21. Februar 2006
Die drei ??? und der Karpatenhund
Gloria Theater, Köln


Der Hin-Weg:
Köln ist sicherlich eine Stadt, die dem Besucher einiges zu bieten hat. Allerdings gibt es da einen entscheidenden Faktor, der mich an dieser Stadt sehr stört: Das Straßensystem! Wieso? Nun … man stelle sich mal folgendes vor: Man ist mit 5 Leuten (verteilt auf 2 Autos) auf dem Weg um das Gloria Theater in Köln zu finden, da dort eine Vorstellungen von „Hörspiel-Abende mit Oliver Rohrbeck und dem Karpatenhund“ stattfindet. Man zwei von einander völlig unabhängige Wegbeschreibungen aus dem Internet ausgedruckt und die erste erweist sich auch noch als ganz gut, so lange man noch über Autobahnen fährt. Nur, sobald man im Inneren der Stadt ist, scheint der Anbieter von den Wegbeschreibungen keinen Plan mehr davon zu haben, wie man zu der gesuchten Location kommt. Ist ja halb so wild denkt man sich, schließlich haben wir noch den alternativen Plan dabei, der auch zunächst mal sich als wesentlich brauchbarer entpuppt. Nur leider gibt es ein entscheidendes Problem, denn das Gloria Theater liegt mitten in der Kölner Innenstadt und genau da erwischt es einen dann eiskalt. Es ist liegt eigentlich immer im Auge des Betrachters ob „rechts halten“ nun weiter geradeaus und dem nach rechts gehend Straßenverlauf folgen, oder rechts abbiegen heißt. In unseren Falle wäre abbiegen die richtige Entscheidung gewesen, wie wir relativ schnell feststellten. Und nun offenbarte sich der Grund aus dem ich das Straßensystem von Köln hasse: Es ging erst einmal endlos weiter geradeaus und eine Wendemöglichkeit war so gar nicht in Sicht. Als dann endlich eine Möglichkeit zum Abbiegen gefunden war, dachte ich mir, super, WENDEN. Doch … Pustekuchen! Da stand plötzlich ein Schild „verbotene Einfahrt“. Stellt man in diesem Falle an einer Kreuzung nicht eine „Wendeverbot“-Schild auf?!?!?!? Also … krasse Wendesohle inklusive Rückwärtsfahraktion hingelegt und um 4 Ecken rum kommt man dann doch wieder dort an, wo man rechts hätte abbiegen müssen … und siehe da: Das Gloria Theater! Zum Gluck befindet sich in unmittelbarer Nähe des Theater ein Parkhaus, denn eine lange und aufwühlenden Parkplatzsuche hätte meinen Nerven sicherlich nicht gut getan.

Die Location:
Das Gloria Theater machte erst mal einen äußerst sympathischen Eindruck. Nicht grade gross, aber auch alles andere als klein und wie die Plakate verrieten, ein Ort in dem häufig Comedy-Veranstaltungen stattfinden. Man lässt also seine Karte entwerten und reiht sich brav in die Schlange ein. Irgendwann kommt dann die Frage auf: Was dauert eigentlich so lange? Die Erklärung bekommt man vom netten Kartenabreißer: „Ihr müsst eure Jacken an der Garderobe abgeben. Die Garderobe ist die Treppe runter, vor den Toiletten.“ Moment mal ... man MUSS die Jacken abgeben? Was könnte man denn darin verstecken? Gefährliche Gegenstände, oder wie? Nun da ich es nicht so ganz eingesehen habe, schnappe ich mir meine Jacke und die meiner Frau und stiefelte samt Begleiter zurück zum Parkhaus um die Jacken im Kofferraum zu verstauen. Wieder zurück im Theater wollte ich vor der Vorstellung noch mal kurz auf die Toilette. Problematisch war nur, dass sich die Garderobe ja neben den Toiletten befand und ich mich dementsprechend an den ganzen potentiellen Jackenabgebern vorbeiquetschen durfte und das durch einen Gang, der eigentlich völlig voll war! ARGHGHGH! Nun … nachdem ich auch dieses Abenteuer erfolgreich gemeistert hatte, stand nun einem gemütlichen Abend nichts mehr im Wege, oder? Doch, leider. Denn die Stühle, die im Vorführraum aufgestellt waren, erwiesen sich als eher suboptimal für eine Veranstaltung, die etwa 2 Stunden dauerte.

Die Vorstellung:
Schon kurz vor der Vorstellung erschien Oliver Rohrbeck auf der Bühne und erklärte, dass diejenigen, die sich später als Sprecher versuchen wollten, ihren Namen auf einen Zettel schreiben und vor der Bühne abgeben sollten. Der Eimer, in dem die Zettel landeten war erstaunlich gut gefüllt. Ziemlich pünktlich um 20 Uhr erschien Oliver Rohrbeck abermals auf der Bühne, die allerlei technischem Equipment ausgestattet war, und es konnte losgehen. Oliver begrüßte die Anwesenden und erklärte zunächst einmal, wie es überhaupt dazu gekommen war, dass diese Tour realisiert wurde. Im Zuge seiner Erklärungen machte er auch direkt Werbung für seine Lauscher Lounge, die er ja nach der „Master Of Chess“-Tour gegründet hat. Außerdem ließ er das Publikum wissen, weshalb er den Karpatenhund zu seiner Nummer 1 gekürt hat und nicht, wie er früher oftmals gesagt hatte, „Das leere Grab“. Laut Rohrbecks Ansicht ist der Karpatenhund einfach eine Paradebeispiel für die allerersten Geschichten der ??? und vereint alle Elemente, die für diese Serie wichtig sind: Spannung, Mystik und Action. Im Zuge der Erklärung durfte auch etwas Werbung für die grade neu erschienenen „Collector’s Editionen“ nicht fehlen. Dann war die Zeit gekommen, und Oliver startete seine Lieblingsfolge „Die drei ??? und der Karpatenhund“. Es handelte sich um die eine CD der „Collector’s Edition“ und dementsprechend waren einige Musikstücke ausgetauscht, aber in diesem Falle wirklich nur einige wenige. Hierzu brauche ich wohl nicht viel zu schreiben, denn diese Folge dürfte eigentlich jedem bekannt sein. Während die Folge lief, machte es Rohrbeck sich in einem Sessel auf der Bühne gemütlich. Nachdem die Folge zu Ende war, war nun der erste große Moment gekommen: Die Sprecher für die Rollen wurden aus dem Kübel gezogen. Neben 4 Sprechern und 3 Sprecherinnen wurden auch noch 2 Damen für die Geräusche gezogen. Nun folgte eine kurze Pause, in der Rohrbeck die Sprecher und Geräuschemacher in ihre Rollen und Aufgaben einwies. Gut … kurz war die Pause nicht, im Gegenteil: Aus den angekündigten 10 Minuten wurden satte 25! Doch dafür wurde es danach interessante, denn Rohrbeck startete einen kleinen Diavortrag und gewährte den Zuschauern somit Einblick in das Tonstudio EUROPA. Aufnahmeräume, Mikrophone, Mischpulte und Bänder randvoll mit Hintergrundgeräuschen wurden ebenso gezeigt, wie Heikedine Körting, André Minninger und das legendäre ???-Telefon, welches bei jedem Telefongespräch der ??? zum Einsatz kommt. Oliver löste auch das Rätsel, welches Geräusch man eigentlich hört, wenn einer der Detektiv-Kollegen sagt „Schalt mal den Verstärker ein!“. Bei dem Geräusch handelt es sich um nichts anderes, als den Münzeinwurf des Telefons. Bevor nun die Fans ans Mikro durften, nahm sich Rohrbeck noch einige Minuten, um dem Publikum zu verdeutlichen, wie wichtig passende und authentisch klingende Effekte bzw. Geräusche für ein Hörspiel sind. Zu diesem Zweck spielte er mit Hilfe der beiden Geräuschemacherinnen eine kurze Szene, in der Justus über einen Friedhof schleicht und das Grab seiner Eltern öffnet. Die vermeintlichen Schritte auf einem Kiesboden entstanden durch Treten auf einem Kissen und das Öffnen der Grabplatte wurde durch eine Stange, die über Steinplatten kratzt simuliert. Die Szene wurde komplett aufgenommen. Bevor das Resultat vorgespielt wurde, mischte Rohrbeck noch einen passende Hintergrundatmosphäre hinein und schon klang die gesamte Szene wesentlich echter. Nun war aber endlich das Zittern für die Sprecher zu Ende, denn ihr Einsatz stand unmittelbar bevor. Jeder stellte sich noch einmal kurz vor und sagte, welche Rolle er übernehmen würde … und dann war es soweit: Das „Bitte Ruhe“-Schild leuchtete auf und die Aufnahme begann. 2 Szenen hatten die Sprecher, verstärkt durch Oliver Rohrbeck als „Justus“ zu bewältigen. Es waren die Szenen, in der der Dieb des Karpatenhundes anruft und die folgende Szene, in der Mrs. Chalmers vergiftet wird. Die Qualität der Sprecher war recht unterschiedlich. Wirklich schlecht war eigentlich keiner, dafür war derjenige, der die Rolle von Mr. Prentrice übernahm aber wirklich gut. Für einen besonderen Lacher sorgten der Sprüche „Das ist ja unglaublich“ und „Wenn ich fahre geht es schneller“. Man muss wohl dabei gewesen sein, um zu verstehen, was so witzig an diesen Stellen war. Nun folgte dasselbe Prozedere, wie zuvor: Es wurden noch einige Hintergrundgeräusche eingemischt und man hörte sich die beiden Szenen gemeinsam an. Anschließend hagelte es Gewinne: Verlosten wurden jeweils 5 Exemplare der drei Collector’s Editionen, spezielle T-Shirts, die CDs „Drei Geschichten“ und „Der Trek nach Westen“, sowie ein Handy, welches niemand geringeres als Hörspiele.de-Mastermind CHRIZZZ absahnte. Oliver Rohrbeck bedankte sich und versprach in wenige Minuten auch für Autogramme zur Verfügung zu stehen. Da unser Heimweg aber doch relativ lang war, machten wir uns doch lieber auf den Weg in die Heimat.

Fazit:
Die Hinfahrt war ein mittelschwerer Alptraum und auch die Location selbst, bzw aller Gepflogenheiten der Location waren nicht grade optimal. Da für gestaltete sich der eigentlich wichtige Teil des Abends aber überaus interessant und auch sehr amüsant. Ich für meinen Teil bereue es nicht, den weiten Weg auf mich genommen zu haben. Der Abend erfüllt im wesentlich auch meine Erwartungen und somit kann ich getrost sagen, dass es gut war. Als wirklichen „Hammer“ würde ich es nicht bezeichnen, aber es hat mir auf jeden Fall gefallen.

lord gösel