Die drei ??? (52)
und die Musikpiraten




Inhalt:
Schlägerei auf dem Vergnügungsfest, Überfall auf Bob und eine nächtliche Verfolgungsjagd - es sieht ganz so aus, als sei der junge Detektiv zwischen zwei rivalisierende Gaunerbanden geraten. Die heiße Spur führt zur Plattenfirma Galactic Sound. Hier sind auf mysteriöse Weise Masterbänder verschwunden. Aber wie schmuggeln die Musikpiraten die Aufnahmen aus dem Haus?

Story:
Mit den „Musikpiraten“ präsentiert man ein weiteres Abenteuer der Crimebuster-Ära, dass mit den Anfangen und ursprünglichen Ideen der drei Fragezeichen mal wieder herzlich wenig zu tun hat. Man ist es bereits gewohnt: Statt kniffelige Rätsel zu lösen oder unheimlichen Geschehnissen auf den Grund zu gehen jagt man hier „echte“ Gangster. In dieser Folge sagt man einer Gruppe von Leuten den Kampf an, die bis heute überlebt haben. Zum damaligen Zeitpunkt (Anfang der 90er) war das Thema Piraterie auf dem Musikmarkt noch neuer und unverbrauchter. Leider hilft das aber nicht dabei diese Geschichte spannend zu gestalten. Statt bedacht und mit dem Köpfchen vorzugehen, sind die drei ??? hier über weite Strecken auf die Hilfe vom Kommissar Zufall angewiesen. Grade als sie vor Ort sind, werden Masterbänder geklaut und sie können den Täter noch ein Stück weit verfolgen. Zufällig landen sie bei ihren Recherchen in dem Raum, wo die Personalakten aufbewahrt werden und die können sie in dem Moment auch direkt gebrauchen. Und auch im restlichen Verlauf kommt der Zufall weiter zur Hilfe. Doch das sind nicht die einzigen Aspekte, die mich an der Geschichte stören. Bei den ??? der Crimebuster-Ära herrscht doch ein hohes Maß an Gewaltpotential. Man führt beabsichtigt einen Unfall herbei und stürzt sich wagemutig auf seine Gegner und gibt erst Ruhe, wenn diese am Boden liegen. Nein … so machen die drei ??? keinen echten Spaß. Darüber hinaus hat die Geschichte doch eine ganze Reihe an Lücken und kleinen Logikfehlern und zu nahezu keinem Zeitpunkt kommt Spannung auf. Man schafft es sogar, den Vorgänger („der riskante Ritt“) zu unterbieten. Die Geschichte ist für mich ein ganz schwarzes Kapitel der Fragezeichen: Spannungsarm, unlogisch und stellenweise einfach viel zu dick aufgetragen. Eine schwache Vorstellung bekommt man hier geboten.

Sprecher:
Waren das noch Zeiten! Schon die 50. Folge konnte mit wirklich vorzüglichen Sprechern glänzen und auch diese Folge präsentiert sich sprechertechnisch von einer verdammt starken Seite: Die drei ??? und Erzähler Peter Pasetti sind wie gewohnt sehr gut bei der Sache. In den Nebenrollen trifft man so markante Stimmen wie Rainer Schmitt (Brick), Lutz Mackensy (Prem), Gerd Baltus (einfach klasse als schmieriger Musikkritiker Butler), Wolfgang Völz (Rivers) und Hildegard Krekel (Maxi). Besonders imposant ist auch der Auftritt von Gerlach Fiedler als Plattenboss Lara. Hier kann man wirklich zu keinem anderen Ergebnis kommen, als zu einem sehr guten. Alle Sprecher geben sich hörbare Mühe in ihren Rollen und das steigert den Spaß am Hören dann wieder ein wenig.

Musik und Effekte:
Die recht moderne Untermalung der Serie setzt sich fort. Allerdings fehlt es den verwendeten Melodien doch über weite Strecken an Charme und Aussagekraft. Ebenfalls eher fragwürdig gestalten sich die Musiken von den angeblichen Bands. Was man dort zu hören kriegt klingt eher wie mit einem einfachen Synthesizer programmiert als wie im Studio von Hand eingespielt. Nun gut … das soll nicht der zentrale Punkt für die Kritik sein, aber es ist auf jeden Fall ein Aspekt der die Untermalung irgendwie „billig“ wirken lässt. Gottlob kann bei den Effekten davon keine Rede sein, denn die sind auf dem Niveau, dass von EUROPA seit Jahren gewohnt ist: Stets unaufdringlich aber immer passend eingesetzt. Zusammengenommen macht das aber dennoch nur eine durchschnittliche Untermalung, da die Musik doch sehr wichtig für die Entstehung von Atmosphäre ist und man bei dieser Episode Atmosphäre doch sehr schmerzlich vermisst.

Fazit:
Eine durch und durch langweilige Handlung, die zu keiner Sekunde mit Spannung aufwarten kann präsentiert man dem Hörer hier. Auch bei der technischen Seite zeigt man sich nicht grade optimal und lediglich die Sprecher können den Karren noch letzten Endes aus dem Dreck ziehen und das Hörspiel vor der Kategorie „schwach“ bewahren. Somit ist diese Folge im durchschnittlichen Bereich anzusiedeln, doch schon mit einer mehr als deutlichen Tendenz nach unten. Derart furchtbar wie „der höllische Werwolf“ oder „der gestohlene Preis“ ist das Hörspiel dann doch nicht geworden. Allerdings kann man der Serie seit dem Release der 49 attestieren, dass es immer ein Stückchen weiter bergab geht. Für beinharte ???-Fans ist die Folge sowieso unausweichlich, wer aber auf der Suche nach spannender Unterhaltung ist, der investiert sein Geld doch lieber in die Folgen 47,49 oder 50, wenn man sich eine Folge der Crimebusters gönnen will. Wie schon geschrieben: Eine noch durchschnittliche Produktion mit einer klaren Tendenz zum Prädikat „schwach“.



lord gösel