Die drei ??? (138)
Die geheime Treppe




Inhalt:
Warum wurde der junge Wissenschaftler Davy Swann entführt? Und warum nannten ihn die vermummten Täter immer Philippe? Justus, Peter und Bob nehmen die Spur auf. Diese führt in das labyrinthische Gebäude der Universität mit geheimen Treppen und einer düsteren Bibliothek. Hier stoßen die drei ??? auf ein merkwürdiges Buch und seltsame Verse. Natürlich knacken die drei erfolgreichen Detektive aus Rocky Beach das Rätsel. Doch dann fangen die Schwierigkeiten erst an…

Story:
Zu Beginn seiner Karriere als Autor für „Die drei ???“ schien es Marco Sonnleitners erklärtes Ziel zu sein, sich die Mißgunst der Fans der ersten Stunde zuzuziehen. Allerdings hatte er sich im Laufe der Jahre auch erheblich gebessert und mit „Schrecken aus dem Moor“ oder „Haus des Schreckens“ für meine Begriffe zwei der besten Geschichten der Neuzeit abgeliefert. „Die geheime Treppe“ entpuppt sich leider als etwas zweischneidiges Schwert. Der Einstieg in die Geschichte weiss zu gefallen, vorallem da ein recht hohes Tempo gefahren wird und man sich somit nicht permanent mit ellenlangen Dialogsequenzen seitens der ??? rumschlagen muss. Anfangs könnte man wirklich noch meinen, man habe es hier mit einer Actionfolge im Stil mancher Abenteuer der „Crimebuster“-Ära zu tun. Allerdings kippt dieses Bild ab etwa der Hälfte, denn irgendwie muss man ja auch den Bogen zu der geheimen Treppe schlagen und hier schießt Sonnleitner dann doch ein wenig übers Ziel hinaus: Ein alter Geheimbund, eine uralte Geheimschrift, Geheimgänge … schon recht viele Geheimnisse. Leider wirkt es auf mich doch sehr wenig glaubwürdig, dass ein „Fachmann“ an der Entschlüsselung der Geheimschrift scheitert, wo sie doch letzten Endes recht einfach und heutzutage weitläufig bekannt ist. Unangenehm fällt auch (leider) wieder Justus auf, der hier abermals als allwissendes Universalgenie sogar Studierte alt aussehen lässt. Diese Faktoren zusammen mit dem recht weithergeholten Ende sorgen dann dafür, dass sich die Geschichte irgendwo im geordneten Mittelfeld wiederfindet. Schade, denn wenn ich ehrlich bin, hatte ich von Sonnleitner nach der jüngsten Vergangenheit besseres erwartet.

Sprecher:
Die Besetzung für dieses Hörspiel fällt extrem klein aus. Neben den ??? nebst Erzähler und Dauergast Holger Mahlich als Inspektor Cotta sind gerade mal drei weitere Sprecher mit an Bord. Die größte Rolle wird hierbei Torsten Sense zuteil, der Davy Swann spricht. Im Hörspielbereich trifft man auf Sense in letzter Zeit eher selten. Er hat zwar die Titelrolle in der Dreamland-Serie „Tony Ballard“ inne, aber ansonsten macht er sich recht rar. Schade eigentlich, denn er liefert doch eine sehr ansprechende Leistung in dieser Produktion ab. Was das genau Gegenteil von ansprechend ist, das ist Thomas Fritsch. Allerdings beziehe ich mich damit nicht auf seine Leistung als Sprecher, denn die ist gewohnt sehr gut. Was das Hörvergnügen erheblich stört, ist die Klangqualität seiner Aufnahmen. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie das nun genau klingt. Am einfachsten stellt man es sich so vor: Seine Aufnahmen klingen, als wären sie mit verdammt niedriger Rate in MP3s umgewandelt worden. Entsprechend groß ist der Unterschied zu den sonstigen Aufnahmen, denn Fritsch wirkt hier fast wie ein Fremdkörper. Nach der Übersteuerung in Folge 125 schon wieder ein vermeidbarer Fehler. Naja … die Leistungen an sich gehen natürlich allesamt als gut bis sehr gut durch, aber sowas darf einfach nicht passieren!

Musik und Effekte:
Die Untermalung dieser Folge geht über weite Strecken in Ordnung. Allerdings muss man sich damit anfreunden, dass die musikalische Auswahl zuweilen etwas sprunghaft wirkt. Da wechseln sich neue und moderne Klänge mit Stücken älteren Datums ab, so dass kein wirklich homogenes Bild entstehen will. Ich habe das Gefühl, dass man seit Folge 125 schon wesentlich stimmigere Musikeinspielungen präsentiert hat. Vielleicht sollte man mal nur auf Musik von STIL zurückgreifen, denn das Titellied der Serie ist ein waschechter Ohrwurm. Somit landet man letzten Endes bei der Musik und den Effekten wieder einmal „nur“ im soliden Bereich. Die Effekte sind zwar gewohnt unaufdringlich, aber dennoch gibt es Stellen an denen mancher Sound nicht zu 100% passen will. Schade, denn man könnte sicherlich noch wesentlich mehr rausholen bei diesen Produktionen.

Fazit:
„Die drei ???“ sind ein Selbstläufer und daran wird auch „Die geheime Treppe“ wohl wenig ändern. Allerdings fällt es schon auf, dass sich in letzter Zeit die eher durchschnittlichen Hörspiele in dieser Serie häufen. Sicherlich gibt es auch einige „Schuld“ bei den Autoren, denn so manche Geschichte geht gerade in letzter Zeit mal wieder ein wenig zu weit. Ein solches Beispiel haben wir auch hier vorliegen. Nach spannendem Einstieg muss dann noch was ganz Großes her und dies wirkt auf mich schlicht zu dick aufgetragen. Allerdings ist diesmal nicht die Geschichte allein schuld am arg durchschnittlichen Eindruck, den diese Folge bei mir hinterlässt. Auch Musik und Effekte sind es nicht wirklich, denn die sind wie üblich im soliden Bereich angesiedelt. Allerdings hat hier (mal wieder) die Technik irgendwie und irgendwo versagt, denn anders ist die miseralble Tonqualität von Thomas Fritschs Aufnahmen nicht zu erklären. Gerade solche Dinge sind es, die einen dann in der Annahme bestärken, dass die Hörspiele nur noch schlicht runtergekurbelt werden. Genauso wirkt diese Folge dann auch insgesamt: Runtergekurbelt ohne besondere Aha-Erlebnisse. Insgesamt also eine arg durchschnittliche Leistung, die sich eine 4+ verdienen kann.



lord gösel