Das magische Amulett (2)
Die schwarze Witwe




Inhalt:
Erneut wird Brenda Logan von beängstigenden Träumen geplagt, die sich auf mysteriöse Amulette beziehen. Die junge Frau geht dem Rätsel nach und gelangt in ein Waisenhaus, das von einer gefährlichen Frau geleitet wird. Es geht hier eindeutig nicht mit rechten Dingen zu, und die Waisenmädchen gehorchen der Heimleiterin wie bloße Marionetten. Brenda nimmt den Kampf gegen das Böse auf - doch ihre Feindin erscheint schier übermächtig, denn sie ist die schwarze Witwe...

Story:
Ich bin mit ziemlich gemischten Gefühlen an das Hören dieses Hörspiels herangegangen, denn die erste Folge war mir ihren endloslangen Erzählertexten und der zähen Geschichte nicht grade in guter Erinnerung geblieben. Und zu Beginn erschien es auch noch so, als habe sich wenig bis gar nichts bei der zweiten Folge verändert, denn auch hier dominieren zu Beginn lange Passagen die nur von der Erzählerin vorgetragen werden und schon etwas behäbig wirken. Allerdings wendet sich dann doch noch das Blatt, denn es kommt das in die Geschichte, was man in der gesamten ersten Folge so schmerzlich vermisst hat: Tempo. Ja, es ist wirklich wahr. „Die schwarze Witwe“ hat zwar auch noch an einigen Stellen recht lange Erzählertexte, aber die Handlung wird diesmal nicht derart ausgebremst. So kann diesmal auch wirkliche Spannung aufkommen und an ein oder zwei Stellen wird es sogar kurzfristig unheimlich und gruselig. Insgesamt betrachtet gibt es aber immer noch massig Spielraum nach oben, denn man darf ruhig noch mehr Dialoge schreiben und die Erzählerpassagen noch mehr kürzen. So wäre es beispielsweise schön gewesen, wenn das Finale der Geschichte vom Hörer wirklich erlebt werden würde und nicht nur vorgetragen wird. Die Richtung in die man sich hier entwickelt ist zumindest schon mal die richtige, denn die zweite Folge um das magische Amulett wirkt schon allein von der Geschichte wesentlich ansprechender. Ich habe mich hier noch gut unterhalten gefühlt und würde in Schulnoten eine knappe 2- dafür vergeben.

Sprecher:
Wirft man einen Blick auf die Namen der Sprecher, so weiß man eigentlich, dass hier nur herzlich wenig schief gehen kann. Katja Brügger ist eine erfahrene Sprecherin und das kann sie hier unter Beweis stellen. Sie meistert sowohl ihre gespielten Passagen als auch ihre langen Erzählertexte mit Bravur und es macht Spaß ihr zu zuhören. Ihr zur Seite stehen mit Robert Missler und Wolf Frass zwei weitere überaus bekannte Sprecher, die hier ebenfalls einen mehr als gelungenen Job abliefern. Tobias R. Schmidt, der die Rolle vom Museumshausmeister Raymond übernimmt, ist zwar kein solch alter Hase, wie seine drei bereits genannten Kollegen, aber auch er hat bereits reichlich Erfahrungen als Sprecher sammeln können, wie etwa bei EUROPA oder bei der Knickerbocker-Bande von Ravensburg. Alle Leistungen die man hier zu hören bekommt sind wirklich gut und für die weiteren Folgen dieser Serie wünscht man sich einfach, dass der Anteil an Dialogen weiter ausgebaut wird und man mehr von solch tollen Sprechern zu hören bekommt.

Musik und Effekte:
Man setzt das Prinzip aus der ersten Folge weiter fort, sprich: Die (nicht mehr ganz so) langen Erzählerpassagen werden mit allerlei Effekten unterlegt, so dass der Hörer keine Probleme damit hat, sich die Situationen in denen sich Brenda befindet vorzustellen. Die Effekte sind eigentlich auch immer äußerst gelungen, bis auf eine Ausnahme. In einer Szene beschreibt Brenda, dass sie durch strömenden Regen läuft, doch die Hintergrundgeräusche ähneln in diesem Moment eher einer laufenden Dusche, was schon seltsam ist, da man zuvor doch durchaus realistische Regensounds hatte. Die Seite der Musik zeigt sich dafür aber als überaus gelungen. Im richtigen Moment werden Spannungsfördernde Melodien im Hintergrund eingesetzt und es gibt auch an diversen Stellen Musik zu Überblendung zwischen zwei Szenen. Sicherlich gibt es auch in diesem Bereich noch hier und da Verbesserungsbedarf (grade wenn man bedenkt mit welch opulenter Kulisse man bei Serien wie „Gabriel Burns“ oder „Edgar Allan Poe“ konfrontiert wird), aber dennoch kann sich die technische Seite dieser Produktion mit leichten Abstrichen hören lassen.

Fazit:
Das Positive direkt zum Einstieg: Man hat sich ein ganz ordentliches Stück gegenüber der ersten Folge gesteigert. Die Geschichte von „Die schwarze Witwe“ kommt wesentlich flotter daher und vermag es den Hörer viel mehr in ihren Bann zu ziehen als es bei der „Wiedergeburt des Bösen“ der Fall war. Eine Rolle spielt hierbei sicherlich auch die Tatsache, dass die Anzahl an „echten“ Dialogen deutlich erhöht wurde und das Hörspiel somit nicht mehr wie eine Inszenierte Lesung mit gelegentlichen Dialogen wirkt. Bei den Sprechern gab es herzlich wenig Grund zur Kritik und auch diesmal sind sie wieder wirklich gut. Beim nächsten Mal dürfen es aber dennoch gerne noch ein paar mehr als nur sechs sein, denn auch diese Folge bietet Platz für mindestens zehn Sprecher. Die technische Seite zeigt sich zwar nicht 100%ig auf der Höhe der Zeit, kann aber dennoch überzeugen. Es gibt ohne Frage noch einiges, was man bei der Produktion der nächsten Folge anders/besser machen kann, aber dennoch kann ich dieser Produktion einen eigenen Unterhaltungswert nicht absprechen. Da eine klare Steigerung gegenüber der ersten Folge zu erkennen ist, vergebe ich für „Die schwarze Witwe“ vier Sterne und das Prädikat gut.



lord gösel