Chronologie der letzten Tage (2)
Spur des Weihrauchs




Inhalt:
"Max, ich war mir so sicher, dass du tot bist. Und dann war ich nicht mehr sicher. Und dann Max, dann habe ich mir gewünscht, dass du tot bist."

Andrea

Story:
Wie geht es nach dem fiesen Cliffhanger der ersten Folge weiter? Zunächst einmal mit einer leichten Variation des Endes von Teil 1. Prima denkt man sich. Es geht also nahtlos weiter! Weit gefehlt! Alles was Max in Teil 1 erlebt hat, scheint niemals geschehen zu sein, denn er ist wohl auf und kümmert sich liebevoll um seine kranke Freundin Andrea. Im zweiten Teil der „Chronologie der letzten Tage“ kristallisiert sich langsam heraus, welche Tragweite die Ereignisse dieser Geschichte noch nehmen werden. Statt Max rückt nun Andrea immer mehr in den Mittelpunkt der Handlung, der sich als eine Mischung aus Traum und Realität entpuppt, bei der nicht ganz klar ist, was nun eigentlich wirklich passiert und was nicht. Die Richtung, die die Geschichte nimmt ist schon eine ziemlich andere, als man es mit dem ersten Teil erwartet hat, doch das macht sie nicht schlechter. Allerdings muss man auch sagen, dass dieses Hörspiel alles andere als „easy listening“ ist. Man muss genau zuhören, um der Handlung folgen zu können und diese wartet abermals mit einigen Schock-Momenten auf, die ihren Namen alle Ehre machen. Auch der zweite Teil bietet für Freunde des Horror- / Mystery-Genres gute bis sehr gute Unterhaltung, auch wenn er sich schon stark vom ersten Teil unterscheidet.

Sprecher:
Insgesamt sind sieben Sprecher in diesem Hörspiel zu hören und allesamt sind bereits aus dem ersten Teil bekannt. Abermals muss man Marco Göllner als Erzähler hervorheben, der den Hörer sehr „schön“ durch die Handlung führt. Alle übrigen Beteiligten konnten sich im Vergleich zu „Im Hochmoor“ steigern und somit wirken alle Leistungen noch einen Ticken besser. Dass keiner der Sprecher ein Profi ist merkt man herzlich selten. Alles in allem gehen die Leistungen abermals als gut durch.

Musik und Effekte:
In beiden Punkten hat man sich noch einen Schritt weiter entwickelt, so variiert man hier und da auch mal die Musikstücke, die allesamt sehr gut ins Gesamtbild passen und an den richtigen Stellen düstere und unheimliche Atmosphäre aufkommen lassen. Was wirklich zu beeindrucken weiß, sind die Effekte. Im ersten Teil hatte man schon bewiesen, dass man einen guten Riecher hat um Szenen unheimlich darzustellen, was man hierbei noch einen Ticken besser schafft. Die gelungene Mischung aus Musik und Soundcollagen sorgt dafür, dass man das unheimliche Geschehen, dass mit Andrea vor sich geht nicht hört, sondern stellenweise auch fühlt. Die Macken im Bezug auf die manchmal nicht gelungene Abmischung hat man in den Griff bekommen und somit präsentiert man dem Hörer eine technische Seite, die sich auch problemlos mit den großen Labeln messen kann.

Fazit:
Der zweite Teil geht in eine gänzlich andere Richtung, als man es nach dem Genuss von „Im Hochmoor“ erwarten dürfte. Ist „Spur des Weihrauchs“ deshalb auch direkt schlechter? In meinen Augen bzw. Ohren definitiv nicht. Es ist nur so, dass dieser zweite Teil sehr stark die Aufmerksamkeit des Hörers fordert. Man muss nicht nur aufmerksam mithören, sondern auch seine eigenen Schlüsse zu dem Gehörten ziehen, denn es wird nicht klar gesagt worum es hier wirklich geht. Eben dieser Punkt war es, der viele Hörer dazu brachte zu sagen, dass der erste Teil wesentlich stärker war, doch ich teile diese Ansicht nicht. Ohne den ersten Teil, würde der zweite keinen Sinn ergeben, denn wer aufmerksam bei der Sache ist, der kann hier auch seine Schlüsse ziehen und wirklichen „Spaß“ an der Geschichte. Da sich sowohl die Sprecher als auch die Technik steigern konnten, zücke ich auch für diese Folge die volle Punktzahl, denn das Hören von „Spur des Weihrauchs“ ist wirklich ein Erlebnis (wenn auch ein anders als das Hören des ersten Teils). Mein Tipp: Licht aus, Kopfhörer auf und eintauchen in diese TOP-Produktion!



lord gösel