Die drei ??? (130)
Der Fluch des Drachen




Inhalt:
Justus Jonas von den drei Detektiven aus Rocky Beach ist schockiert: durch seine Schuld ist die wertvolle Vase, die ein Kunde auf dem Schrottplatz deponiert hatte, in tausend Scherben zersprungen. Die drei ??? haben 24 Stunden Zeit, um für Ersatz zu sorgen. Schnell zeigt sich, dass nicht nur Justus, Peter und Bob großes Interesse an einer dunkelblauen Vase mit weißem Drachenmotiv haben. Und die Gegner schrecken vor nichts zurück. Ein gefährliches Abenteuer nimmt seinen Lauf…

Meinung von lord gösel:

Story:
Für das 130. Abenteuer von „Die drei ???“ zeigt sich als Autor mal wieder Andre Marx verantwortlich. Wenn Marx zur Feder greift, so zeichnen sich die Geschichten in der Regel durch ein gewisses nostalgisches Flair aus. Auch „Der Fluch des Drachen“ geht ziemlich in Richtung old school. Viele Szenen spielen auf dem Schrottplatz und auch Onkel Titus und Tante Mathilda sind mit von der Partie. Als besonderer Leckerbissen darf man sich über den Erzfeind der ???, in persona Skinny Norris, freuen. Das klingt alles schon mal sehr schön. Leider kann man aber nicht so ganz halten, was die ersten positiven Eindrücke versprechen. Zunächst einmal ist da wieder die Länge, die bei knapp 70 Minuten liegt und über die volle Distanz kann man da keine Spannung aufrecht erhalten. Wobei das Aufrecht halten gar nicht mal das Problem ist, sondern eher der Umstand, dass die ganze Geschichte nur ein wenig zögerlich in Gang kommt. Dafür geht es dann aber recht ordentlich zur Sache und viele verschiedene Personen treten auf den Plan und man kann miträtseln wer denn da nun wie seine Finger im Spiel hat. Leider passiert dann wieder das am Ende, was in letzter Zeit all zu oft geschehen ist: Justus ergreift das Wort und klärt alles in einem langen Monolog auf. Unschön ist hierbei mal wieder der Umstand, dass die ganze Auflösung doch ziemlich weit her geholt und konstruiert wirkt. Schlecht ist der Inhalt bestimmt nicht, aber von Andre Marx habe ich persönlich doch ein wenig mehr erwartet. Dennoch kann man als Fan der ??? mit leichten Einschränkung solide unterhalten werden, was aber nicht zuletzt daran liegt, dass man in der jüngsten Vergangenheit wesentlich schlechtere Geschichten gehört hat.

       Meinung von ello:

Story:
Zu Beginn der Folge wird Hörern der ersten Stunde dieser Serie direkt eine altbekannte Thematik auffallen, jedoch schafft es André Marx diese in eine ansprechende Handlung zu verpacken. Was dieser Folge gut zu Gesicht kommt, ist der Handlungsort, den zum Großteil der Schrottplatz ausmacht. Ebenfalls gelingt es, klassische Nebenhandlungsbestandteile wie zum Beispiel das Bitten Justus’ Tante nach Mithilfe dessen bei der Arbeit, in die Geschichte einzubinden. An manchen Stellen hätten Dialoge zwischen den Jungdetektiven gekürzt werden können, leider ist dies jedoch nicht die schwerwiegendste Schwäche, die der Fall „Fluch des Drachen“ bietet. Das Ende ist in sich schlüssig, allerdings wirkt es viel zu konstruiert und erstreckt sich um zu viele Ecken. Hinzu kommt, dass die Auflösung wieder einmal auf einem Monolog von Justus basiert. Ohne den Schluss des Falles hätte man diesen mit zu den besten der Serie zählen können, wie oben beschrieben muss man aber Abstriche machen.

Sprecher:
Bei den Sprechern darf man aufhorchen, denn hier versteckt sich die eine oder andere kleine Überraschung. Zu den Protagonisten der Serie nebst Erzähler noch große Worte zu verlieren ist an sich überflüssig, darum wollen wir den Fokus auf die Nebenrollen richten. Andreas von der Meden ist natürlich zu hören, wenn Skinny sich die Ehre gibt. Wenn man weiß, wie Meden in anderen Hörspielen spricht, so ist es wirklich erstaunlich, dass er es immer noch schafft Skinny fies und auch irgendwie jugendlich-dümmlich klingen zu lassen. Ebenfalls erfreulich ist der Umstand, dass man in diesem Hörspiel Günther Flesch zu hören bekommt … leider nur sehr kurz und auch nur durchs Telefon. Im zur Seite stehen außerdem noch Edgar Hoppe, Robert Missler und Sascha Rotermund. Rein von den Sprechern gibt es also herzlich wenig Anlass zur Kritik, da die Regie die Beteiligten gut im Griff hatte.

       Sprecher:
Die Riege der Sprecher in diesem Falle liest sich beim Betrachten des Booklets gut und auch nach dem Hören kann man dies noch behaupten. Neben der Stammbesetzung um Thomas Fritsch, Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich wirken weitere prominente Sprecher wie z.B. Robert Missler und auch bekannte TV-Schauspieler (u. a. Lutz Herkenrath) in diesem Fall mit und beleben diesen mit ihrer Authentizität. Einziger Kritikpunkt ist das Aussprechen des Namens von Beverly Leung. Dieser fällt ohne Betrachten des Namens allerdings nicht weiter auf und ändert an der Struktur des Falles nichts. Insgesamt kann man von einer guten Sprecherleistung sprechen.

Musik und Effekte:
Auch dieser Bereich schafft es für Begeisterung zu sorgen. Seitdem das Team von STIL sich mitverantwortlich für die Musik zeigt, wird Atmosphäre wieder ganz groß geschrieben. Neue Stücken dominieren hier über weite Strecken das Bild und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Erinnerungen an die Klassiker-Tage aufkommen. Dazu gibt es hier und da ein paar ältere Stücke, die sich aber überaus positiv ins Gesamtbild einfügen. Das passende Flair für eine Jugend-Krimi-Serie kommt ohne Frage auf und das Hören macht Spaß. Oben drauf gibt es dann die altbekannten Effekte aus dem EUROPA-Archiv, die sicherlich schon seit mehreren Jahrzehnten an die Ohren der Hörerschaft dringen. Einzig der Sound bei der zerschellenden Vase klang in meinen Ohren nicht wirklich authentisch, aber im Gesamtbild ist das nur eine Kleinigkeit. Alles in allem bekommt man genau das geboten was man erwartet und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass man sich musikalisch besser als in den letzten 30 Folgen präsentiert.

       Musik und Effekte:
STIL setzt in dieser Folge wie immer gekonnt atmosphärische Musiken ein und gibt dem Fall eine lockere Atmosphäre, die zum Handlungsrahmen, dem Ermitteln auf dem Schrottplatz, passt. Mit dem Engagement von STIL in dieser Serie hat Europa bis jetzt alles richtig gemacht, die neuen Musiken wissen zu überzeugen. Auf Seiten der Effekte besteht kein Anlass zur Kritik, die Effekte sind passend und gut eingesetzt.

Fazit:
Vom Prinzip hätte die 130. Folge ein richtiger Knaller werden können, doch leider gelingt dies letzten Endes nicht. Wie schon oft zuvor bricht die Auflösung dem Ganzen das Genick. Justus weiß halt einfach alles und auch die zusammenpuzzelsten Verbindungen kann er aufdecken und zwar ganz ohne dass jemand es irgendwie in Frage stellen würde. Es ist zwar auch wahr, dass man in zurückliegenden Folgen wesentlich schlimmere und abgedrehte Handlungen zu hören bekommen hat, aber dennoch hat mir die Auflösung die ansonsten durchaus stimmungsvolle Geschichte ein wenig verdorben. Trotzdem schafft diese Produktion es mit knapper Not noch hinein in die Kategorie GUT, denn bei den Sprechern und vor allem bei Musik kann man in diesem Falle mal wieder so richtig punkten. Hier kommt ein tolles Jugend-Krimi-Flair auf und die Entscheidung STIL für die Musik zu Rate zu ziehen war ohne Frage eine der besten der letzten Jahre. Fans der ??? können jedenfalls (mit leichten Einschränkungen) auf ihre Kosten kommen. In der Schule hätte es also eine 2 gegeben, aber eine mit einem recht langen Minus dahinter.

       Fazit:
Nach den zuletzt wieder etwas schwächeren Folgen ist mit dem Fall „Fluch des Drachen“ wieder eine bessere gelungen. Hoffentlich werden zukünftige Falle ebenfalls wieder ein ähnliches Tempo besitzen und dazu ein leichter nachvollziehbares Ende aufweisen. Trotzdem ist dieses Hörspiel für Fans des Abenteuer-Genres empfehlenswert.