qualität der Serie schwankt seit dem Beginn der 50er Folgen stets hin und her und auch in den 60ern ist keine echte Besserung in Sicht. Es gibt sicherlich hier und da mal ein, oder zwei gute Folgen, doch darauf folgt auf dem Fuße auch stets wieder eine sehr ernüchternde Folge. „Diamantenschmuggel“ ist sicherlich kein Kandidat für die „Ewigen Flops“ der Serie, aber ebenso wenig kann diese Folge großartig Punkte auf der „Beliebtheitsskala“ sammeln. Hier kommt einfach verdammt viel Negatives und unschönes zusammen: Es beginnt schon mit dem unglücklich gewählten Titel, geht weiter mit der sehr spannungsarmen Geschichte und findet den traurigen Höhepunkt in der fehlenden Atmosphäre. Man unterbietet mit dieser Produktion sogar diverse „Crimebuster“-Geschichten und findet sich mit dieser Folge auf einem ähnlichen qualitativen Level wie schon bei „Giftiges Wasser“. Alles in allem also eine unterdurchschnittliche Folge, denn durchschnittlich hieße ja, dass man sie zumindest ab und an mal hören möchte. Dies ist bei mir bei dieser Folge aber eindeutig nicht der Fall, da hier einfach zu wenig Spannendes und Interessantes geboten wird. Kurz gesagt: Schwache Produktion, die man nicht kennen muss.



lord gösel