Abseits der Wege
Kapitel 2: Stromsbwärts




Inhalt:
Gaston Glück hatte das Funkeln nachtschwarzer Mondaugen gespürt und sich den unlichen Worten nicht entziehen können. "Dein Vater wird alle verraten, ... um sein Geheimnis zu bewahren. Es gibt nur diesen einen Weg: stromabwärts."
Vergangen waren die Tage, als es noch keine Grenzen gab und die Welt im Freien lag und Welkenwerk nur eine Sage.

Story:
Pompöse Ankündigungen der Superlative eilten dem ersten Kapitel „Unweit“ voraus und leider wurden nicht grade alle Versprechungen gehalten. Reichlich zäh präsentierte sich das Debüt und eigentlich wusste man am Ende quasi nichts. Das zweite Kapitel „Stromabwärts“ zeigt sich da wesentlich zugänglicher. Obwohl das Hörspiel 20 Minuten kürzer ist, präsentiert man dem Hörer wesentlich mehr Inhalt und beginnt nun auch damit einige der in Kapitel 1 eingeführten Begrifflichkeiten mit Leben zu füllen. Von der Zähigkeit ist fast nichts mehr geblieben, es geht schnell voran und man bietet dem Hörer auch ein paar Action-Szenen, die die gesamte Handlung mit zusätzlichem Leben erfüllen. Jedenfalls hat man nach dem Genuss der 2. Folge auch endlich wesentlich konkretere Vorstellungen von all dem, was in der geheimnisvollen Welt Gaston Glücks vor sich geht. Dennoch ist noch lange nicht alles so, dass es nun den Vorankündigungen gerecht werden würde. Hier und da verrent man sich doch noch in Erzählerpassagen, die an sich nicht von Nöten wären, sondern allein durch Dialoge und Effekte umgesetzt werden könnten, wie es bei einem Hörspiel eigentlich üblich ist. Dennoch habe ich mich diesmal gut unterhalten gefühlt und „Stromabwärts“ in kurzer Zeit mehrere Male gehört.

Sprecher:
Die Sprecher … was soll man dazu großartig schreiben. Timmo Niesner, Jürgen Kluckert, Engelbert von Nordhausen und Stefan Krause können vollends unter Beweis stellen, dass sie Sprecher mit viel Erfahrung sind. Jeder geht in seiner Rolle vollends auf, wobei vor allem Niesner als Gaston Glück ein Extra-Lob verdient hat. Was immer noch ein wenig seltsam anmutet, ist die Nähe der hier vorkommenden Figuren zu den Charakteren aus Tolkiens „Der Herr der Ringe“. So schwirrt einem doch immer ein wenig die Phrase „Alles (nur) geklaut“ durch den Kopf. Erfreulich ist dem gegenüber die Tatsache, dass man die Erzählerpassagen von Heinz Ostermann kürzer ausfallen lässt und die gesamte Angelegenheit somit flotter daherkommt. In diesem Punkt hat man wirklich alle Register seines Könnens gezogen und gute Arbeit geleistet.

Musik und Effekte:
Wow … das ist wohl das Wort, welches an ehesten beschreibt, was dem Hörer hier vor die Ohren kommt. Die Musik klingt pompös, mächtig, episch … wie für einen Hollywood-Streifen mit großem XXL-Budget. Jede Stimmung wird durch die Musik perfekt transponiert und da macht das Hören direkt noch mal doppelt so viel Spaß. Was ebenfalls bemerkenswert ist, sind die eingemischten Effekte und Geräusche. Man weiß ja von Volker Sassenberg, dass er in diesem Bereich ein kleiner Magier ist und dies stellt er hier abermals unter Beweis. Eine tolle Symbiose aus Geräuschen und Musik lässt ein unglaubliches Kopfkino entstehen, das man derzeit nur selten bei anderen Produktionen vorfindet. In diesem Punkt jedenfalls wird man den gewaltigen Ankündigungen vollends gerecht. Von vorne bis hinten: Sehr gut!

Fazit:
Nachdem mich das erste Kapitel doch recht kalt gelassen hatte, konnte mich „Stromabwärts“ mit einigen Einschränkungen begeistern. Rein von der technischen Umsetzung hat man hier ohne Frage eine Referenz im kommerziellen Hörspielbereich vorliegen. Prinzipiell sind auch die Sprecher allererste Sahne, wäre da nur nicht diese unglaubliche Nähe zu Peter Jacksons filmischer Umsetzung von „Der Herr der Ringe“. Diese Nähe schlägt sich auch ein wenig in der Geschichte wieder, bei der man an einigen Stellen doch schon denkt: Das kenne ich aber so ähnlich. Trotz allem macht die Folge wesentlich mehr Spaß als die erste, denn hier bekommt man allmählich eine Vorstellung von dem, worum es gehen soll. Wer die erste Folge schon mochte, der dürfte von der zweiten wohl wirklich begeistert sein und alle, die nach der ersten noch nicht wussten, was sie davon halten sollten, können auch mal ein Ohr riskieren. In Schulnoten würde ich das jetzt mit einer 2 minus bewerten. Hier schlummert jedenfalls noch reichlich Potential. Hoffen wir nur, dass man mit dem 3. Kapitel diesen positiven Trend fortsetzt.



lord gösel