Lady Bedfort (4)
und der letzte Gast




Inhalt:
Das Stempfield-Hotel liegt an einem Berghang im Schatten bewaldeter Gipfel. Lange stand das riesige Anwesen leer, jetzt hat es zwei neue Besitzer - Charles Stempfield und Helen Miller. So bietet sich Lady Bedfort und ihrem Butler Max die Gelegenheit, bereits vor der Neueröffnung einige Tage in der malerischen Umgebung auszuspannen. Als Max jedoch eine äußerst seltsame Beobachtung macht, stellt sich die Frage, ob das alte Hotel wirklich so verlassen ist, wie es anfangs scheint.

Story:
In ihrem vierten Abenteuer zieht es Lady Bedfort wieder hinaus in die Welt. Das ist schön und sorgt für Abwechslung. Ebenso erfreulich ist das Wiederhören mit der Mutter von Inspektor Miller, was den Seriencharakter unterstreicht. Die Geschichte der vierten Folge erweist sich als überaus gelungen und spannend da man in diesem Falle bis kurz vor dem Ende noch nicht weiß, was denn nun eigentlich in dem alten Hotel vor sich geht. Nach einem ruhigen und harmonischen Einstieg spitzen sich die Ereignisse immer mehr zu und es bleibt auch die Zeit für den einen oder anderen unheimlichen Moment in dieser Folge. Gelungen fand ich auch die permanenten Sticheleien zwischen der Lady und ihrem Butler, die die Figuren noch lebensechter machen. Alles in allem hat mir die Geschichte wieder richtig gut gefallen und sie steht in meinem persönlichen Ranking auf einer Stufe mit „und das Haus an der Witwenkreuzung“. Hier haben wir den Beweis, dass es auch ohne Schießerei oder vergleichbare Actioneinlagen noch spannende Krimi-Unterhaltung geben kann, die den Hörer nicht zuletzt durch ihre liebenswerten Charaktere in ihren Bann schlägt.

Sprecher:
Wie die zweite Folge, so liegt auch hier eine Episode aus der zweiten Produktionsstaffel vor. Da Inspektor Millers Mutter wieder dabei ist, übernimmt Ursula Sieg natürlich wieder genau diese Rolle. Es macht einfach richtig Spaß ihr zuzuhören, da sie in der Rolle der alten Dame ebenso aufgeht, wie Barbara Ratthey als Lady Bedfort. Der Rest der Stammbesetzung, namentlich Dennis Rohling (Max) und Santiago Ziesmer (Inspektor Miller) können mit gewohnt souveränen Leistungen überzeugen. Mit Jan Schreiber (Mr. Stempfield) und Robert Missler (O'Grady) wird der kleine aber feine Cast komplettiert. Grade Missler zeigt mal wieder sehr eindrucksvoll wie wandlungsfähig er ist, denn er verkörpert den kauzigen Einsiedler sehr glaubwürdig. Kurz gesagt: Die Sprecher überzeugen auf der ganzen Linie.

Musik und Effekte:
Was soll ich hierzu noch großartig schreiben? Diese Serie lebt nicht zuletzt von einer ganz eigenen Atmosphäre und einen enorm großen Anteil daran hat die eigens für die Serie komponierte Musik. Keine pompösen Orchesterklänge, sondern einfach eine Sammlung kleiner Melodien, die schnell ins Ohr gehen und für einen hohen Wiedererkennungswert sorgen. Obendrauf kommen noch die Effekte, die man wie üblich in liebevoller Detailarbeit selbst entworfen hat. Hier wird keine Effekthascherei betrieben, nein, hier wird mit Liebe zum Detail ein stimmungsvolles Gesamtkunstwerk geschaffen. Kompliment an dieser Stelle an das Produktionsteam!

Fazit:
Folge 3 gefiel mir nicht ganz so gut wie das gelungene zweite Abenteuer, doch davon kann bei „Lady Bedfort und der letzte Gast“ keine Rede sein. Diese Folge hat mich wirklich begeistert. Die Geschichte baut sich nach ruhigem Beginn schön auf und steuert auf den unvermeidlichen Höhepunkt zu. Spannung, der eine oder andere unheimliche Moment und eine Portion Humor ergeben zusammen eine Story, die einfach Spaß macht. Vorgetragen wird das ganze von einem Sprecherensemble, das hörbaren Spaß an seinem Job hat. Was diese Melange dann endgültig zum Genus macht, ist die technische Umsetzung, die ziemlich „retro“ wirkt, ohne dabei jedoch den Eindruck erweckt veraltet zu sein. Das zweite kleine Meisterwerk einer noch sehr jungen Serie liegt und hier vor und man darf hoffen, dass es in dieser Qualität weitergeht, denn dann darf „Lady Bedfort“ ruhig 100 und mehr Abenteuer erleben. Was bleibt zu sagen? Zum zweiten Mal gibt es das Prädikat „TOP!“



lord gösel