Die drei ??? (64)
Geisterstadt




Inhalt:
Über Nacht wird aus harmlosen Skiferien in den Bergen eine gefährliche Suche im Kriminalfall Oames. Der Gastgeber der drei ???, der berühmte Spieleverleger Michael Julius Oames, ist entführt worden. Die Kidnapper fordern eine Million Dollar. Eine Menge Geld, finden Justus, Bob und Peter und beschließen, der Polizei von Lake Tahoe unter die Arme zu greifen. Kann Oames Vergangenheit Licht in die Sache bringen? Da stoßen sie auf eine heiße Spur. Sie führt direkt in eine Geisterstadt.

Story:
Was an dieser Geschichte etwas irritierend ist, ist der Titel, denn die namengebende „Geisterstadt“ spielt keines Falls eine zentrale Rolle in diesem Fall und der Aufenthalt der drei ??? dort dauert nur wenige Minuten. Trotz dieser Macke vermag es die Geschichte dennoch gut zu unterhalten, was vor allem mal wieder an dem Faktor Atmosphäre liegt, denn davon hat die Geschichte eine ganze Menge. Das Geschehen rund um den Lake Tahoe versprüht ein sehr angenehmes Winterflair. Leider muss man aber sagen, dass sich die Handlung stellenweise etwas zieht und 66 Minuten doch etwas zu viel Spielzeit sind. Manche Dialoge sind schon in die Länge gezogen und so mancher Gedankengang von Justus verläuft leider völlig ins Leere. Die Auflösung des Falles kann dafür aber entschädigen, denn hier hatte Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer eine ihrer besseren Ideen. Insgesamt betrachtet finde ich, dass der Unterhaltungswert dieser Geschichte im überdurchschnittlichen Bereich, aber dennoch noch nicht im guten Bereich anzusiedeln ist. Nach der völlig vermurksten Folge 63 ist man als Hörer aber heilfroh, dass es überhaupt derart unterhaltsam zugeht.

Sprecher:
Bei den Sprechern darf man aufhorchen, denn in diesem Punkte ist die vorliegende Folge wirklich ziemlich stark ausgefallen. Der traurige Aspekt soll hier zu erst angesprochen werden, denn es ist leider das letzte Mal, dass wir Peter Pasetti als Erzähler lauschen dürfen, da er kurz nach den Aufnahmen der Folge verstarb. Man hört es ihm leider stellenweise auch an, dass er nicht mehr ganz das leistet, was er zu Beginn der Serie noch vermochte, aber dennoch kann sich seine Performance hören lassen. Selbiges gilt auch absolut ohne Abstriche für das Dreiergespann Rohrbeck, Wawrczeck und Fröhlich, sowie „Dauermitsprecher“ Karin Lieneweg (Tante Mathilda) und Andreas von der Meden (Morten). In den Nebenrollen findet man außerdem so bekannte Stimmen wie Hans Sievers (Inspektor Capistrano), Peter Kirchberger (Simon Oames) oder Astrid Kollex (Deborah Street). Als böse Silvie Oames kann außerdem Edith Hancke überzeugen. Bei den Sprechern gibt es dementsprechend wenig bis gar nichts auszusetzen, so dass man diesen Aspekt getrost als sehr gut bezeichnen kann.

Musik und Effekte:
Ich habe es eben schon angesprochen: Diese Folge zeichnet sich durch eine ganz besondere Atmosphäre aus. Man wähnt sich hier wirklich mitten im Winter an einem See und das ist zu großen Teilen auf die absolut gelungene Untermalung des Hörspiels durch Effekte zurückzuführen. Lauter Wind und alles was man ansonsten mit Winter assoziiert kommt hier zum Einsatz und erweckt die Handlung somit sehr gelungen zum Leben. Nicht ganz so gelungen ist leider der Aspekt Musik. Stellenweise hat man Stücke eingemischt, die die Atmosphäre unterstreichen und gut ins Bild passen, während so manches Stück irgendwie deplaziert und stellenweise auch einfach zu „hektisch“ wirkt. Musikalisch hat man schon mal wesentlich bessere Arbeit geleistet, aber in Verbindung mit den wirklich sehr guten Effekten geht die technische Seite immer noch als wirklich gut durch, nur es wäre eben noch mehr drin gewesen.

Fazit:
Nachdem man mit „Fußball-Gangster“ einen DER Tiefpunkte dieser Serie abgeliefert hatte, segelt man mit „Geisterstadt“ wieder auf einem wesentlich besseren Kurs. Was wirklich Anlass zur Kritik bietet ist die Spielzeit, die mit 66 Minuten einfach z lang ausgefallen ist. Hier hätte sich Andre Minninger mit seiner Hörspielbearbeitung doch etwas zügeln sollen und ein wenig mehr dem Vorbild von H.G. Francis folgen sollen. Wenn man aber bedenkt, was den Hörer in den 50ern und grade auch in der letzten Folge erwartet hat, so wäre es falsch die Geschichte als schlecht zu bezeichnen, denn sie hat wirklich unterhaltsame Momente … sie ist eben stellenweise nur etwas zu lang ausgefallen. Dafür wird man aber durch die wirklich sehr guten Sprecher und vor allem durch die tolle Atmosphäre, die man größtenteils den gelungen Effekten zu verdanken hat, entschädigt. Insgesamt betrachtet ist „Geisterstadt“ eine Folge, die ich persönlich gerne höre und das nicht zuletzt wegen der gelungenen Winteratmosphäre. In Schulnoten würde ich so was als „schwach gut“ bezeichnen und mit einem zugedrückten Auge kann ich für diese Folge durchaus noch das Prädikat gut vergeben.



lord gösel