Der wundersame Lord Atherton
Teil 2




Inhalt:
Nach überstandenen Abenteuern mit Lord Athertons unterirdischer Einschienenbahn erreichen seine Verfolger das Ende des Gleises. Doch der Preis war hoch: Edward Stenton hat im Kampf gegen urzeitliche Seemonster sein Leben verloren. Erschöpft und niedergeschlagen stellen die verbleibenden Reisenden fest, dass das Ende der Schiene noch lange nicht das Ende ihrer gefährlichen Reise bedeutet. Im Gegenteil. Ein weiteres Transportmittel wartet nur darauf, sie in noch tiefere Abgründe zu führen. In Gefilde, die jenseits menschlicher Vorstellung liegen.Alles scheint schon verloren - da naht plötzlich Hilfe aus der Dunkelheit..

Story:
Konsequenterweise geht der zweite Teil von Lord Atherton genau dort weiter, wo der erste Teil sein Ende fand. Es hat nun den Anschein, dass immer zwei Teile eine komplette Erzählung um Lord Atherton bilden, denn alle Fragen, die im ersten Teil aufgeworfen wurden, werden hier zu einem Ende geführt. Erfreulich ist der Umstand, dass man direkt von Anfang an ein höheres Tempo als im ersten Teil vorfindet und sich hier nicht in allzu lange Erklärungen vertiefen muss. Allerdings gibt es bei dieser Produktion den umgekehrten Effekt zum ersten Teil: Nach einem rasanten Beginn verliert die Handlung gegen Mitte der zweiten CDs zunehmend an Dynamik und Spannung. Daran ändert auch der Umstand wenig, dass die Reisenden den Gesuchten Atherton finden und er ihnen offenbart, was er noch alles zu tun gedenkt. Zwar besitzt der zweite Teil insgesamt betrachtet die höhere Dynamik und sicherlich auch mehr Spannung, aber es wäre vielleicht sinnvoller gewesen beide Teile zu insgesamt einer Doppel-CD und einer Gesamtspielzeit von 150 Minuten zusammenzustreichen. So sind es insgesamt fast 4 Stunden und hierfür gibt die Geschichte leider nicht genug her, trotz der interessanten Ansätze und dem „netten“ Abenteuer-Flair. Insgesamt kann man sagen, dass man sich inhaltlich gegenüber dem ersten Teil steigern konnte, die Hörspielbearbeitung aber immer noch zu gedehnt und verspielt daherkommt.

Sprecher:
Die Sprecher konnten bereits im ersten Teil ihre Akzente setzen und daran hat sich hier nichts getan, im Gegenteil. Zunächst gibt es eine Umbesetzung zu verkünden, denn die Rolle „Mr. Bradshaw“ wird nunmehr von Klaus Dieter Klebsch gesprochen und nicht mehr von Michael Mendl. Klebsch erledigt seinen Job souverän und kann ohne Probleme in die Fußstapfen seines Vorgängers treten. Ebenfalls Erwähnung sollte Neels Clausnitzer finden, der in die Rolle des titelgebenden Lords schlüpft. Clausnitzer dürfte den meisten TV-Freunden als deutsche Synchronstimme von Willi Tenner in der Serie „ALF“ im Ohr sein. Hier kann er auch vollends überzeugen, was auch für den Großteil der übrigen Beteiligten gilt. Allerdings habe ich weiterhin so meine Probleme mit Dagmar Dempe, deren Interpretationen ihrer Texte mir manchmal ein wenig zu gestelzt erscheinen. Diesen kleinen Wehrmutstropfen kann ich allerdings verschmerzen, da ansonsten durch die Bank gute Leistungen seitens der Sprecher geboten werden.

Musik und Effekte:
Musikalisch ist sich der Lord treu geblieben und weiterhin dominieren von Klassik inspirierte Stücke das musikalische Gesicht der Serie, die somit einen passenden Klangteppich für das Abenteuer-Genre bietet. Auch auf der Seite der Effekte gibt es positives zu berichten, denn wenn ich meinen Ohren trauen kann, so hat man die diversen kleinen Action-Sequenzen hier ein wenig lautstärker in Szene gesetzt, so dass man als Hörer keinerlei Probleme hat sich die verschiedenen Situationen vorzustellen. Trotz allem muss man sich den „Vorwurf“ gefallen lassen, dass man hier wirklich nur das allernötigste akustisch macht und nicht derart verspielt zu Werke geht, wie man es bei anderen und wesentlich moderneren Produktionen aus der Welt der Hörspiele gewohnt ist. Wie dem auch sei, insgesamt kann man hier von einer soliden technischen Umsetzung sprechen, nicht mehr aber bestimmt auch nicht weniger.

Fazit:
Auch mit dem zweiten Teil ist „Der wundersame Lord Atherton“ noch nicht der ganz große Wurf geworden. Das Hauptproblem der Produktion bleibt die überlange Spielzeit die Autor Andreas Masuth den Hörern beschert. Diesmal legt man zwar einen flotten Start hin, lässt dafür aber gegen Mitte der zweiten CD die eine oder andere Länge zu, die man hätte vermeiden können. Dafür kann man die Hörerschaft aber mit einer sehr guten Besetzung entschädigen und gerade die beiden „Neuen“, in persona Klaus Dieter Klebsch und Neels Clausnitzer verleihen erfrischend neue Impulse. Dafür ist man bei der technischen Umsetzung für meine Begriffe doch ein wenig zu sehr auf Nummer sicher gegangen und präsentiert dem Hörer nur das Nötigste. Ein wenig mehr „Verspieltheit“ wäre sicherlich schön gewesen. Insgesamt betrachtet kann der zweite Teil um Lord Atherton seinen Vorgänger aber knapp übertreffen, da der Einstieg und die gesamte Handlung ein gutes Stück flotter daherkommt. Wer also schon Gefallen am ersten Teil hatte, der wird auch hier ohne Frage auf seine Kosten kommen und wer Interesse an Abenteuern im Stile Jules Vernes hat, der kann auch zugreifen. Mit gestraffter Spielzeit und noch ein wenig mehr Atmosphäre seitens der technischen Umsetzung wäre hier sicherlich ein Knaller drin gewesen, so reicht es „nur“ knapp für ein GUT.



lord gösel