Der wundersame Lord Atherton
Teil 1

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Inhalt: Was ist mit Lord Atherton geschehen? Wohin kann er verschwunden sein, er, der seit einem traumatischen Erlebnis seinen Landsitz so gut wie gar nicht mehr verlässt? Und noch merkwürdiger: Warum ließ er sich 9.000 Tonnen Stahl liefern, die ebenfalls spurlos verschwunden sind? Gemeinsam mit dem Stahlmagnat Bradshaw machen sich Lord Athertons Neffen nebst Gemahlinnen und Butler auf die Suche nach dem Einsiedler. Und schließlich werden sie fündig. Auf Atherton Manor erwartet sie der Beginn einer fantastischen Reise, die sie quer durch das Land führen wird. Auf der unglaublichsten Route, die je ein Mensch gewählt hat, folgen sie Lord Atherton. Story: Lange Zeit war der Titel „Der wundersame Lord Atherton“ als Einzelhörspiel angekündigt gewesen und nun ist es doch direkt eine Serie geworden. Die erste Frage die es zu klären gab war, welchem Genre sich das Ganze überhaupt zuordnen lassen kann. Am ehesten trifft hier wohl die Bezeichnung „Abenteuer-Geschichte“ zu und das Jules Verne als Inspirationsquelle diente lässt sich wohl kaum leugnen. An sich bietet die Idee hinter Lord Atherton auch einiges an Potential und dürfte für die angepeilte Zielgruppe (Ab 12 Jahren) sicherlich interessant sein, wenn diese Produktion nicht unter einem Problem leiden würde, das auf den Titel „Länge“ hört. Fast zwei Stunden sind einfach zu viel Spielzeit um über die gesamt Distanz den Spannungspegel konstant hoch zu halten. Gerade zu Beginn zieht sich die Handlung in die Länge und man wartet darauf, dass nun endlich etwas passiert. Als „Entschädigung“ passiert dafür auf der 2. CD quasi permanent etwas und man wird somit für das lange Warten auch irgendwie belohnt. Dennoch wäre es für meine Begriffe besser gewesen das Geschehen auf die Spielzeit einer CD einzukürzen und somit einen konstanteren Fluss der eigentlichen Handlung zu gewährleisten. Potential ist also klar vorhanden, nur an der Ausführung in Form einer packenden Hörspielbearbeitung hapert es noch ein wenig. Im Schulnotensystem würde der Inhalt wohl als befriedigend durchgehen. Sprecher: Es ist nicht selten der Fall, dass eine nicht ganz so packende Geschichte von ihren Sprechern „gerettet“ werden muss. Auch hier kann man sagen, dass die spielenden Personen noch einige Kohlen aus dem Feuer hohlen können und der etwas drögen ersten CD durch ihr gekonntes Spiel noch einen gewissen hörenswerten Charakter verleihen. Angesichts solcher Stimmen wie derer von Torsten Münchow, Philipp Brammer, Michael Mendl oder Susanne Meikl dürfte auch niemand ernsthaft verwundert oder erstaunt sein. Wer mir allerdings nicht wirklich gefallen hat ist Dagmar Dempe als Lady Diane, was aber auch an den zeitgenössisch angehauchten Formulierungen dieser Produktion liegen könnte. Jedenfalls wirkte der eine oder andere Satz aus ihrem Munde schon ein wenig seltsam. Wie dem auch sei, insgesamt wird hier eine tolle Cast geboten, die den Spaß am Hören zu steigern im Stande ist und so sollte es auch sein. Musik und Effekte: Musikalisch zeigt sich die Serie von einer eher klassisch inspirierten Seite, was bei dem Themengebiet (Abenteuer) auch überaus zweckdienlich ist. Was mir an einigen Stellen ein wenig schwach auf der Brust erschien war die Untermalung mit Effekten. Sicherlich gibt es bei einer Vielzahl der Szenen nichts, was man groß hören könnte … wenn die Protagonisten mit einer unterirdischen Bahn fahren so ist dieses Szenario zweifellos ziemlich leer. Allerdings hatte ich mir die wenigen Actionszenen doch etwas wuchtiger gewünscht, denn wenn ich mir einen SPOILER Kampf mit urzeitlichen Sauriern oder Spinnen vorstelle SPOILER-ENDE, so sollte es doch ein wenig mehr aus den Boxen scheppern als dies hier der Fall ist. Man reisst mit der Untermalung also keine Bäume aus, arbeitet über 90% der Produktion aber absolut zweckdienlich und angemessen, so dass man hier insgesamt von einer soliden technischen Umsetzung des Stoffes schreiben kann. Fazit: „Der wundersame Lord Atherton“ legt nicht unbedingt einen Start nach Maß hin. Die Geschichte weist ohne Frage interessante Ansätze auf und dürfte für die angesprochene Zielgruppe spannend sein, doch leider hat man sich mit der überlangen Spielzeit von fast 120 Minuten keinen Gefallen getan. Allzu lange dauert es, bis die Handlung richtig in Fahrt kommt und dann auch wirklich spannend ist. Dafür wird man aber durch größtenteils wirklich sehr gute Sprecherleistungen entschädigt. Auch auf der Seite der technischen Umsetzung zeigt man sich in 90% der Spielzeit überaus solide, wenn gleich man sicherlich hier und da noch ein wenig „knalliger“ hätte werden dürfen. Mit einem zugedrücktem Auge kann ich hier von einer guten Produktion berichten, die Spaß beim Hören bereitet, bei der es aber sicherlich noch einigen Platz nach oben gibt, den man mit kommenden Episoden ausfüllen sollte. Wer auf der Suche nach Abenteuer-Geschichten im Stil von Jules Verne ist, kann hier auf jeden Fall ein Ohr riskieren. ![]() ![]() ![]()
lord gösel |