Lady Bedfort (1)
und das Grab im Moor

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Inhalt: Südlich von Broughton beginnt die Sumpflandschaft. Der nicht enden wollende Regen und die aufsteigende Feuchtigkeit hüllen diesen Ort in ständigen Nebel. Lange Zeit hat das Moor seine Geheimnisse verborgen, doch eines Herbstmorgens macht ein Spaziergänger eine schreckliche Entdeckung. Sofort nimmt die Polizei ihre Ermittlungen auf. Und auch Lady Bedfort entwickelt großes Interesse an dem Fall. Story: Beim Hörplanet wagt man sich immer wieder an andere Genres. Nachdem man mit „Rettungskreuzer Ikarus“ erfolgreich Science-Fiction produzierte, mit mehreren Hörbüchern sich im Horror-Genre einen Namen machte und mit der Serie „Holgers Weltreisen“ einen gelungenen Spagat zwischen Kinderhörspiel und Kinderhörspielparodie zauberte, ist nun die Zeit für Krimis gekommen. Auf den ersten Blick hin mutet „Lady Bedfort“ wie eine Kopie von „Miss Marple“ an, doch hier trügt der Schein. Obwohl es fraglos einige Anleihen an die bekannte Detektivin gibt, so ist die rüstige Lady wesentlich moderner, denn sie lebt in der aktuellen Zeit und darf auch mal auf einen Computer und das damit verbundene Internet zugreifen. Es gelingt erstaunlich gut das Ambiente alter Detektivgeschichten in die moderne Zeit zu transponieren. Allerdings muss sich die vorliegende Geschichte den Vorwurf gefallen lassen etwas vorhersehbar zu sein, denn schon nach etwa 30 Minuten ist klar, wer der Übeltäter ist. Dennoch bleibt es spannend, denn schließlich gilt es den Verbrecher zu überführen und seiner gerechten Strafe zuzuführen. Am Ende wartet dann noch eine kleine Überraschung, so dass ich trotz eines kleinen Mankos von gelungener und spannender Krimi-Unterhaltung sprechen kann. Da freut man sich direkt auf die vier weiteren Folgen, die bereits angekündigt sind. Sprecher: Grade einmal fünf Sprecher geben sich in gut 50 Minuten die Ehre. Ist das nicht reichlich wenig für ein Krimi-Hörspiel? In diesem Falle nicht, denn die erste Folge lebt im Wesentlichen von den unterhaltsamen und mitunter auch überaus amüsanten Dialogen zwischen Lady Bedfort und ihrem Butler Max. Die rüstige alte Dame wird von Barbara Ratthey gesprochen und wenn Dennis Rohling im CD-Inlay behauptet, dass ihr diese Rolle nahezu auf den Leib geschrieben sei, so ist das keine Übertreibung. Ratthey erweckt die alte Dame mit viel Engagement zum Leben und hat hier auch gemeinsam mit Michael Eickhorst (Lektorat) und Dennis Rohling (Musik und Bearbeitung) Regie geführt. Letzterer lässt es sich auch nicht nehmen als Sprecher mitzuwirken. Er übernimmt die Rolle von Max dem Butler und bringt die steife Art sehr glaubwürdig rüber. Rohling entwickelt sich immer weiter und fällt zwischen den übrigen Sprecher nahezu gar nicht auf. Die können ebenfalls überzeugen und grade Santiago Ziesmer ist hörenswert, denn er stellt unter Beweis, dass man ihn nicht nur mit Sponge Bob in Verbindung bringen sollte. Alles in allem werden hier sehr gute Leistungen von allen Beteiligten geboten. Musik und Effekte: Man lässt den Hörer wissen, dass sich die Serie bewusst dem „höher, schneller, weiter“ der populären Hörspiele entzieht. Diese Entscheidung ist nur logisch, denn krachende Soundeffekte im Hollywood-Format würden diese Serier ganz einfach nicht zu Gesicht stehen. Dennoch ist man mit sehr viel Liebe zum Detail zu Werke gegangen und erweckt die englische, regnerische Moorlandschaft sehr schön zum Leben. Einen besonderen Pluspunkt kann man darüber hinaus für die Musik einfahren. Wie beim Hörplanet üblich, wurden die verschieden Stücke für das Hörspiel und stellenweise auch direkt für die verschiedenen Szenen komponiert. Dennis Rohling hat mit seinen bisherigen Arbeiten bewiesen, dass er sehr genau weiß, wie eine stimmige Untermalung sich anzuhören hat. Für meinen Geschmack hat er sich sogar noch einmal ein Stück weiterentwickelt, denn die klassischen Stücke passen zur Atmosphäre der Geschichte wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Daumen rauf, hier wurde wirklich gute Arbeit geleistet. Fazit: Es ist schon fast unheimlich, wie dieses kleine Label es schafft in so kurzer Zeit derart verschiedene hoffnungsvolle Serien auf die Hörerschaft loszulassen. „Lady Bedfort und das Grab im Moor“ erweist sich als überaus gelungenes Debüt. Vor allem die Sprecher sind ein wahrer Ohrenschmaus, da alle Beteiligten in ihren Rollen hörbar aufgehen. Auch von der technischen Seite zeigt sich diese Produktion blitzsauber und grade der Soundtrack hat ein Extralob verdient. Vom Prinzip also ein Hörspiel, dass Kurs auf die Höchstwertung nimmt, doch als kleiner Schönheitsfehler bleibt, dass die Geschichte ein wenig zu vorhersehbar ist. Das kann man aber getrost verschmerzen, denn ansonsten stimmt hier wirklich fast alles und ich hoffe, dass man mit den nächsten Folgen den verbleibenden Raum nach oben endgültig ausfüllen kann, denn das Potential ist hier ganz ohne Frage vorhanden. Wer auf der Suche nach klassischer Detektivunterhaltung ist, der liegt mit dieser Folge (und vermutlich mit der gesamten Serie) goldrichtig. GUT! ![]() ![]() ![]()
lord gösel |