Der wundersame Lord Atherton
Teil 4




Inhalt:
Nach kurzem Stopp in Frankreich ist das Luftschiff "Ikarus" wieder unterwegs. Mit seinen unfreiwilligen Passagieren fliegt es immer weiter nach Süden - bis hin zur Ostküste Afrikas. Nach einer kurzen, aber schmerzvollen Safari bringt Lord Atherton die "Ikarus" endlich wieder auf Kurs Richtung England. Die Vorfreude auf die Heimat währt jedoch nicht allzu lang: Immer niedrigere Temperaturen und auf dem Meer schwimmende Eisschollen lassen erste Zweifel über die Richtigkeit der Reiseroute aufkommen. Tatsächlich wird bald klar, dass man dem Südpol schon bedenklich nah gekommen ist. Und als ob das noch nicht genug wäre, gerät die "Ikarus" in ernste Schwierigkeit. Sie droht abzustürzen. Und das mitten über dem Eismeer der Antarktis..

Story:
Die „Expedition Ikarus“ geht weiter und Lord Atherton und seine (abermals) unfreiwilligen Begleiter plagen sich erneut mit allerlei Problemen herum. Allerdings muss man eingesehen haben, dass es auf die Dauer langweilig wird, wenn die Handlung nur daraus besteht, dass Atherton und Co. in ihrem Luftschiff sitzen und mit technischen Mängeln kämpfen und somit wird dem Team hier gleich zwei Mal „Landgang“ genehmigt. Verständlicherweise stolpern die fünf Abenteurer aber auch hierbei von einem Schlammassel in den nächsten hinein und genau in diesem Umstand liegt auch das Problem der Produktion. Bei den ersten Episoden hat es noch Spaß gemacht zuzuhören wie es den Protagonisten gelingt sich auch aus den schwierigsten Situationen hinaus zu winden, doch das Konzept hat nun einfach Staub angesetzt. Hinzu gesellt sich das allgemeine Problem dieser Reihe: Die (Über)länge. Abermals sind es mehr 120 Minuten die vergehen ehe die Helden dem wohlverdienten Happy End entgegen sehen können und in dieser Zeit schleichen sich nicht wenige Längen ein. Zwar muss man sagen, dass es gegenüber dem dritten Teil hier schon regelrecht flott zugeht, aber ein flott in Zusammenhang mit Lord Atherton ist immer noch eine nur sehr gemäßigte Gangart. Mit strafferer Spielzeit hätte die Geschichte wesentlich unterhaltsamer und packender werden können, so ist ihr nur ein recht durchschnittlicher Unterhaltungswert anzumerken.

Sprecher:
Bei den Sprechern gibt es kaum nennenswerte Veränderungen gegenüber dem Vorgänger zu berichten. Den Löwenanteil dieser Produktion bekommt man nur die fünf Protagonisten zu hören und die werden von ihren Sprechern, namentlich Neels Clausnitzer (Lord Atherton), Torsten Münchow (Clifford Stenton), Philipp Bramer (Edward Stenton), Melanie Manstein (Lady Alice) und Dagmar Dempe (Lady Diane), sehr schön interpretiert. Leider wirken manche Passagen im Angesicht tödlicher Gefahren für meine Begriffe eine Spur zu ruhig, so dass man fast meinen könnte es hier mit einer Gruppe erfahrener Geheimagenten zu tun zu haben. Da hätte die Regie ruhig ein wenig mehr aus Beteiligten herauskitzeln können. Bei den Gästen trifft man auf die „üblichen Verdächtigen“ einer Produktion aus dem Hause Maritim. Michael Pan, Peter Weis, Wolfgang Bahro (NICHT als Kind!) oder auch Helmut Kraus sind hier zu hören und alle erledigen einen Job, der ohne Frage in Ordnung geht und sich hören lassen kann. Sieht man von meinem kleinen Problem mit Dagmar Dempe ab (das sich auch durch diese Folge nicht aus der Welt schaffen lies), so kann ich insgesamt von sehr soliden Leistungen seitens der Sprecher berichten, bei denen hier und da mit etwas mehr Einsatz seitens der Regie aber noch mehr drin gewesen wäre.

Musik und Effekte:
Konstanz ist das erste Wort das mir zu diesem Punkt in den Sinn kommt, denn die technische Umsetzung bleibt bei dieser Produktion der Punkt, der stets überzeugend war. Auch beim 4. Teil des wundersamen Lords erfreut man die Ohren der Hörerschaft wieder mit klassisch anmutenden Melodien, die zu dem Genre Abenteuer-Hörspiel einfach gut passen und eine schöne Atmosphäre entstehen lassen. Bei den Effekten hat man ebenfalls ordentlich gearbeitet und bietet einen Klangteppich der dem inneren Auge hilft, sich die verschiedenen Situationen vorstellen zu können. Alles in allem stellt auch hier die technische Umsetzung den Punkt dar, der am überzeugendsten und meisten ausgereift wirkt. Wenn gleich es heutzutage Produktionen gibt die noch wesentlich imposanter inszeniert wurden, so geht das hier Gebotene dennoch völlig in Ordnung.

Fazit:
Bei Teil 4 von „Der wundersame Lord Atherton“ lässt sich eine Steigerung gegenüber dem direkten Vorgänger erkennen, aber dennoch ist diese Produktion ein Stück davon entfernt gut zu sein. Der größte Stolperstein ist und bleibt die Spielzeit. Was hier inhaltlich geboten wird, verfügt einfach nicht über genügend „Fleisch“ um den Hörer volle zwei Stunden fesseln zu können. Nicht selten schleichen sich Längen ein und bei einigen Dialogen oder sogar gesamten Szenerien wünscht man sich, dass alles endlich mal auf den Punkt kommen soll. Weiterhin fällt auf, dass die Sprecher über weite Strecken zwar sehr gut agieren, aber gerade in den dramatischen Moment ein wenig zu kühl und abgeklärt wirken um das Geschehen realistisch wirken zu lassen. Einzig die technische Umsetzung, sprich die Musik und die Effekte, können sich hören lassen und hinterlassen einen souveränen Eindruck. Wer die Serie in sein Herz geschlossen hat, der wird auch mit der Qualität des vierten Teils zufrieden sein, doch wirklich empfehlenswert für Jedermann ist dieses Hörspiel nicht. Wenn der dritte Teil im Schulnotensystem eine 3 minus war, so kann sich Teil 4 eine 3 plus verdienen, durchschnittliche Kost also.



lord gösel