Das magische Amulett (1)
Wiedergeburt des Bösen




Inhalt:
Die Archäologin Brenda Logan macht einen seltsamen Fund, der sie in größte Gefahr bringt. Ein undurchsichtiger Professor, der nichts Gutes im Schilde führt, will mit ihrer Hilfe das magische Amulett an sich bringen, um unvorstellbare Macht zu erlangen. Doch das Geheimnis des Amuletts ist unergründlich. Eine böse Überraschung wartet nicht nur auf den Professor...

Story:
Was für eine Inhaltsangabe! Wer diese gelesen hat und beim Hörspiel aufmerksam zuhört, der dürfte schon nach etwa der Häfte der 60 Minuten wissen, wie hier der Hase läuft. Doch das soll nicht der zentrale Punkt dieser Rezension sein. Also werfen wir lieber mal einen Blick auf die Geschichte selbst. Gruselunterhaltung gibt es derzeit wie Sand am Meer auf dem nicht mehr so kleinen Hörspielmarkt und dementsprechend muss jede neue Serie sich erstmal mit aktuellen Referenzen vergleichen lassen und da macht "Das magische Amulett" leider keine besonders gute Figur und das obwohl es zu Beginn noch vielversprechend zu werden scheint: Brenda Logan erzählt, dass sie vor einiger Zeit ohne die geringste Erinnerung an irgendetwas in einem Krankenhaus aufwachte. Das mag zwar nicht besonders innovativ sein, aber eigentlich bietet sowas immer viel Platz für eine spannende und eventuell unheimliche Geschichte. Das einzige was jedoch an der Geschichte unheimlich ist, sind die Träume die Brenda heimsuchen und zur Zeit der Kreuzzüge spielen. Ansonsten geht es hier sehr zäh und behebig zu, was unter anderem auch an viel zu langen Erzählpassagen der Protagonistin liegt. Genau durch dieses Stilmittel wird die Geschichte nämlich jeglichem Tempos beraubt. Allerdings ist die Geschichte selbst auch nicht unbedingt besonders originell. Ewigkeiten lang werden in Flashbacks die bösen Gegner vorgestellt und am Ende werden sie dann auf die Schnelle erledigt und die gesamte Geschichte im Hau-Ruck-Stil geklärt. Wenn eine "Groschenehft-Serie" als Vorlage dient erwartet man gewiss keine literarischen Meisterleistungen, doch sowohl die Geschichte als auch die Bearbeitung ist einfach nur langweilig. Somit präsentiert man uns als Debüt der neuen Serie nur "eine weitere Gruselgeschichte" ohne besondere Aha-Erlebnisse.

Sprecher:
Was die Geschichte versemmelt müssen die Sprecher scheinbar retten. Ja ... die sind wirklich allesamt gut und haben im Hörspielbereich ihre Namen. Katja Brügger leiht Hauptperson Brenda Logan ihre Stimme und kann überzeugen. Allerdings wird sie für meinen Geschmack dann doch viel zu oft eingesetzt. So beschränken sich ihre Erzählerpassagen nicht nur darauf die Situationen zu erklären, sondern in grossen Teilen gibt sie komplette Dialoge wieder und grade hier frage ich mich, wieso man dann nicht gleich eine Lesung aus dieser Serie gemacht hat. Allerdings bin ich dann, wenn ich so tolle Sprecher wie Robert Missler, Christiane Papppert oder Achim Schüle höre doch wieder hocherfreut, dass es eben doch keine reine Lesung geworden ist. Ja ... grade in den "Traumflashbacks" stellt man sehr eindrucksvoll unter Beweis, dass man durchaus in der Lage ist ordentliche Dialoge in Hörspielform zu verfassen. Ich könnte nun wohl ewig darüber philosophieren wieso man seine Möglichkeiten nicht genutzt hat, doch das gehört nicht an diese Stelle, denn hier stehen die Sprecher im Mittelpunkt und die sind allesamt wirklich gut bis sehr gut.

Musik und Effekte:
Über weite Strecken kommt dieses Hörspiel einer inszenierten Lesung sehr nahe, da die langen Erzählerpassagen mit allerlei Effekten unterlegt werden um dem Hörer die Vorstellung zu erleichtern. Diese Tatsache ist auf jeden Fall erfreulich, da die genutzten Effekte auch sehr gut sind und somit ihren Zweck völlig erfüllen. Etwas zwiespältiger ist da für meinen Geschmack schon das Thema Musik. Nicht das die verwendeten Stücke schlecht oder gar unpassend wären, aber sie werden leider viel zu wenig eingesetzt. Über die gesamte Spielzeit von 60 Minuten gibt es quasi gar keine Zwischenmusiken, die die Handlung etwas auflockern würden. Hier und da werden düstere Klänge im Hintergund eingemischt um den Szenen, die unheimlich und spannend sein sollen zusätzliche Atmosphäre zu verschaffen. Letzteres gelingt dann auch und zumindest ich frage mich wieso man nicht wesentlich mehr Musik eingesetzt hat, denn die hätte die Handlung sicherlich auflockern können. Was man hier geboten bekommt ist ohne Frage solide, aber gemessen an dem was man heute von Grusel- und Horror-Serie gewohnt ist nicht grade überragend.

Fazit:
Mit "Wiedergeburt des Bösen" legt man alles andere als einen Einstand nach Maß an den Tag. Die Geschichte sticht kaum aus dem Gros der Geschichten hervor die es derzeit zu Dutzenden auf dem Markt gibt. Die viel zu langen Erzählpassagen nehmen einges an Tempo aus der Geschichte und die recht stiefmütterlich eingesetzte Musik trübt den Spass am Hören auch etwas. Lediglich Effekte und vorallem die Sprecher können wirklich überzeugen und retten diese Produktion davor in die Rubrik "schwach" abzurutschen. Leider reichen diese beiden Faktoren aber auch nicht aus um aus dieser ersten Folge ein gutes Hörspiel zu machen. Eine Empfehlung hierfür auszusprechen fällt mir schwer, da ich nicht wirklich weiss, wen diese Serie ansprechen sollte. Wer die Sinclair2000-Hörspiele mag, dem wird hier ohne Frage Action fehlen und Anhängern von etwas tiefgründigeren Geschichten wie Gabriel Burns dürften sowohl die Geschichte als auch die vorkommenden Charaktere zu zweidimensional sein. Wer die Romanvorlagen mag, kann sicherlich mal ein Ohr riskieren. Gruselfans können es ebenfalls mal probieren, aber es sei direkt gesagt, dass es echten Grusel hier kaum gibt. Vielleicht richtet sich diese Serie aber auch eher an die weiblichen Hörer. Wie ich darauf komme? Weil meine Frau diese Produktion nach eigener Aussage spannend und toll fand, während ich mich über weite Strecken eher gelangweilt habe. Insgesamt bleibt bei mir ein durchschnittlicher Eindruck, mit der Hoffnung, dass weitere Folgen dieser Serie etwas mehr Hörspiel und weniger Lesung werden.



lord gösel