Burg Frankenstein (2)
Monster-Testament von Burg Frankenstein




Inhalt:
Burg Frankenstein, "The home of the monster", steht wieder im Mittelpunkt eines erregenden Geschehens... Die Leiche des Frankenstein-Monsters wird an einem geheimen Ort aufbewahrt. Zwielichtige Gestalten entführen Robert Nordans Freundin, um ihn erpressen zu können. Robert Nordan, der Reporter des Unheimlichen, geht einer Spur nach und begegnet einem Alptraum-Geschöpf. Er erfährt das das Frankensteins Monster noch lebt und dass es noch weitere, furchtbare Bestien gibt, die ihr Unwesen treiben. Das Monster-Testament, von dem man hinter vorgehaltener Hand spricht, existiert wirklich und ist eine tödliche Gefahr für die Menscheit.

Story:
Mit sehr gemischten Gefühlen schob ich das zweite Hörspiel der „Burg Frankenstein“-Reihe in meinen CD-Player. Die Macken der ersten Folge hatte ich noch allzu deutlich vor Augen und die abermals sehr hohe Spielzeit lies schon böses erahnen. Doch ich muss gestehen, dass ich mich in diesem Punkt geirrt habe. Zwar ist diese Folge mit etwa 72 Minuten wieder alles andere als kurz, aber die Geschichte ist weniger zäh als das erste Abenteuer. Die verschiedenen Handlungsstränge bringen Abwechslung in die Geschichte und auch der Spannungslevel ist diesmal wesentlich höher. Dies liegt für meine Begriffe daran, die Vorlage wesentlich mehr hergibt, denn hier merkt man wenigstens, dass es sich um einen Teil einer Serie handelt und somit einige Fragen offen bleiben, die in den kommenden Folgen geklärt werden wollen. An der einen oder anderen Stelle kommt sogar kurzweilig Gruselstimmung auf. Die Geschichten von Dan Shocker waren noch nie literarische Meisterwerke, aber diesmal ist es auf jeden Fall gelungen, dass das Geschehen den Hörer in seinen Bann zieht. Insgesamt habe ich mich vom „Monster-Testament von Burg Frankenstein“ wesentlich besser unterhalten gefühlt als von der „Schreckensnacht“ auf selbiger Burg. Inhaltlich wurde ich hier gut unterhalten.

Sprecher:
Die Mixtur aus Profis und Amateuren war gewagt und ging bei der ersten Folge für meine Begriffe doch ziemlich in die Hose. Auch beim 2. Abenteuer hat man wieder munter bekannte Sprecher wie Christian Rode, Rainer Schmidt, Heidi Schaffrath oder Gisela Trowe mit einigen Sprechern der Dreamland-Riege kombiniert. Allerdings ist man hier wesentlich cleverer zu Werke gegangen und hat den Nicht-Profis nur verhältnismäßig kleine Rolle gegeben. Allerdings sind die Darbietungen von Teresa Merz und Nadia Hooboty-Fard ein ähnlicher Fehltritt wie seinerzeit Angie Bells Ablesen. Gottlob sind die Rollen wie schon erwähnt nur kurz, aber dennoch zieht es dem Hörer dann doch schon fast die Schuhe aus. Was ich ebenfalls etwas fragwürdig finde, ist die Tatsache, dass H.G. Francis und Carsten Bohn hier als Sprecher mitwirken. Es ist sicherlich ein netter Gag für die Fans der alten EUROPA-Hörspiele, aber keiner der beiden spielt sich irgendwie in den Vordergrund. Die Überraschung dieser Produktion ist für mich ohne Frage der Auftritt von Bernhard Hoecker, der die Rolle des fiesen Piet übernimmt. Mit sehr viel Talent legt Hoecker hier einen holländischen Akzent an den Tag und kann als zwielichtiger Bösewicht überzeugen. Wirklich sehr gut sind die gebotenen Leistungen insgesamt noch nicht, aber auch hier ist eine Steigerung gegenüber der ersten Folge zu erkennen. In Schulnoten würde ich für das Gehörte eine 2- geben.

Musik und Effekte:
Die Musik war ohne Frage der stärkste Teil der ersten Folge und auch in der zweiten Folge kann man hier abermals punkten. Das Titellied der Serie bleibt sofort im Ohr hängen und lässt, wie auch alle übrigen Stücke, angenehme Erinnerungen an die Kompositionen von Carsten Bohn aufkommen. Hier kann ich erneut ein großes Kompliment an Tom Steinbrecher machen, der seine „Arbeit“ ganz ohne Frage versteht. Leider gibt es aber auch wieder einen Dämpfer, denn nach wie vor wird die Musik für meine Begriffe zu kurz eingemischt. Sie läuft zwar immer noch sehr lange im Hintergrund, während der Erzähler redet, das die Zwischensequenzen dürften ruhig mal länger als 7-10 Sekunden sein. Doch nicht nur an dieser Stelle gibt es noch einige Schönheitsfehler. Stichwort: Effekte. Es ist allgemein bekannt, dass man bei Dreamland in diesen Bereich „back to the roots“ gehen wollte, also keine Effektfeuerwerke ala John Sinclair, Gabriel Burns oder Faith abfeuern wollte. Allerdings wird das Geschehen hier stellenweise wirklich ZU DÜNN untermalt. Einen Unfall sollte man schon etwas spektakulärer in Szene setzen und grade die verwendeten Schlaggeräusche wirken eher albern und deplaziert als denn passend. Somit gehen der Monsterüberfall und die Kampfszene zwischen Nordan und Piet schon als ziemlich missraten durch.

Fazit:
Ja, eine Steigerung gegenüber der arg durchschnittlichen ersten Folge ist hier zu erkennen. Am positivsten überrascht war ich von der Geschichte, die diesmal wirklich spannend, interessant und an einigen Stellen auch ein klein bisschen gruselig geworden ist. Auch bei den Sprechern kann man eine Steigerung erkennen, da die Auftritte der Amateure diesmal doch relativ klein gehalten wurden. Bernhard Hoeckers Einsatz bringt zusätzlich ein paar Bonuspunkte, denn der Gute kann wirklich überzeugen. Was den Gesamteindruck dann wieder etwas runterzieht, sind die doch ziemlich schwachbrünstigen Effekte, grade die Schlaggeräusche. Dennoch habe ich mich von diesem Hörspiel wesentlich besser unterhalten gefühlt als von der ersten Folge dieser Serie. Eigentlich wäre hier für eine Bewertung von 3,5 Sternen nötig, denn das Gehörte ist schon besser als durchschnittlich aber eigentlich auch nicht gut genug um wirklich als gute Produktion durchzugehen. Also … mache ich daraus mal eine 2, aber eine mit einem langen minus dahinter. „Jagd auf den Werwolf“ bleibt bis dato also das beste Dreamland-Hörspiel, aber allmählich entwickelt sich alles in eine gute Richtung.



lord gösel